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Grafik mit Zug, Bus, Auto, Fahrradfahrer und Fußgänger vor Stadtsilhouette, verbunden durch Wolkensymbol für drahtlose Kommunikation.
KI generierte Grafik

Vernetzung von Verkehrsträgern im urbanen Raum: Das 6. AK-Treffen Schiene

| Christian Frowein, innocam.NRW

Das 6. Treffen des Arbeitskreises Schiene in innocam.NRW behandelte die Vernetzung von Verkehrsträgern im urbanen Raum, mit Fokus auf die Straßenbahn und deren zuverlässige Anschlüsse zu anderen Verkehrsmitteln. Ein zentrales Ergebnis war, dass eine umfassende Vernetzung der Verkehrsteilnehmenden eine Grundlage für die Automatisierung der Fahraufgabe im urbanen Raum darstellt, da sie hilft, unvorhergesehene Ereignisse im Mischverkehr zu bewältigen. Zudem wurde festgestellt, dass der Schienenverkehrssektor einen hohen Bedarf an Testinfrastruktur für V2X-Technologien (Fahrzeug-zu-X-Vernetzung) aufweist und von den Erfahrungen der Automobilbranche profitieren kann, insbesondere hinsichtlich der Datensätze zur Umfelderkennung.

Das 6. Treffen des Arbeitskreises Schiene in innocam.NRW hatte das Themenfeld Vernetzung von Verkehrsträgern im urbanen Raum mit einem Fokus auf die Straßenbahn zum Thema. Der Vernetzungsbegriff wurde weit gefasst: Neben der kommunikativen, technischen Verknüpfung von Verkehrsteilnehmenden kann im städtischen Kontext des ÖPNV auch eine zuverlässige Anschlusssicherung, beispielsweise zwischen einer Straßenbahn und Verteilerbussen, als eine Art Vernetzung des Verkehrssystems auf Basis des Fahrplans verstanden werden.

Ein Konsens aus dem Treffen ist, dass eine konsequente Vernetzung von Verkehrsteilnehmenden die Grundlage für die Automatisierung der Fahraufgabe im urbanen Raum darstellt. Das Wissen über die Positionen und Routen möglichst aller Personen und Fahrzeuge im Verkehrssystem erleichtert die sichere Fortbewegung der Verkehrsteilnehmenden erheblich. Fahrerlose bzw. automatisiert fahrende Straßenbahnen müssen beispielsweise unvorhergesehene Ereignisse wie das Kreuzen von anderen Verkehrsteilnehmenden wie Fußgängern, Radfahrenden oder Autos im Mischverkehr bewältigen. Diese oft plötzlich auftretenden Verkehrssituationen stellen eine Herausforderung für Umfelderfassungssysteme dar. Eine flächendeckende Vernetzung der agierenden Personen und Fahrzeuge würde hier Abhilfe schaffen.

Unter anderem am Beispiel Aachens und den Plänen zur dortigen RegioTram wurde eine denkbare räumliche Differenzierung hergeleitet: Eine Möglichkeit könnte es sein, innerorts den Weg zu einer konsequenten, umfassenden Vernetzung zu bereiten und assistiert fahrerbasiert zu fahren, während außerorts oder in Vororten die Automatisierung der Fahraufgabe durch weniger komplexe auftretende Situationen beherrschbarer ist. Triebfahrzeugführende würden dann am Stadtrand aussteigen und das nächste Fahrzeug in Gegenrichtung im Stadtbereich übernehmen, während die stadtauswärtsfahrende Bahn fahrerlos in die Außenbezirke fährt. Im Innenstadtbereich steht ein Umfelderkennungssystem dem Fahrpersonal als Unterstützung bei der Gefahrenerkennung zur Verfügung. Der Funktionsumfang ist jedoch auf das Hinweisgeben begrenzt. 

Darauffolgend kann eine Erweiterung des Funktionsumfangs im innerstädtischen Bereich über ein Assistenzsystem mit Eingriffsrechten bis hin zu einem vollständig automatisierten System schrittweise ausgebaut werden. Nebenbei unterstützt ein automatischer Betrieb in Randbezirken die Gewöhnung der Fahrgäste an die neue Technologie.

Der Blick zur benachbarten Automobilbranche zeigt: Im Schienenverkehrssektor besteht hoher Bedarf an Testinfrastruktur für V2X-Technologien, die es im Automobilbereich bereits gibt. Insbesondere die wichtigen Schnittstellen zu anderen Verkehrsteilnehmenden (Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Fußgänger) sind dabei zu berücksichtigen. Zudem existiert in der Automobilbranche eine deutlich größere Vielfalt an Datensätzen (insbesondere Trainingsdatensätze relevanter Verkehrssituationen für das Anlernen von neuronalen Netzen zur Umfelderkennung), die unter anderem auch von Unternehmen wie Fahrzeugherstellern öffentlich gemacht werden. Dies ist als Positivbeispiel für den Schienenverkehrssektor zu sehen.

Erkenntnisse und Ausblick

Das urbane Umfeld für Straßenbahnen beinhaltet im Vergleich zu anderen Schienenfahrzeuganwendungen (Vollbahn, Metro) die komplexesten Verkehrssituationen. Eine konsequente Vernetzung der Verkehrsteilnehmenden ist hier elementar. Der suburbane Bereich mit weniger komplexen Szenarien kann für erste Schritte der Automatisierung die beherrschbarere Umgebung darstellen. 

Das Thema Vernetzung als Grundstein für das fahrerlose Fahren soll im Arbeitskreis in kommenden Sitzungen oder in Form von Veröffentlichungen weiter vertieft werden. Sprechen Sie uns gerne bei Fragen und Ideen zum Thema gerne an an. 

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Portrait zeigt Christian Frowein, lächelnd mit Brille in einem hellen Hemd und dunklem Jacket vor dunklem Hintergrund.

Christian Frowein

Wissenschaftliche Mitarbeit und Arbeitskreis Schiene +49 241 80 25575