Wie lassen sich Digitalisierung, Automatisierung und offene Kollaboration im Straßenverkehr so zusammenbringen, dass aus technischen Möglichkeiten belastbare Lösungen für die Praxis werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Arbeitskreis Straße des Kompetenznetzwerks innocam.NRW am 16. April 2026 am Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University. Insgesamt 16 Teilnehmende aus kommunalem Verkehrsmanagement, Verkehrsbetrieben, Infrastrukturbetreibern und -anbietern, Landesbehörden und Wissenschaft kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen einzuordnen, Erfahrungen aus der Praxis zu teilen und gemeinsame Handlungsbedarfe zu diskutieren.
Zum Auftakt zeigte Martin Haerst aus dem Verkehrsmanagement der Stadt Köln anhand des Mobilitäts-Cockpits Köln MoCKiii, wie datenbasiertes Verkehrsmanagement bereits heute konkret eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt standen das Echtzeitmonitoring von Verkehrslagen und Luftschadstoffen sowie die Frage, wie kommunale Akteure auf dieser Grundlage schneller und fundierter reagieren können. Deutlich wurde dabei, dass digitale Werkzeuge nicht nur Transparenz schaffen, sondern auch die operative Steuerung des Verkehrs verbessern können, wenn Daten aktuell, belastbar und in geeigneter Form verfügbar sind.
Anschließend stellte Dominik Paaß von der NRW.Mobidrom GmbH die Rolle von Mobilitätsdaten und kommunalen Digitalisierungswerkzeugen in Nordrhein-Westfalen vor. Sein Beitrag machte deutlich, dass leistungsfähige digitale Verkehrsdienste nicht allein von einzelnen Anwendungen abhängen, sondern vor allem von den Strukturen im Hintergrund: von standardisierten Datenzugängen, interoperablen Schnittstellen und Werkzeugen, die Kommunen bei Analyse, Planung und Betrieb unterstützen. Gerade für Städte und Regionen mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen ist entscheidend, dass Daten und digitale Funktionen nicht immer wieder neu aufgebaut werden müssen, sondern möglichst anschlussfähig und wiederverwendbar bereitstehen.
Im dritten Vortrag ging Raphael van Kempen von der RWTH Aachen University auf Anwendungen für automatisierte Mobilität und Ansätze zur offenen Kollaboration ein. Im Fokus stand die Frage, wie offene, herstellerunabhängige Bausteine dazu beitragen können, komplexe Mobilitätssysteme schneller in die Umsetzung zu bringen. Diskutiert wurden unter anderem gemeinsame Referenzarchitekturen, standardisierte Schnittstellen und Open-Source-Komponenten als Grundlage für interoperable Lösungen. Damit knüpfte der Vortrag an die übergeordnete Frage an, wie Europa und insbesondere Deutschland digitale Souveränität im Mobilitätsbereich stärken und gleichzeitig Innovation beschleunigen können.
Im Workshop-Teil wurden diese Impulse gemeinsam vertieft. Unter dem Leitmotiv "Digitale Verkehrsdienste in NRW: Status quo und aktuelle Herausforderungen" diskutierten die Teilnehmenden, welche Hürden Kommunen und Infrastrukturbetreiber derzeit besonders stark beschäftigen. Dazu zählen unter anderem fragmentierte Datenlandschaften, fehlende Interoperabilität zwischen Systemen, begrenzte Personalkapazitäten sowie der hohe Aufwand, Bestandsinfrastrukturen schrittweise zu modernisieren. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass viele dieser Aufgaben bereits heute relevant sind und eine Vernetzung von Infrastruktur und Verkehrsteilnehmenden bereits heute nachweislich einen positiven Beitrag zur Verkehrssicherheit, zum Verkehrsablauf und zur Reduzierung von Schadstoffemissionen leisten kann.
Ein zweiter Schwerpunkt des Workshops lag auf Open-Source-Bausteinen als Grundlage für eine offene Blaupause vernetzter Mobilität, auch mit Blick auf bestehende Initiativen wie Ecosystem Mobility 4.0. Die Diskussion zeigte, dass offene Kollaboration weit mehr sein kann als ein abstraktes Leitbild: Gemeinsame Softwarebausteine, Referenzimplementierungen und offen spezifizierte Schnittstellen können helfen, Mehrfachentwicklungen zu vermeiden, Anforderungen klarer zu formulieren und Innovationen schneller in die Fläche zu bringen.
Das Treffen des Arbeitskreises Straße hat damit erneut verdeutlicht: Die Zukunft des Verkehrs entscheidet sich nicht allein am Fahrzeug, sondern ebenso in Datenräumen, Infrastrukturschnittstellen und tragfähigen Kooperationsmodellen. Genau hier setzt innocam.NRW an, indem es Akteure aus Praxis, Forschung und Politik zusammenbringt und Räume für den Austausch über gemeinsame Lösungen schafft. Die Ergebnisse des Treffens wurden als Impulspapier veröffentlicht.