MiD 2023 – Zentrale Ergebnisse für Nordrhein-Westfalen
Die MiD 2023 ist eine bundesweite Mobilitätsstudie mit über 1 Million Interviews, davon rund 218.000 in NRW. Erfasst wurden Haushaltsdaten, individuelle Mobilitätsmerkmale, Wege, Verkehrsmittelverfügbarkeit und spezielle Themen wie Homeoffice und Mobilitätseinschränkungen. Robert Follmer, hat auf dem Bündnistreffen die wichtigsten Erkenntnisse vorgestellt:
1. Verkehrsmittelverfügbarkeit und Nutzung
- Pkw-Besitz: Die Pkw-Flotte in NRW wächst weiter, insbesondere in Haushalten mit höherem Einkommen. 2023 besaßen 66 % der Haushalte mindestens ein Auto.
- Fahrräder/E-Bikes: Der Besitz blieb hoch, mit leichter Erneuerungstendenz.
- Zufriedenheit: Die Zufriedenheit mit dem ÖPNV war 2023 kritischer als 2017, während Gehen und Radfahren besser bewertet wurden.
2. Mobilitätsverhalten und Modal Split
- Leichter Rückgang der Mobilität: Die durchschnittliche Zahl der Wege pro Person und Tag ist von 3,1 (2017) auf 2,9 (2023) gesunken. Die Tagesstrecke pro Person sank von 36 km auf 33 km.
- Modal Split NRW 2023:
- Zu Fuß: 25 %
- Fahrrad: 10 %
- Öffentlicher Verkehr (ÖV): 10 %
- Motorisierter Individualverkehr (MIV, Autofahrt): 42 %
- Motorisierter Individualverkehr-Mitfahrt: 13 %
- Trends: Mehr Wege wurden zu Fuß zurückgelegt, Radverkehr war leicht rückläufig, MIV nahm ab, ÖPNV erholte sich langsam.
3. CO2-Emissionen
- NRW: Mobilitätsbedingte CO2-Emissionen lagen bei 5,5 kg pro Person und Tag, leicht unter dem Bundesdurchschnitt (5,6 kg).
- Städtevergleich: Städte wie Bonn (3,1 kg) und Aachen (3,7 kg) lagen deutlich unter dem NRW-Schnitt.
4. Neue Trends und spezifische Gruppen
- Homeoffice: 58 % der Erwerbstätigen in NRW hatten grundsätzlich die Möglichkeit zum Homeoffice, die Nutzung variierte stark nach Einkommensstatus.
- Mobilität mit Handicap: Fast jede sechste Person in NRW war in ihrer Mobilität eingeschränkt, insbesondere ältere Menschen waren betroffen.
5. Hoffnungsträger und Innovationen
- E-Autos: Der Anteil rein elektrischer Pkw war mit 4 % noch gering und stark vom Einkommen abhängig.
- Deutschlandticket: 17 % der Befragten in NRW nutzten das Deutschlandticket regelmäßig, besonders in Metropolen (bis zu 27 %).
- Sharing-Angebote: Carsharing, Leihräder und -scooter machten weiterhin nur einen sehr kleinen Anteil am Modal Split aus (ca. 1 %).
6. Handlungsempfehlungen und Ausblick
- Fuß- und Radverkehr: Ausbau und Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere für Menschen mit Einschränkungen.
- ÖPNV: Deutschlandticket stärker bewerben, Angebotsqualität erhöhen.
- MIV: Reduktion des Autoverkehrs durch kleinere, elektrische Fahrzeuge und Sharing-Angebote fördern.
- Verkehrswende: Mehr Aktivität und gezielte Investitionen sind notwendig, um die Mobilitätswende zu beschleunigen.
Fazit
Die Mobilität in NRW verändert sich langsam. Es gibt positive Entwicklungen beim Umweltverbund (zu Fuß, ÖPNV), aber die Verkehrswende erfordert mehr Engagement, bessere Infrastruktur und gezielte Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen.
In der anschließenden Diskussion und den Netzwerkgesprächen zeigte sich zudem reges Interesse am Umsetzungsstand des autonomen Fahren im ÖPNV sowie an den Marktbeobachtungsberichten innocam.NRW.