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Großes dreidimensionales Stadtmodell mit Wasserflächen in einem modernen Innenraum mit Treppe und Holzverkleidung
© Tim Raulfs - innocam.NRW

Zukunftsfähige Stadtentwicklung durch Urban Data Plattformen

| Tim Raulf, innocam.NRW

Erkenntnisse, Praxisbeispiele und nächste Schritte

Am 23. und 24. Februar 2026 fand in Hamburg die Tagung „Urban Data Platform – Dare to share“ statt. Im Mittelpunkt stand der interdisziplinäre Austausch zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft zu urbanen Datenplattformen (UDP). Es wurde der Frage nachgegangen, wie diese organisatorisch, technisch und rechtlich so aufgesetzt werden können, dass sie dauerhaft verlässlich nutzbar sind und kommunale Planungen wirksam unterstützen. Neben Impulsvorträgen und Projektberichten wurden in vertiefenden Formaten zentrale Bausteine wie Governance und konkrete Anwendungen anhand von Beispielen diskutiert.

Inhaltlich prägten Datagovernance und Standardisierung, sichere Betriebs- und Auswertungsumgebungen inklusive KI und Rechenressourcen, der digitale Zwilling in der Anwendung sowie Use Cases wie Chatbots, Simulationen und Open Data die Diskussion. Wiederholt wurde betont, dass der Erfolg urbaner Datenplattformen weniger an Technologie als an klaren Zuständigkeiten, einheitlichen Standards sowie Pflege- und Qualitätsprozessen hängt. Eng damit verbunden standen Nachnutzbarkeit, Dokumentation und datenschutzkonforme Aufbereitung im Fokus, insbesondere dort, wo Anonymisierung, Aggregation und Zugriffsbeschränkungen etwa in der kritischen Infrastruktur erforderlich sind.

Zusätzliche Anforderungen an Infrastruktur und Sicherheit wurden vor allem im Kontext von Analytik und KI herausgestellt. Rechenressourcen wurden explizit als infrastrukturelles Thema behandelt, das künftig über geeignete Betriebsmodelle durch Kommunen, Länder oder den Bund bereitgestellt werden könnte. Für sensible Auswertungen wurde die Bedeutung abgesicherter Umgebungen betont, in denen Daten kontrolliert zusammengeführt und verarbeitet werden können, ohne Produktivsysteme zu gefährden oder den Austausch zwischen Fachbereichen zu beeinträchtigen.

Den Auftakt bildete der Beitrag „Digitaler Zwilling Hamburg“, der diverse Fachzwillinge unter einem Dach vereint. Der Nutzen des digitalen Zwillings für Planung, Kommunikation und Beteiligung wurde eng an die Fähigkeit geknüpft, heterogene Datenquellen und Modelle effizient zu konsolidieren. Auf die Frage, warum ein digitaler Zwilling nicht ohne UDP funktioniert, wurden als Herausforderungen die zunehmende Komplexität, die Harmonisierung divergierender Begriffe (z. B. bei Straßennamen), die Standardisierung sowie die langfristige Finanzierung und Verstetigung genannt. Zugleich wurde die Rolle von 2D- und 3D-Modellen für eine verständliche Kommunikation nach außen hervorgehoben.

In einem praxisorientierten Beitrag wurde ein Chatbot für die UDP vorgestellt. Dabei ging es um verlässliche KI-gestützte Auskunftssysteme im Verwaltungskontext. Vorgestellt wurde ein Ansatz, der sich konsequent an der kommunalen Datensatzlogik orientiert und mit zwei KI-Agenten arbeitet: einer zur Einordnung relevanter Quellen und zur Übersetzung von Alltagssprache in fachliche Terminologie, ein zweiter für eine gezielte und kontrollierte Ausgabe von Informationen in Form von Textnachrichten. Wenn Datenlage oder Antwortsicherheit nicht ausreichen, verweist ein Fallback auf potenziell zuständige Ansprechpersonen. Darüber hinaus wurde die Vermeidung ungesicherter Antworten als zentrale Qualitätsanforderung betont.

Ein Beitrag zu Simulationen verdeutlichte, dass der Engpass in der Praxis häufig weniger in der Modellierung als in der Harmonisierung der Eingangsdaten liegt. Inkonsistente Referenzen, unterschiedliche Granularitäten und fehlende Standards machen wiederholte Datenaufbereitung durch Behörden erforderlich. Open Data wurde zudem als integraler Bestandteil urbaner Datenökosysteme beschrieben, insbesondere dort, wo öffentliche Daten strategisch mit Daten aus Wirtschaft und Industrie kombiniert werden können. Dafür benötigt es strenge Governance- und Schutzmechanismen.

Mehrere Personen stehen in einer Reihe vor einem Publikum in einem Konferenzraum mit Holzverkleidung und einer Präsentation an der Wand.
© Tim Raulfs - innocam.NRW

Im Themenfeld Mobilität wurde die UDP als zentraler Hebel beschrieben, um Verkehrs- und Mobilitätsdaten aus der Verwaltung, dem ÖPNV, von Infrastrukturbetreibern und weiteren Akteuren zusammenzuführen und für Planungsprozesse nutzbar zu machen. Dabei wurden insbesondere Interoperabilität und Standardisierung als zentrale Voraussetzungen hervorgehoben. Mit Blick auf die automatisierte und vernetzte Mobilität (AVM) wurden darüber hinaus sichere Betriebs- und Auswertungsumgebungen, Nachvollziehbarkeit sowie ausreichende Rechenressourcen als wesentliche infrastrukturelle Grundlagen betont. Digitale Zwillinge können in diesem Zusammenhang als ein wichtiger Baustein für die Einführung von AVM betrachtet werden. Insbesondere bei der Automatisierung von Fahrzeugen spielt das Mapping eine entscheidende Rolle; hierbei kann der Zugriff auf Karten aus digitalen Zwillingen das fahrzeugeigene Mapping sinnvoll ergänzen. Im Kontext der Vernetzung bieten digitale Zwillinge zudem eine nutzerfreundliche Umgebung, in der Informationen bereitgestellt und Echtzeitanalysen durchgeführt werden können, um den Verkehr an die aktuelle Verkehrslage anzupassen.

Fazit der Tagung: Urbane Datenplattformen stellen eine langfristige Organisations- und Infrastrukturaufgabe dar. Ihr Mehrwert für digitale Zwillinge, KI-Anwendungen und Simulationen in kommunalen Entscheidungs- und Betriebsprozessen hängt wesentlich von Datenqualität, Standardisierung und institutioneller Verankerung ab. Gleichzeitig ist ein Datenaustausch zwischen kommunalen Fachbereichen sowie zwischen Kommunen und privatwirtschaftlichen Akteuren notwendig, um datenbasierte Entscheidungen zu verbessern. Darüber hinaus gewinnen Open Data und offene Schnittstellen dabei zusätzlich an Bedeutung für Kommunen, da sie Transparenz fördern und die Entwicklung neuer datenbasierter Anwendungen ermöglichen.

Für Nordrhein-Westfalen übernimmt die MOBIDROM Datenplattform der Landesagentur für Mobilitätsdaten NRW.Mobidrom eine ganz ähnliche Rolle. Sie aggregiert, plausibilisiert und bündelt verkehrsträgerübergreifende Mobilitätsdaten aus ganz Nordrhein-Westfalen und stellt diese u. a. über den Nationalen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten (Mobilithek des Bundes) zur kostenfreien Nachnutzung zur Verfügung. Weiterer Schwerpunkt der Landesagentur ist die aktive Unterstützung der Dateninhaber, also z. B. den Kommunen, bei der Bereitstellung ihrer Mobilitätsdaten.

Weitere Informationen zu MOBIDROM

Themen und Referierende

Erster Tag

Begrüßung

  • Jacqueline Charlier; Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg
  • Thomas Eichhorn; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Innovationspotential urbaner Datenplattformen – From Data to Computing?

  • Dr. Lothar Hotz; Hamburger Informatik Technologie-Center e. V. (HITeC), Hamburg

Digitaler Zwilling Hamburg

  • Dr. Nora Reinecke; Senatskanzlei – IT und Digitalisierung, Hamburg

Von Bits zu Bauten: Zukunft mit dem Geobasiszwilling Hamburg

  • Sascha Tegtmeyer; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Daten müssen sich verändern!

  • Maja Richter; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Vom Daten teilen zum Wertschaffen: Warum Open Data und Industriedaten gemeinsam genutzt werden müssen

  • Philippe Langer; Mobility Data Space, München

Abschluss und Ausblick für den nächsten Tag

  • Dr. Nicole Schubbe; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Zweiter Tag

Begrüßung

  • Sascha Tegtmeyer; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Fishbowl: Urbane Datenplattformen: Wie KI, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam Stadtentwicklung gestalten

Moderation

  • Dr. Pierre Gras; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Teilnehmende

  • Norbert Kuhn; Senatskanzlei – IT und Digitalisierung, Hamburg
  • Claudius Lieven; Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg
  • Lisa Stubert; Technologiestiftung Berlin
  • Balthasar Weitzel;Fraunhofer IESE
  • Dr. Michael Fischer; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Datengetriebene Entscheidungsfindung – Quo vadis?

  • Martin Helms; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Fernerkundung – zuverlässige Daten für klima- und sozialorientierte Entscheidungen

  • Lukas Fingerhut; Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg

Marktplätze

  • Urban Model Platform
  • UDP Echtzeitdaten
  • QGIS & QField
  • Von Bits zu Bauten: Zukunft mit dem Geobasiszwilling Hamburg
  • Civitas Core 2.0
  • UDP goes VR
  • Werkzeuge für die datengetriebene Entscheidungsfindung
  • Dataport: (Geo-)Datenplattform auf Knopfdruck – schnelle Lösung oder Tropfen auf dem heißen Stein?
  • DKSR: CIVORA Data Hub – Daten. Verbinden. Gestalten.
  • UDP-Chatbot testen

Deep Dives

  • UDP Chatbot
  • Containerisierung
  • Gebäude- und Wohnregister
  • BIMFabrikHH – Automatisierte BIM-Modellierung aus Daten des Geobasiszwillings
  • QGIS Plugin für XPlanung/XTrasse
  • Simulationen im Masterportal
Sie haben Fragen oder benötigen weitere Informationen zu diesem Artikel?
Portrait zeigt Julien Romburg vor einer Holzwand un einem lilafarbenden Hemd.

Julien Rombourg

Ansprechpartner Capacity-Building in Kommunen +49 202 439 1904