Das viereinhalbjährige MODI-Projekt untersuchte den Einsatz autonomer Güterverkehre entlang des Korridors zwischen Rotterdam und Oslo sowie an bedeutenden europäischen Logistikknoten. Insgesamt arbeiteten 36 Organisationen aus acht Ländern daran, autonome Fahrzeuge unter realen Bedingungen auf öffentlichen Straßen, in Häfen und Terminals sowie im grenzüberschreitenden Verkehr zu erproben. Dabei wurde deutlich: Die technische Leistungsfähigkeit eines Fahrzeugs ist nur ein Teil der Lösung. Für einen erfolgreichen Einsatz müssen Fahrzeuge, Infrastruktur, Terminals, digitale Systeme, betriebliche Prozesse und regulatorische Rahmenbedingungen ineinandergreifen.
Level 4 funktioniert, aber nicht unabhängig von seinem Umfeld
Eines der zentralen Ergebnisse von MODI ist der Nachweis, dass autonome Güterverkehre nach Level 4 grundsätzlich unter realen Logistikbedingungen betrieben werden können. Die Anwendungsfälle umfassten Verkehre auf öffentlichen Straßen, Fahrten in kontrollierten Hafen- und Terminalumgebungen sowie grenzüberschreitende Einsätze. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Anforderungen je nach Betriebsumgebung erheblich variieren. Ein klar abgegrenztes Terminal stellt andere Anforderungen an Fahrzeuge, Aufsicht und Infrastruktur als eine öffentliche Straße oder ein grenzüberschreitender Korridor.
Damit verschiebt sich die zentrale Fragestellung. Es geht nicht mehr nur darum, ob ein autonomes Fahrzeug technisch fahren kann. Entscheidend ist vielmehr, für welche konkreten Transportaufgaben, auf welchen Strecken und unter welchen betrieblichen Bedingungen ein sicherer und wirtschaftlicher Einsatz möglich ist.
Für die weitere Skalierung braucht es deshalb auch europaweit stärker harmonisierte Genehmigungs- und Zulassungsverfahren. Dazu gehören gemeinsame Validierungsmethoden, standardisierte Beschreibungen von Funktionen und Betriebsbedingungen sowie ein einheitliches Verständnis zentraler Begriffe. Ebenso wichtig ist eine europäische Verständigung darüber, welches Risikoniveau beim Betrieb automatisierter Fahrzeuge als akzeptabel gilt. In Deutschland gilt das automatisierte Fahren mit einem Sicherheitsfahrer im Erprobungsbetrieb als autonomes Fahren, solange die Fahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion gemäß den gesetzlichen Vorgaben und den Anforderungen der Verordnung zur Genehmigung und zum Betrieb von Kraftfahrzeugen mit autonomer Fahrfunktion in festgelegten Betriebsbereichen (AFGBV) betrieben werden.
Der wirtschaftliche Nutzen entsteht im Gesamtprozess
Die Diskussionen beim Abschlussevent machten deutlich, dass der Austausch eines konventionellen durch ein autonomes Fahrzeug für sich genommen noch keinen tragfähigen Anwendungsfall schafft. Ein autonomer Lkw muss weiterhin Terminals passieren, Zugangssysteme nutzen, be- und entladen werden, Ladevorgänge durchführen sowie Dokumente und Betriebsdaten austauschen. Auch für Störungen und nicht vorhersehbare Situationen werden klar definierte Prozesse benötigt.
Viele dieser Funktionen werden heute durch das Fahrpersonal übernommen oder unterstützt. Entfällt die Person im Fahrzeug, verschwinden die Aufgaben nicht. Sie müssen automatisiert, digital unterstützt, organisatorisch neu zugeordnet oder aus dem Prozess entfernt werden. Der schwedische MODI-Anwendungsfall kombinierte deshalb autonomes Fahren mit Fernüberwachung, automatisierter Be- und Entladung, digitaler Zugangskontrolle und automatisiertem Laden. [A Major Milestone for MODI: Einride Showcases Fully Automated Freight Transport in Sweden | MODI] Bereits 2025 wurde der grenzüberschreitende Verkehr inklusive der erforderlichen administrativen digitalen Prozesse erfolgreich getestet. [MODI achieves world-first cabless electric autonomous border crossing and customs passing – without a human driver onboard | MODI]
Autonome Güterverkehre können längere Betriebszeiten, eine höhere Fahrzeugauslastung und verlässlichere Ankunftszeiten ermöglichen. Diese Vorteile wirken sich jedoch nur dann positiv auf die Gesamtbetriebskosten aus, wenn der vollständige Logistikprozess angepasst wird. Bleiben an Toren, Laderampen, Ladestationen oder bei der Dokumentenabwicklung manuelle Schnittstellen bestehen, entstehen neue Wartezeiten und Engpässe.