Die zunehmende Knappheit an qualifiziertem Personal im Schienenverkehr stellt Verkehrsunternehmen und Infrastrukturbetreibende vor wachsende Herausforderungen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen daher Strategien, wie Automatisierungslösungen – insbesondere Automatic Train Operation (ATO) und Remote Train Operation (RTO) – dazu beitragen können, dem Fachkräftemangel sowohl im Vollbahn- als auch im Straßenbahnbereich zu begegnen. Dabei wurde deutlich, dass automatisierte und fernbediente Betriebsformen neue organisatorische und technische Möglichkeiten eröffnen, gleichzeitig jedoch auch neue Anforderungen an Technik, Qualifikation und Arbeitsorganisation mit sich bringen.
Technische und betriebliche Herausforderungen
Ein zentrales Thema der Diskussion war die Rolle von RTO-Systemen. Dabei lassen sich zwei grundlegende Anwendungsfälle unterscheiden. Im ersten Szenario steuert ein Remote-Operator ein einzelnes Fahrzeug kontinuierlich aus der Ferne. Dieser Ansatz eignet sich zunächst insbesondere für Rangier- und Bereitstellungsfahrten. Durch die Fernsteuerung können Wegezeiten von Triebfahrzeugführenden reduziert werden, da Personal nicht mehr physisch zum jeweiligen Fahrzeug gelangen muss. Dies ermöglicht eine effizientere Nutzung vorhandener personeller Ressourcen.
Im zweiten Szenario übernimmt ein Remote-Operator die Rolle eines Notfallmanagers/einer Notfallmanagerin für mehrere weitgehend automatisch fahrende Fahrzeuge. Die Fahrzeuge verkehren dabei im Regelbetrieb vollautomatisiert, während der Remote-Operator nur bei Störungen oder außergewöhnlichen Situationen eingreifen muss. Dieses Modell eröffnet das Potenzial, mehrere Fahrzeuge gleichzeitig zu überwachen und damit den Personaleinsatz deutlich zu skalieren.
Gleichzeitig bestehen derzeit noch technische Limitationen. Wichtig ist etwa die Latenz bei der Bildübertragung, die für die sichere Fernsteuerung entscheidend ist. Verzögerungen können sich insbesondere beim Rangieren, beim Kuppeln oder bei Situationen mit Personen im Gleis sicherheitskritisch auswirken. Auch die zuverlässige Erkennung kleinerer Objekte im Gleis auf einem Bildschirm stellt teils eine Herausforderung dar. Vergessene Hemmschuhe oder ähnliche Hindernisse können im ungünstigen Fall zu Entgleisungen führen. Als möglicher Lösungsansatz wurde der Einsatz von Augmented-Reality-Technologien diskutiert, mit denen erkannte Objekte in den Videobildern hervorgehoben werden können, um die Wahrnehmung der Remote-Operator zu unterstützen.
Neben technischen Aspekten wurden auch menschliche Faktoren betrachtet. Untersuchungen von Forschenden des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigen, dass Teleoperation zu einer höheren subjektiven mentalen Beanspruchung führen kann als das Fahren direkt aus dem Führerstand heraus. Gleichzeitig wurde beobachtet, dass Remote-Operatoren tendenziell vorsichtiger fahren. Beim Einsatz von Remote-Operatoren als Notfallmanager:innen entsteht darüber hinaus ein besonderes Arbeitsumfeld: Da Störungen selten auftreten, besteht über lange Zeiträume eine Phase geringer mentaler Auslastung. Tritt jedoch eine Störung auf, ist sofortiges und entschlossenes Eingreifen erforderlich. Dieses abrupte Wechselspiel zwischen Unterforderung und hoher Belastung stellt besondere Anforderungen an die Gestaltung der Arbeitsplätze und der Betriebsprozesse.