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Gruppe von Menschen sitzt und steht in einem Zelt, eine Frau präsentiert vor einem Bildschirm
© RailCampus OWL e.V.

Automatisierung als Ansatz zur Bewältigung des Fachkräftemangels: Das 8. Arbeitskreistreffen Schiene

| Christian Frowein, innocam.NRW

Im Rahmen der RailConnect 2026 am RailCampus OWL kamen rund 120 Teilnehmende aus Wissenschaft, Bahnbranche, Industrie und Infrastruktur zusammen, um zentrale Digitalisierungsfragen des Schienenverkehrs zu diskutieren. Auch innocam.NRW war vor Ort vertreten: Professor Raphael Pfaff brachte die Perspektive der automatisierten und vernetzten Mobilität (AVM) ein und leitete darüber hinaus den Workshop „Komfortsysteme & User Experience“.

Die Digitalisierung des Schienenverkehrs ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie betrifft nicht nur neue Technologien, sondern ebenso bestehende Fahrzeuge, Infrastrukturen, Betriebsprozesse, IT-Sicherheit, Datenräume und die Bedürfnisse der Menschen, die Bahnsysteme nutzen oder betreiben. Die RailConnect 2026 am RailCampus OWL schaffte dafür einen interdisziplinären Rahmen: Rund 120 Teilnehmende aus Wissenschaft, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Industrie und Infrastruktur arbeiteten am 25. Juni in Minden an der Frage, wie digitale Lösungen im Bahnsektor schneller, sicherer und praxisnäher in die Anwendung kommen können.

Ein zentrales Thema war der Umgang mit den bestehenden Rahmenbedingungen im Bahnsystem. Digitale Lösungen müssen in vorhandene Infrastrukturen, unterschiedliche Fahrzeugflotten und bestehende betriebliche Prozesse integriert werden. Daraus ergeben sich Anforderungen an Modernisierung, Investitionsentscheidungen, Wirtschaftlichkeit und technische Weiterentwicklung. Für die verschiedenen Akteure mündeten diese Themenfelder in oftmals ähnliche Grundfragen: Welche digitalen Lösungen erzeugen kurzfristig erkennbaren Nutzen? Wie lassen sich Systeme integrieren, ohne bestehende Betriebsprozesse zu überfordern? Und wie können Innovationen so gestaltet werden, dass sie skalierbar und langfristig anschlussfähig bleiben?

Daten bilden eine wesentliche Grundlage für viele dieser Entwicklungen. Automatisierte Betriebsprozesse, vorausschauende Instandhaltung, digitale Komfortfunktionen oder neue Informationsdienste benötigen verlässliche, verfügbare und interoperable Daten. Gleichzeitig stellen Datensicherheit, Verantwortlichkeiten, Schnittstellen und Standards zentrale Anforderungen dar. Auf der RailConnect verdeutlichten diese Themen, dass Bedarf an gemeinsamen Lösungen für Datennutzung und Datenaustausch zwischen Verkehrsunternehmen, Infrastrukturbetreibern, Herstellern und Forschungseinrichtungen besteht.

Eng damit verbunden ist das Thema Cybersecurity. Je stärker Bahnsysteme vernetzt und digitalisiert werden, desto wichtiger werden resiliente IT-Architekturen und sichere Entwicklungsprozesse. Digitalisierung im Bahnsektor kann nur erfolgreich sein, wenn Sicherheit nicht nachträglich ergänzt, sondern von Beginn an als grundlegende Voraussetzung mitgedacht wird. Dies gilt insbesondere für kritische Infrastrukturen, in denen Verfügbarkeit, Integrität und Vertrauen zentrale Rollen spielen.

Auch Open-Source-Ansätze gewinnen als Innovationsinstrument an Bedeutung. Gemeinsame Softwarelösungen können Entwicklungsaufwände reduzieren, Synergien zwischen Akteuren schaffen und den Zugang zu digitalen Werkzeugen erleichtern. Insbesondere in einem Sektor mit vielen ähnlichen Anforderungen bietet kooperative Softwareentwicklung Potenzial, Insellösungen zu vermeiden und Innovationen wirtschaftlicher umzusetzen.

Für innocam.NRW war besonders die Verbindung von technischer Innovation und Nutzendenperspektive relevant. Professor Raphael Pfaff vertrat innocam.NRW auf der RailConnect 2026 und leitete den Workshop „Komfortsysteme & User Experience“. Damit rückte ein Aspekt in den Fokus, der für die erfolgreiche Digitalisierung des Schienenverkehrs entscheidend ist: Neue Technologien müssen für Fahrgäste, Betriebspersonal und weitere Nutzendengruppen verständlich, verlässlich und alltagstauglich sein. Komfortsysteme und User Experience sind dabei mehr als zusätzliche Servicekomponenten. Sie entscheiden mit darüber, ob digitale Anwendungen akzeptiert werden und ob sie im realen Betrieb Wirkung entfalten. 

Nutzerzentrierte Gestaltung bedeutet, technische Möglichkeiten mit konkreten Bedürfnissen zu verbinden: Orientierung, Barrierearmut, Transparenz, einfache Bedienbarkeit, zuverlässige Informationen und ein nachvollziehbares Zusammenspiel verschiedener Systeme. Gerade im Kontext vernetzter und automatisierter Mobilität wird diese Perspektive zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

Die RailConnect zeigte außerdem, wie wichtig die Vernetzung von Forschungs- und Innovationsstandorten ist. Verschiedene Forschungseinrichtungen in Deutschland verfügen über komplementäre Kompetenzen, die gemeinsam einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Bahnsektors leisten können. Entscheidend ist, aus fachlichem Austausch konkrete Kooperationsansätze, Forschungsfragen und Umsetzungsprojekte abzuleiten.

Erkenntnisse

Die Vorträge und Diskussionen auf der RailConnect 2026verdeutlichten, dass Digitalisierung im Schienenverkehr vor allem dann Wirkung entfaltet, wenn sie gemeinsam, anwendungsnah und nutzerzentriert gedacht wird. Große technologische Sprünge bleiben wichtig – doch ebenso entscheidend sind kleinere, schnell umsetzbare Lösungen, die im Betrieb unmittelbar Nutzen stiften.Aus Sicht von innocam.NRW lassen sich insbesondere folgende Erkenntnisse festhalten:

  • Vernetzte und automatisierte Mobilität muss konsequent aus Sicht der Nutzenden mitgedacht werden
  • Komfortsysteme und User Experience sind zentrale Bausteine für Akzeptanz und Alltagstauglichkeit digitaler Bahnanwendungen
  • Datenverfügbarkeit, Interoperabilität und Cybersecurity bilden die Grundlage für viele künftige Innovationen
  • Open-Source-Lösungen können Kooperationen erleichtern und digitale Entwicklungen beschleunigen
  • Forschung, Industrie, Infrastruktur und Verkehrsunternehmen sollten ihre Kompetenzen noch stärker zusammenführen, um aus Ideen konkrete Umsetzungsprojekte zu entwickeln

Für innocam.NRW bot die RailConnect 2026 wertvolle Anknüpfungspunkte, um die Perspektiven aus automatisierter, vernetzter und nutzerorientierter Mobilität in den Bahnsektor einzubringen. Die Veranstaltung machte deutlich: Die Zukunft der Schiene entsteht dort, wo technologische Innovation, betriebliche Praxis und menschliche Bedürfnisse zusammengedacht werden.

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Portrait zeigt Christian Frowein, lächelnd mit Brille in einem hellen Hemd und dunklem Jacket vor dunklem Hintergrund.

Christian Frowein

Wissenschaftliche Mitarbeit und Arbeitskreis Schiene +49 241 80 25575