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Im Atrium eines modernen Gebäudes spricht ein Mann auf einer Bühne vor einem Publikum, das teils sitzt, teils steht, bei der Veranstaltung Mobilitätstag NRW 2025 in Düsseldorf.
Die Gäste warten gespannt auf den ersten Redner. © Nils Malzahn

Strategien für eine leistungsfähige und klimafreundliche Mobilität - Mobilitätstag NRW 2025

| Nils Malzahn, innocam.NRW

Beim MobilitätstagNRW 2025 wurden integrierte Mobilität, Sanierung maroder Infrastrukturen, SPNV‑Reform und automatisiertes Fahren als „Gamechanger“ diskutiert. Projekte wie die Veloroute „Triangel“, die „bonus mobil“-App und das bürgerwissenschaftliche Projekt „Verkehrswende in Essen“ zeigen Wege zu einer einfacheren, klimafreundlichen Mobilität.

NRW hat sich beim Mobilitätstag 2025 als Labor für die Verkehrswende präsentiert: mit einer neuen landesweiten On-Demand-Plattform, einer Sanierungsoffensive für die Infrastruktur und Projekten, die zeigen, wie klimafreundliche Mobilität im Alltag funktionieren kann. Hinter den Beiträgen stand die Botschaft: Ohne kluge Verknüpfung von Bus, Bahn, Rad, On-Demand-Verkehren und Datenplattformen wird aus Technik kein Fortschritt – und aus technologischer Innovation keine bessere Mobilität für die Menschen im Land.

Leitmotiv: Gemeinsam statt gegeneinander

Verkehrsminister Oliver Krischer zeichnete das Bild eines integrierten Mobilitätssystems, in dem Auto, Rad, Schiene und On-Demand-Angebote nicht länger gegeneinander ausgespielt werden. Er verwies auf das Deutschlandticket – vor wenigen Jahren noch Vision, heute Selbstverständlichkeit. Wenn Baustellen den Alltag auf NRWs Straßen prägen, dann ist das auch ein Zeichen dafür, dass massiv investiert wird. Verlässliche und bezahlbare Mobilität ist seiner Meinung nach eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Verkehrsunternehmen und Kommunen.

Mobilitätspreis 2025: Drei Geschichten der Verkehrswende

Wie vielfältig Mobilitätspolitik ist, zeigte die Verleihung des Mobilitätspreises.NRW 2025. Der erste Preis ging an „Triangel“, eine rund 62 Kilometer lange Fahrradwegroute im Kreis Steinfurt, die sechs Kommunen über ehemalige Bahntrassen für den Berufs- und Freizeitverkehr verbindet. Auf Platz zwei landete das App-basierte Bonusprogramm „bonus mobil“ der Ruhrbahn, das klimafreundlich zurückgelegte Kilometer mit Prämien belohnt, während der dritte Platz an das Partizipationsprojekt „Verkehrswende in Essen“ ging. Schülerinnen und Schüler analysierten die Radverkehrssituation vor Ort und gaben konkrete Impulse für die Verkehrswegeplanungen in der eigenen Stadt.

 

Präsentation auf einer großen Leinwand mit handschriftlichen Notizen und Piktogrammen zu Mobilitätsthemen, darunter Bus, Bahn, Fußgänger und Stadt-Silhouette, präsentiert auf dem Mobilitätstag NRW 2025 in Düsseldorf.
Graphical record der Session 1: Zeit für Veränderung. © Nils Malzahn

Infrastruktur unter Druck – und ein Milliarden-Versprechen

Neben den hoffnungsvollen Zukunftsbildern wurde der aktuelle Zustand Infrastruktur nicht beschönigt: Schienen, Brücken und Straßen gelten als „marode“ und brauchen eine Sanierungsoffensive. Aus einem 300-Milliarden-Sonderprogramm des Bundes sollen 21 Milliarden Euro nach NRW fließen. Davon fließen lt. Staatssekretär Viktor Haase 10 Milliarden direkt an die Kommunen. Dies versteht er als Signal, dass ohne eine stabile Grundstruktur weder On-Demand-Shuttle noch Schnellzug verlässlich fahren. Er äußerte sein Bedauern, dass Wasserstraßen durch den Topf des Bundes leer ausgehen, obwohl auch sie einen wichtigen Beitrag zum Gütertransport in und durch NRW liefern.

Autonomes Fahren, Daten und SPNV-Reform

In den Fachsessions wurde deutlich, wie groß die Umbruchphase im System ÖPNV ist. In der Debatte um die Reform des Schienenpersonennahverkehrs wurde deutlich, wie sehr das System in die Jahre gekommen ist: Die letzte große Strukturreform liegt fast zwei Jahrzehnte zurück, während sich Zuständigkeiten, Nachfrage und Fachkräftelage grundlegend verändert haben. Verbindungslinien mit bis zu drei verschiedenen Aufgabenträgern, ein spürbarer Personalmangel und zersplitterte Hintergrundsysteme gelten heute als zentrale Bremsklötze. Die Novellierung der SPNV-Struktur zum 1.1.2027 soll das Geflecht der Zuständigkeiten entwirren. 

Datenplattformen wie „Mobidrom“ legen die Grundlage, damit Daten und darauf basierende Angebote verknüpft werden können. 

Zugleich wird automatisiertes Fahren als potenzieller „Gamechanger“ beschrieben, der helfen soll, der mit sieben Modellregionen und neuen Beschaffungsnetzwerken den klassischen ÖPNV ergänzen und gleichzeitig Antworten auf Fachkräftemangel und Finanzierungsdruck liefern soll.

Auch finanziell wird der Reformbedarf im ÖPNV durch den Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beziffert: Rund 40 Milliarden Euro werden für einen zukunftsfähigen ÖPNV veranschlagt. Zwölf Milliarden davon werden aus Fahrgeldeinnahmen gedeckt. Der Vertreter des VDV warnt davor, allein auf sozialverträgliche Tarife zu schauen, ohne die notwendige Investitionsbasis zu sichern. Er sieht automatisiertes Fahren als potenziellen „Gamechanger“, um Angebot und Personalressourcen besser in Einklang zu bringen.

Großes Plakat mit Zeichnungen und Sprechblasen zur Mobilitätsforschung, darunter Logos von Mobilitätstag NRW 2025 und Mobilitätsforschungslanschaft, präsentiert auf einer Veranstaltung in Düsseldorf.
Graphical record der Session 2: Mobilitätsforschung, die bei den Menschen ankommt. © Nils Malzahn

Europa, Beteiligung und das große Bild

Flankiert werden die landespolitischen Initiativen von europäischer Mobilitätspolitik, die auf CO₂-Reduktion, mehr Schienenverkehr, intermodale Korridore und digitale Lösungen setzt. Das schließt Ladeinfrastrukturen für schwere Lkw und den Ausbau zentraler Verkehrskorridore ein. 

In einer Paneldiskussion rückten die Teilnehmenden die europäische Dimension und die Rolle der Häfen in den Fokus: Grenzüberschreitende Probleme im Güterverkehr und die Abhängigkeit vieler Projekte von EU-Mitteln wurden ebenso betont wie die Bedeutung von Duisport als wichtiger Akteur der Binnenschifffahrt. Gleichzeitig machte das Podium klar, dass technische Lösungen ohne Akzeptanzprogramme, frühe Bürgerbeteiligung und eine Kommunikation, die niemanden „überrumpelt“, ins Leere laufen. Mobilitätsdaten müssen in europaweit kompatiblen Standards erhoben und so genutzt werden, dass ihr Mehrwert vor Ort erlebbar ist. 

Die Förderung von Akzeptanz stellte auch Prof‘in. Dr. Becker in den Fokus ihres Vortrags. Sie führte aus, dass die vier Faktoren Regulierung, Kultur, Infrastruktur & Raum sowie Beteiligungsprozesse eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Mobilitätsprojekten spielen.

So bleibt vom Mobilitätstag NRW 2025 das Bild eines Bundeslandes, das mitten im Spannungsfeld aus Sanierungsstau und Transformationsdruck steht – und sich Schritt für Schritt eine Mobilität erarbeitet, die einfacher, flexibler und klimafreundlicher sein soll.

Dabei werden Automatisierung und Vernetzung als Schlüsseltechnologien gesehen, die durch erhebliche Anstrengungen im Bereich der Akzeptanzsicherung auf unterschiedlichen Ebenen begleitet werden müssen, damit den Herausforderungen einer nachhaltigen Mobilität mit erfolgreichen Lösungen begegnet werden kann.

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Porträt von Nils Malzahn mit Brille, brauen, kurzen Haaren, dunklem Bart in einem blauen Hemd und schwarzem Sakko.

Nils Malzahn

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