(Jonas Deister, Sozialhelden e.V.)
Ausgangssituation und Zielsetzung
Barrierefreiheit stellt eine wesentliche Voraussetzung für die selbstbestimmte Nutzung öffentlicher Infrastruktur dar. Gleichzeitig fehlt Kommunen häufig ein aktueller und flächendeckender Überblick darüber, wie barrierefrei öffentliche Einrichtungen, Verkehrsanlagen oder Dienstleistungsangebote tatsächlich sind. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt a11y-Score das Ziel, den Status der Barrierefreiheit auf kommunaler Ebene datenbasiert sichtbar zu machen und daraus belastbare Entscheidungsgrundlagen für Planung und Verwaltung abzuleiten.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines kommunalen Barrierefreiheitsindexes, der vorhandene Informationen aus frei verfügbaren Geodaten systematisch zusammenführt und auswertet. Betrachtet werden dabei unterschiedliche Bereiche des öffentlichen Lebens, darunter Einrichtungen der Verwaltung, Gesundheitsversorgung, Kultur, Gastronomie, Einzelhandel, öffentliche Toiletten sowie Haltestellen und weitere Bestandteile des öffentlichen Verkehrs. Ziel ist nicht ausschließlich die Bewertung einzelner Standorte, sondern insbesondere die Identifikation räumlicher Defizite und fehlender Datengrundlagen, die einer weiteren Erfassung oder Verbesserung bedürfen.
Datengrundlage und methodischer Ansatz
Das Projekt a11y-Score baut konsequent auf offenen Geodaten auf. Als wesentliche Datenbasis dient OpenStreetMap, in der zahlreiche Informationen zur Zugänglichkeit von u.a. Infrastrukturen bereits vorhanden sind oder durch die Community ergänzt werden können. Hierzu zählen unter anderem Angaben zu stufenlosen Zugängen, Aufzügen, Rampen, taktilen Leitsystemen oder barrierefreien Sanitäranlagen.
Die vorhandenen Daten werden automatisiert ausgewertet und zu einem kommunalen Gesamtbild zusammengeführt. Dabei wird nicht nur berücksichtigt, welche Informationen bereits vorhanden sind, sondern auch, an welchen Stellen Datendefizite bestehen. Dadurch entsteht ein Instrument, das sowohl Aussagen über den aktuellen Erfassungsgrad als auch über potenzielle Handlungsfelder ermöglicht. Die entwickelte Bewertungsmethodik versteht sich ausdrücklich als Unterstützung kommunaler Entscheidungsprozesse und nicht als abschließende Qualitätsbewertung einzelner Städte oder Gemeinden.
Bedeutung offener Geodaten
Ein wesentlicher Diskussionspunkt der Projektvorstellung war die Qualität der zugrunde liegenden Daten. Da OpenStreetMap von einer offenen Community gepflegt wird, unterscheiden sich Vollständigkeit und Aktualität teilweise zwischen verschiedenen Regionen. Gleichzeitig bietet dieser Ansatz erhebliche Vorteile, da fehlende Informationen kontinuierlich ergänzt und bestehende Datensätze fortgeschrieben werden können.
Im Rahmen des Projekts wurde hervorgehoben, dass insbesondere Kommunen, lokale Initiativen und Mapping-Communities einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Datengrundlage leisten können. Durch gemeinsame Kartierungsaktionen lassen sich Informationslücken schließen und die Aussagekraft des Barrierefreiheitsindexes kontinuierlich erhöhen. Der a11y-Score dient damit nicht nur als Analyseinstrument, sondern gleichzeitig als Impulsgeber für die Weiterentwicklung offener Mobilitäts- und Geodaten.
Bedeutung für automatisierte und vernetzte Mobilität
Auch wenn das Projekt keinen unmittelbaren Schwerpunkt auf automatisierten Fahrzeugen legt, besitzt es eine hohe Relevanz für datenbasierte Mobilitätssysteme. Digitale Informationen über Barrierefreiheit gewinnen zunehmend an Bedeutung für multimodale Mobilitätsplattformen, Routingdienste sowie intelligente Assistenzsysteme. Erst wenn Informationen über Zugänglichkeit standardisiert und maschinenlesbar verfügbar sind, können sie automatisiert in Navigations- und Reiseinformationssysteme integriert werden. Damit schafft a11y-Score eine Datengrundlage für inklusive digitale Mobilitätsangebote.
Projektlaufzeit und Projektpartner
Das mFUND-Projekt a11y wurde im Zeitraum Juni 2023 bis Mai 2026 durchgeführt. Ziel des Vorhabens war die Entwicklung eines weltweit nutzbaren Datenlayers zur Barrierefreiheit einschließlich eines datenbasierten Barrierefreiheits-Scores. Projektträger war der Sozialhelden e. V. mit Sitz in Berlin, der das Vorhaben als Einzelprojekt umsetzte.