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Ein gelber Bus fährt auf einer Landstraße
© tayguntoprak auf pixabay

C-ITS WEBINAR „How to Improve Public Transport with C-ITS“

| Dr. Nadine Teusler, innocam.NRW

Im Rahmen des internationalen Webinars „How to improve public transport with C-ITS“, das am 12. Mai 2026 von der C-Roads organisiert wurde, standen aktuelle Entwicklungen und Praxiserfahrungen zum Einsatz kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (C-ITS) im öffentlichen Verkehr im Mittelpunkt. Ziel der Veranstaltung war es, erfolgreiche C-ITS-Anwendungen im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs vorzustellen und sowohl technische Erkenntnisse als auch betriebliche Vorteile aufzuzeigen.t

C-Roads

C-Roads ist eine europäische Plattform zur Einführung und Harmonisierung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (C-ITS). Ziel ist es, den standardisierten Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur europaweit zu ermöglichen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, den Verkehrsfluss zu verbessern und die Grundlage für zukünftige automatisierte Mobilität zu schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei die interoperable Umsetzung von C-ITS-Diensten, sodass diese grenzüberschreitend einheitlich funktionieren. Laut den präsentierten Informationen vereint C-Roads derzeit 21 europäische Länder sowie sieben assoziierte Länder, darunter Australien, Israel, Neuseeland, Serbien, die Schweiz und die Türkei. 

Nach zehn Jahren Umsetzung zeigt sich bereits eine umfangreiche Verbreitung der Technologie in Europa. Rund 2,5 Millionen Fahrzeuge sind inzwischen mit C-ITS ausgestattet. Darüber hinaus wurden europaweit etwa 6.000 sogenannte Road-Side Units (RSUs) installiert, die die Kommunikation zwischen Infrastruktur und Fahrzeugen ermöglichen. Zusätzlich befinden sich rund 4.000 On-Board Units (OBUs) in öffentlichen Dienstfahrzeugen, davon etwa 2.500 im öffentlichen Verkehr. Auch das transeuropäische Verkehrsnetz (TEN-T) wird zunehmend mit C-ITS-Technologie ausgestattet: Etwa 21.000 Kilometer des Straßennetzes sind bereits mit Short-Range-C-ITS ausgestattet, weitere 18.000 Kilometer mit Long-Range-C-ITS auf IP-Basis. Insgesamt sind damit rund 30 Prozent des TEN-T-Netzes durch C-ITS abgedeckt. 

Zu den wichtigsten Anwendungsfällen zählen Baustellen- und Gefahrenwarnungen, Informationen zu Wetterbedingungen oder Stauenden sowie intelligente Ampelsteuerungen und Vorrangschaltungen für den öffentlichen Verkehr. Insbesondere im urbanen Raum gewinnt der Einsatz von C-ITS zunehmend an Bedeutung. Dabei sollen Busse und Straßenbahnen effizienter gesteuert, Verkehrsabläufe optimiert und die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur verbessert werden. Die Plattform arbeitet hierzu mit gemeinsamen technischen Standards, europaweiten Pilotprojekten und grenzüberschreitenden Tests, um eine möglichst einheitliche und sichere Einführung der Systeme in Europa sicherzustellen. 

Der Einführungsvortrag zur Veranstaltung ist hier einsehbar.

C-Roads Germany 

C-Roads Germany ist der deutsche Beitrag zur europäischen C-Roads-Plattform und dient als Pilotprojekt zur Einführung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (C-ITS). Seit dem Projektstart im Jahr 2016 werden in Deutschland verschiedene C-ITS-Dienste im realen Straßenverkehr getestet und weiterentwickelt. Ziel ist es, Fahrzeuge, Ampelanlagen und Verkehrsinfrastruktur digital miteinander zu vernetzen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, den Verkehrsfluss zu verbessern und den öffentlichen Verkehr effizienter zu gestalten. Seit 2019 liegt ein besonderer Fokus auf dem Einsatz in urbanen Räumen, den sogenannten „Urban Nodes“.  

Mit der aktuellen Projektphase „C-Roads Germany – Phase 3“ (CRG-3), die von Januar 2025 bis März 2028 läuft, wird das Projekt weiter ausgebaut. Neben den bisherigen Pilotstandorten Hamburg, Kassel und Dresden wurden zusätzlich Frankfurt am Main, Hannover und Kaiserslautern aufgenommen. Das Gesamtbudget beträgt rund 48,3 Millionen Euro und wird durch die Europäische Union im Rahmen der „Connecting Europe Facility“ gefördert.  

Im Mittelpunkt der aktuellen Phase stehen insbesondere Anwendungen für den öffentlichen Verkehr und Einsatzfahrzeuge. Dazu gehören unter anderem dynamische Vorrangschaltungen an Ampeln für Busse, Straßenbahnen sowie Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge. In Hamburg wird beispielsweise eine moderne C-ITS-basierte Priorisierung des ÖPNV aufgebaut, bei der Busse und Lichtsignalanlagen über Nah- und Fernfeldkommunikation miteinander vernetzt werden. Hintergrund ist unter anderem der notwendige Technologiewechsel bisheriger Funklösungen.

Deutsche Städte  

(Dr. Thomas Otto, Gruppenleiter "Kooperative Systeme", Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI) 

Inhalt war die Einführung und Weiterentwicklung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (Cooperative Intelligent Transport Systems, C-ITS) in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung urbaner Verkehrssteuerung und signalbasierter Priorisierung. Im Fokus steht die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastruktur und zentralen Verkehrsmanagementsystemen über Vehicle-to-Everything-(V2X)-Kommunikation, um Verkehrsabläufe effizienter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten. 

Die Systemarchitektur basiert auf einer Kombination aus dezentralen Kommunikationsprozessen zwischen Fahrzeugen und straßenseitiger Infrastruktur sowie zentralen Backend-Systemen zur Verarbeitung und Verteilung verkehrsrelevanter Daten. Hierbei übernehmen sogenannte Roadside Units (RSU), Verkehrsrechnerzentralen und digitale Plattformen zentrale Funktionen für die Echtzeitkommunikation. Die dargestellten Ansätze zeigen einen schrittweisen Übergang von klassischen analogen Signal- und Funktechnologien hin zu vollständig kooperativen und digital vernetzten Verkehrssystemen. 

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf den C-ITS-Diensten Green Light Optimal Speed Advisory (GLOSA) und Traffic Signal Priority (TSP). GLOSA ermöglicht die Berechnung einer optimalen Geschwindigkeit zur möglichst unterbrechungsfreien Passage lichtsignalgesteuerter Knotenpunkte. Dadurch können Haltevorgänge, Emissionen und Energieverbrauch reduziert werden. Das TSP-Verfahren dient insbesondere der Priorisierung des öffentlichen Verkehrs sowie von Einsatzfahrzeugen durch adaptive Eingriffe in die Signalsteuerung. Ziel dieser Maßnahmen ist die Verbesserung von Verkehrsfluss, Pünktlichkeit und Verkehrssicherheit im urbanen Raum. 

Die Inhalte verdeutlichen darüber hinaus die zunehmende institutionelle und regulatorische Verankerung von C-ITS in Deutschland. Mehrere Leitfäden und Handlungsempfehlungen deutscher Fachinstitutionen adressieren die Nutzung von C-ITS an signalisierten Knotenpunkten, die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs sowie die Migration bestehender Verkehrsinfrastrukturen in digitale kooperative Systeme. Beispiele sind: 

  • BASt: Use of C-ITS-based PT prioritization at signalized intersection (2021) oder Optimized control strategies for traffic signals through consideration of C-ITS (2025) 

  • VDV: Abolition of analog radio frequencies in the 20 kHz grid (2022) oder Prioritization of public transport at traffic lights with C-ITS (2022) 

  • FGSV: References for the technology change from C-ITS at TL (2024) 

Zusätzlich wird die praktische Umsetzung in deutschen Städten und urbanen Testfeldern dargestellt. Seit 2019 wurden in mehreren europäischen Städten C-ITS-Infrastrukturen installiert und weiterentwickelt. Für Deutschland werden insbesondere Hamburg, Kassel, Dresden, Frankfurt, Hannover und Kaiserslautern genannt. Die Anwendungen umfassen unter anderem Probe Vehicle Data (PVD), Signal Priority Requests (SPR) sowie kooperative Verkehrsmanagementdienste. Die Einführung erfolgt dabei stufenweise über hybride Übergangslösungen bis hin zu einem langfristigen vollständigen Ausbau kooperativer digitaler Verkehrsinfrastrukturen. 

Die vorgestellten Inhalte sind hier einsehbar. 

C-IST im öffentlichen Personennahverkehr in Tschechien  

(Ph.D. Ivo Herman, Herman Technologies, Tschechien) 

Die Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs gilt als zentraler Baustein moderner urbaner Mobilität. In Tschechien zeigt sich derzeit besonders deutlich, wie Cooperative Intelligent Transport Systems (C-ITS) genutzt werden können, um Verkehrsflüsse effizienter zu steuern, den öffentlichen Nahverkehr zu priorisieren und gleichzeitig die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Mehrere Städte und Regionen setzen dabei auf unterschiedliche, aber technisch eng verwandte Ansätze, die inzwischen als praxiserprobte Lösungen gelten. 

Im Mittelpunkt vieler Anwendungen steht die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs an signalisierten Kreuzungen. Busse, Straßenbahnen oder Oberleitungsbusse kommunizieren dabei direkt mit der Verkehrsinfrastruktur und melden ihren Annäherungs- oder Verspätungsstatus an Ampelanlagen. Dadurch können Grünphasen angepasst und Verzögerungen reduziert werden. Ergänzend kommen sogenannte GLOSA-Anwendungen („Green Light Optimal Speed Advisory“) zum Einsatz. Diese Systeme geben Fahrerinnen und Fahrern Empfehlungen für eine optimale Geschwindigkeit oder den geeigneten Zeitpunkt zur Abfahrt, um Kreuzungen möglichst ohne Halt passieren zu können. Neben einer verbesserten Pünktlichkeit ergeben sich daraus auch Vorteile hinsichtlich Energieverbrauch und Verkehrsfluss. 

Ein besonders umfangreiches Beispiel für die Umsetzung solcher Systeme findet sich in Brno und der Region Südmähren. Dort wurde bereits 2019 eines der ersten groß angelegten europäischen Projekte zur Kombination von C-ITS und öffentlichem Verkehr umgesetzt. Mehrere hundert Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs – darunter Straßenbahnen, Busse und Oberleitungsbusse – wurden mit entsprechenden On-Board-Units ausgestattet. Zusätzlich erfolgte die Anbindung zahlreicher Kreuzungen über sogenannte Roadside Units. Die Region verfolgt dabei einen schrittweisen Übergang von älteren Priorisierungssystemen hin zu einer umfassenden digitalen Verkehrssteuerung. Aus einer zunächst reinen Vorrangschaltung für den ÖPNV entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Plattform für weitere Anwendungen im Bereich kooperativer Verkehrssysteme. 

Während Brno auf eine großräumige und langfristig gewachsene Infrastruktur setzt, zeigt Hradec Králové einen stärker problemorientierten Ansatz. Dort stand nicht die Einführung eines vollständigen C-ITS-Systems im Vordergrund, sondern die gezielte Verbesserung des innerstädtischen Verkehrsmanagements. Im Rahmen des Projekts wurden neue Ampelanlagen mit Kommunikationsmodulen ausgestattet sowie ein modernes Verkehrsleit- und Backoffice-System aufgebaut. Auch hier kommunizieren Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs direkt mit der Infrastruktur und erzeugen täglich eine große Zahl von Priorisierungsanfragen. Erwähnenswert ist zudem die Einbindung weiterer Fahrzeuggruppen wie Baustellen- und Einsatzfahrzeuge, wodurch das System über den klassischen ÖPNV hinaus erweitert wird. 

Dass C-ITS-Anwendungen nicht nur für Großstädte relevant sind, zeigt das Beispiel der Stadt Třebíč. Dort lag der Schwerpunkt zunächst auf vergleichsweise einfachen Anwendungsfällen im öffentlichen Verkehr. Neben Vorrangschaltungen wurden unter anderem Warnsysteme für Einsatzfahrzeuge, Hinweise auf herannahende Straßenbahnen sowie fahrgastbezogene Echtzeitinformationen eingeführt. Auch kleinere Zusatzfunktionen wie Empfehlungen zur optimalen Abfahrtszeit an Haltestellen verdeutlichen, dass bereits einzelne digitale Anwendungen spürbare Auswirkungen auf Verkehrsqualität und Sicherheit haben können. Die Beispiele zeigen, dass selbst Kommunen ohne umfangreiche Vorerfahrung schrittweise in kooperative Verkehrssysteme einsteigen können. 

Die technische Grundlage der vorgestellten Systeme bildet eine eng integrierte Kommunikationsarchitektur. Verkehrsleitstellen, Backoffice-Systeme, Flottenmanagement, Fahrzeuge und Ampelsteuerungen sind dabei digital miteinander vernetzt. Die Kommunikation erfolgt hybrid und dezentral, wodurch keine einzelne zentrale Komponente als kritischer Ausfallpunkt fungiert. Gleichzeitig ermöglichen standardisierte Schnittstellen die Interoperabilität unterschiedlicher Hersteller und Systeme. Besonders hervorgehoben werden offene Standards wie ITxPT oder IBIS-IP, die eine herstellerunabhängige Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur unterstützen. 

Die Erfahrungen aus den tschechischen Projekten verdeutlichen, dass C-ITS inzwischen nicht mehr nur als Forschungsfeld betrachtet wird, sondern als praxistaugliche Technologie für den urbanen Verkehr. Die Systeme gelten als zuverlässig, skalierbar und flexibel erweiterbar. Gleichzeitig eröffnen sie Perspektiven über den öffentlichen Verkehr hinaus, etwa für das Management von Einsatzfahrzeugen, Baustellen oder zukünftigen automatisierten Mobilitätsdiensten. Damit entwickeln sich kooperative Verkehrssysteme zunehmend zu einer zentralen Infrastruktur moderner, datenbasierter Verkehrssteuerung. 

Die vorgestellten Inhalte sind hier einsehbar. 

C-IST im öffentlichen Personennahverkehr in Wien

(Georg Brenner, Gemeinderat für NEOS Tulln und Projektleiter für Innovationsprojekte bei den Wiener Linien) 

Wien zählt zu den europäischen Städten, die den Einsatz kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (C-ITS) gezielt zur Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs und des städtischen Verkehrsmanagements erproben. Im Mittelpunkt stehen dabei Anwendungen zur Priorisierung des öffentlichen Verkehrs, zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur sowie zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Die Erfahrungen aus Wien zeigen sowohl die technologischen Potenziale als auch die praktischen Herausforderungen bei der Einführung interoperabler C-ITS-Systeme in einem komplexen urbanen Umfeld. 

Die österreichische Hauptstadt verfügt mit rund 2,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und etwa 620.000 Pendlerinnen und Pendler pro Tag über ein stark belastetes Verkehrssystem. Der öffentliche Verkehr spielt dabei eine zentrale Rolle: Jährlich werden rund 900 Millionen Fahrgäste befördert. Für die Verkehrssteuerung stehen etwa 1.300 Ampelanlagen zur Verfügung, von denen ein großer Teil bereits für den öffentlichen Verkehr genutzt wird. Rund 640 Kreuzungen besitzen Vorrangschaltungen für Busse und Straßenbahnen. Vor diesem Hintergrund bietet Wien ein geeignetes Umfeld für die Einführung kooperativer Verkehrssysteme. 

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Verkehrsbetreiber Wiener Linien. Das Unternehmen betreibt mehrere U-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien und befördert jährlich rund 900 Millionen Fahrgäste. Die bestehende Infrastruktur bildet die Grundlage für die schrittweise Integration von C-ITS-Anwendungen in den öffentlichen Verkehr. 

Der aktuelle Ausbaustand konzentriert sich vor allem auf sogenannte Roadside Units (RSUs), die an signalisierten Kreuzungen installiert werden. In Wien wurden bereits etwa 180 dieser Kommunikationseinheiten aufgebaut. Sie ermöglichen den Datenaustausch zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur. Die eingesetzten Systeme stammen von unterschiedlichen Herstellern wie Yunex, Swarco, Kapsch oder GPV, wodurch Interoperabilität zu einer zentralen technischen Herausforderung wird. Die Integration verschiedener Systeme und Kommunikationsstandards gilt als einer der aufwendigsten Aspekte der Implementierung. 

Zusätzlich wurden erste Fahrzeuge mit sogenannten On-Board Units (OBUs) ausgestattet. Zum Zeitpunkt der Projektbeschreibung verfügten sechs Straßenbahnen und zwei Busse über entsprechende Systeme. Teilweise kamen Visualisierungstablets zum Einsatz, die Informationen aus den C-ITS-Systemen direkt im Fahrzeug darstellen. Dabei wurde insbesondere die Anzeige von SPAT/MAP-Daten getestet, also Informationen über aktuelle und zukünftige Signalphasen von Ampelanlagen. Die Rückmeldungen der Fahrerinnen und Fahrer zeigen jedoch, dass zusätzliche Visualisierungen im Fahrbetrieb nicht immer als hilfreich wahrgenommen werden. Vielmehr wurde die direkte Integration der Informationen in bestehende Bordsysteme als sinnvoller nächster Entwicklungsschritt betrachtet. 

Ein zentraler Schwerpunkt der Wiener Projekte liegt auf der Priorisierung des öffentlichen Verkehrs an Kreuzungen. Verwendet wird dabei insbesondere das SREM/SSEM-Protokoll zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur. Die Tests zeigen, dass eine herstellerübergreifende Umsetzung grundsätzlich möglich ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Komplexität steigt, sobald unterschiedliche Fahrzeugtypen, Ampelsysteme und Kommunikationskomponenten kombiniert werden. Während Busse teilweise bereits vollständig interoperabel ausgestattet werden konnten, befanden sich vergleichbare Anwendungen für Straßenbahnen noch in einer frühen Phase. 

Neben der ÖPNV-Priorisierung werden in Wien weitere Anwendungsfälle getestet. Dazu gehören Warnungen vor Einsatzfahrzeugen, Informationen über Straßen- und Wetterbedingungen, Hinweise auf Gefahrenstellen oder die Erkennung gefährdeter Verkehrsteilnehmenden. Auch Anwendungen zur Erfassung von Fahrzeugdaten und zur dynamischen Geschwindigkeitsanpassung werden erprobt. Ergänzend laufen weitere Projekte zur Verkehrsmanagementoptimierung, IT-Sicherheit sowie zum Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmender. 

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich C-ITS in Wien zunehmend als dauerhafte Technologie etabliert. Gleichzeitig wird die praktische Umsetzung als anspruchsvoll beschrieben. Zwar gelten die Hardwarekosten als vergleichsweise moderat, jedoch entsteht ein hoher Aufwand durch Fehlersuche, Systemintegration und Kompatibilitätsprobleme zwischen verschiedenen Anbietenden. Zusätzlich erschwert die Vielzahl technischer Komponenten eine objektive Bewertung der Systemleistung im Vergleich zu älteren Priorisierungsmethoden. 

Auffällig ist zudem, dass bestimmte Anwendungen nicht immer den Erwartungen entsprechen. So wurde etwa die GLOSA-Funktion von Fahrerinnen und Fahrern deutlich weniger positiv aufgenommen als ursprünglich angenommen. Auch zusätzliche visuelle Anzeigen im Fahrzeug erwiesen sich im praktischen Betrieb nur eingeschränkt als hilfreich. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass technische Innovationen im Verkehrsbereich nicht allein von ihrer Funktionalität abhängen, sondern wesentlich von ihrer Integration in bestehende Arbeitsabläufe und von der Akzeptanz der Nutzenden beeinflusst werden. 

Insgesamt verdeutlichen die Wiener Erfahrungen, dass kooperative Verkehrssysteme ein hohes Potenzial für den öffentlichen Verkehr besitzen, ihre erfolgreiche Einführung jedoch eine enge Abstimmung zwischen Infrastrukturbetreibern, Verkehrsunternehmen und Technologieanbietern erfordert. Besonders die Standardisierung und Interoperabilität der Systeme werden dabei zu entscheidenden Voraussetzungen für einen langfristig stabilen Betrieb. 

Die vorgestellten Inhalte sind hier einsehbar. 

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Porträt von Dr. Nadine Teusler, Netzwerkmanagerin, mit Brille und schwarzem Blazer, freundlich lächelnd vor verschwommenem Hintergrund.

Dr. Nadine Teusler

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