Im Fokus der innocam.NRW Jahrestagung 2025, die am 20. November erfolgreich in Köln durchgeführt wurde, standen einerseits das Zukunftsbild der Mobilität und andererseits der Austausch von Wissen und Erfahrungen. Erfahren Sie mehr zu den Highlights des Events in unserer Pressemitteilung und schauen Sie in unseren neuen Videotrailer und die Fotogalerie rein.
Gemeinsam in die Zukunft: Impressionen vom innocam.NRW Mobility Meeting 2025
| David Haberle, innocam.NRW
Rückblick auf das innocam.NRW Mobility Meeting „Erfahrungen teilen – Zukunft gestalten: automatisierte und vernetzte Mobilität in NRW“
„Mama wieso soll ich einen Führerschein machen?“ oder „Wie sind wir nur 2025 noch von A nach B gekommen?“, geht es nach den Teilnehmenden des diesjährigen Mobility Meetings werden wir uns 2035 diese Fragen stellen, nachdem die automatisierte und vernetze Mobilität gelebte Realität geworden ist. Bei der innocam.NRW Jahresveranstaltung, die am 20. November in Köln stattfand, standen einerseits das Zukunftsbild und andererseits der Austausch des bereits gesammelten Wissens- und Erfahrungsschatzes im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen. Unter dem Titel „Erfahrungen teilen – Zukunft gestalten: automatisierte und vernetzte Mobilität in NRW“ sprachen die Rednerinnen und Redner Appelle für neue Kooperation und noch mehr Mut aus, damit gemeinsam in Nordrhein-Westfalen die nächste Stufe in der Umsetzung der automatisierten und vernetzen Mobilität erreicht werden kann.
Eine Vielzahl an Schlagzeilen bzw. Zukunftsbilder der Teilnehmenden für das Jahr 2035 verdeutlichen, dass die Erwartungshaltung an die automatisierte und vernetzte Mobilität sowie an deren Umsetzung groß ist:
- NRW hat es umgesetzt - automatisierte Mobilität ist Alltag!
- Fahrgastrekord: ÖPNV-Unternehmen in NRW feiern erhebliche Zuwächse dank autonomem Fahren
- 10.000ster autonomer Bus in Deutschland in Betrieb genommen!
Stellt sich die Frage, wie wir gemeinsam dahin kommen und welche Fragen dafür noch beantwortet werden müssen. Dazu stellten die Redner des ersten Vortragsblocks ihre Vorstellungen vor, die sich in vielerlei Hinsicht mit den Bedarfen und Ambitionen der Teilnehmenden deckten (siehe Grafiken).
Befragt nach den Erfordernissen für das Übertragen und Skalieren ihrer eigenen Aktivitäten nannten die Teilnehmenden am häufigsten (26%) Bedarfe im Zusammenhang mit den regulatorischen Anforderungen und technisch harmonisierten Systeme, die diesen entsprechen. Dabei spiele Kenntnisse um den Rechtsrahmen wie auch die technischen Fragestellungen für die Typengenehmigung von L4-automatisierten Fahrzeugen eine wichtige Rolle. Dahinter folgten die Bedarfe rund um finanzielle Unterstützung & Anreize (24%), Mut & politischer Wille (16%) sowie Kooperation & Partner (10%) und spezifische Kooperationsaufgaben & Prozesserfordernisse (10%).
Obwohl technische Aspekte nicht explizit als dringendster Bedarf genannt wurden, bedeutet das nicht, dass sie an Bedeutung verloren haben. Vielmehr zeigt sich in der Entwicklung neuer Technologien:
- Technische Grundlagen sind fortgeschritten, sodass sie nicht mehr als primäres Hindernis wahrgenommen werden.
- Die Herausforderungen verschieben sich in Richtung Integration, Betrieb und Skalierung - Bereiche, in denen Technik zwar vorhanden ist, aber noch nicht reibungslos zusammenspielt.
Was braucht es am dringendsten, um Ihre Projekte der automatisierten und vernetzten Mobilität in die Anwendung zu übertragen bzw. zu skalieren? (n=50)
In welchem Bereich der automatisierten und vernetzten Mobilität wird ihre Organisation in den nächsten 5 Jahren den Schwerpunkt setzen? (n=60)
Vision trifft Verantwortung
„Gemeinsam gestalten – Strategien für eine vernetzte Mobilitätszukunft“
Udo Sieverding, Leiter der Abteilung Mobilität der Zukunft, Radverkehr und ÖPNV im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr eröffnete die Veranstaltung und hob die wegweisenden Entwicklungen in NRW hervor. Zusammengefasst ist die Mobilitätswende, die sich über alle Verkehrsträger erstreckt, eine digitale und nachhaltige Transformation, deren Fundament der ÖPNV bilden müsse. Automatisierte und vernetzte Mobilitätstechnologien sind dabei unverzichtbare Treiber.
Prof. Lutz Eckstein, wissenschaftlicher Leiter von innocam.NRW beleuchtete die globalen Trends, die die Gestaltung der Mobilitätszukunft beeinflussen. Besonders die Fragen der europäischen Souveränität und Sicherheit wirken sich auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus und haben Konsequenzen für die Umsetzung der automatisierten und vernetzten Mobilität. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit erfordere Kooperation im regionalen bis globalen Kontext, auch mit Wettbewerbern. Wichtig ist laut Eckstein vor allem die europäische Zusammenarbeit, etwa um einen gemeinsamen europäischen Software-Stack für das Selbstständige Fahren (AD) zu entwickeln.
Dr. Till Ackermann, Fachbereichsleiter für Volkswirtschaft und Business Development im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gab einen Überblick über die politische und ökonomische Ausgangssituation für die Einführung des autonomen Fahrens im ÖPNV. In Deutschland sitzen zwar die Patentführer für Level 3 automatisiertes Fahren, doch der Sprung zu Level 4 lässt noch auf sich warten. Bei der Entwicklung von Technologien allgemein, oder des zuvor erwähnten europäischen AD-Software-Stacks ist die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene industriepolitisch wie unternehmerisch unerlässlich, um einerseits die Durchführung, die enorme finanzielle Ressourcen erfordert, zu realisieren. Andererseits braucht es auch in der Anwendung große Mengen, um Skaleneffekte zu realisieren, die Technologie weiterzuentwickeln und perspektivisch für den ÖPNV dadurch Kostensenkungen zu realisieren. Dr. Ackermann betonte dabei, dass fahrerloses autonomes Fahren im ÖPNV zum Ziel haben sollte, den Service zu verbessern und bereits erreichte Qualitätslevels – etwa bei der Barrierefreiheit – zumindest beizubehalten. Anforderungen durch Witterungseinflüsse, neuralgische Verkehrspunkte oder Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen müssen für den ÖPNV von Anfang an mitgedacht und erfüllt werden.
Markus Seidel, Sales Manager bei HOLON stellte den HOLON urban, einen fahrerlosen und autonom fahrenden Shuttlebus vor und erläuterte den Weg, den sein Unternehmen bis zur 2027 anvisierten Serienproduktion nimmt. Das Fahrzeug besitzt standardmäßig keinen Fahrerarbeitsplatz, dafür Platz für bis zu 15 Fahrgäste und ist barrierefrei. Live-Informationen über das Fahrzeug sind über die HOLON Cloud zentral abrufbar: im Fahrzeug, in der Leitstelle, im Depot und in der Werkstatt. Der erste Schritt in Richtung Serienproduktion ist mit der Einzelgenehmigung des Prototyps erreicht worden. In der aktuellen Pilotphase werden Erprobungen durchgeführt – dank der Erprobungsgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) seit Kurzem auch deutschlandweit. Dabei werden unter anderem die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Cloud-Servern und die Funktion des vom Partner Mobileye beigesteuerten Automatisierungssystems getestet. Der nächste Schritt ist die Typgenehmigung, anschließend kann die Serienproduktion beginnen.
Simon Nyga, Experte für Verkehr und Mobilität bei Prisma Solutions, skizzierte die notwendigen Schritte für ein kooperatives Verkehrsmanagement, um den Übergang zur vernetzten Mobilität zu meistern. Dafür muss zunächst ein Datensatz aus Rohdaten gesammelt werden, etwa aus Floating Car Data, Induktionsschleifen, Videoaufnahmen oder Radarsensoren. Diese Rohdaten werden anschließend gefiltert, validiert und plausibilisiert. Die veredelten Daten werden zur Identifikation und Quantifizierung von Problemen analysiert. Aus den Erkenntnissen können dann Maßnahmen und Strategien geplant und abgestimmt werden. Diese werden schließlich an nationale Datenplattformen oder operative Systeme publiziert, und ihre Wirkung werde evaluiert. Herr Nyga betonte, dass nicht nur die Arbeit an den Daten, sondern auch das Wissen um die konfliktfreie Interpretation der Verkehrsregeln für autonome Fahrzeuge entscheidend ist. Als Beispiel nannte er die Interpretation von Ortstafeln oder Vorrangsituationen. Neben der verpflichtenden Erkennung von Verkehrszeichen durch das Fahrzeug können diese und weitere Informationen auch digital bereitgestellt werden, etwa bei dynamischen Geschwindigkeitsregelungen oder nach Unfällen.
Vom Prototyp zur Praxis
„Testen, lernen, skalieren – Der Weg zur Marktreife“
Nachdem umrissen wurde, wie die Zukunft der Mobilität aussehen könnte, und welche Faktoren dafür eine Rolle spielten, ging es um die Frage, ob wir bereits die richtigen Schritte zur Zukunft der Mobilität gehen. Im Vortragsblock "Vom Prototyp zur Praxis: Testen, lernen, skalieren – Der Weg zur Marktreife“ stellten Marius Schröder (HHLA Sky), Mareen Sprickmann (Rheinbahn AG) und Susanne Schulz (Die Autobahn des Bundes GmbH) ihre Vorhaben und die damit verbundenen Ambitionen und Erfahrungen dar.
Marius Schröder, Chief Solutions Officer bei HHLA Sky, präsentierte das Projekt RADIKAL, das sich mit der automatisierten Drohnensteuerung durch fortschrittliche Radarsensorik und KI-basierte Kamera-Bildverarbeitung beschäftigt. Automatisierte Drohnen können kleine und leichte Güter schneller, nachhaltiger und – sobald am Markt etabliert – deutlich günstiger liefern. Hauptanwendungsfälle sind Just-in-time-Produktion in der Industrie sowie Express- und Notfalllieferungen mit medizinischen Gütern. Bisher sind die Lieferungen auf festgelegte Korridore beschränkt. Die dynamische Reaktion auf Hindernisse während des Fluges und der Landung sowie die Entscheidungsfähigkeit in Notsituationen müssen jedoch noch erprobt werden, um Prozesssicherheit und Marktpotenzial nachhaltig auszuschöpfen.
Mareen Sprickmann-Kerkerinck, Leiterin Innovation, Energiemanagement, Data & KI bei der Rheinbahn AG berichtete vom Erprobungsbetrieb eines autonomen Shuttles mit Sicherheitsfahrer, den die Rheinbahn AG im Februar 2025 als Kick-off für zukünftige Aktivitäten im Bereich der automatisierten Mobilität durchgeführt hatte. Daraus leitete Sie die folgenden Erfolgsfaktoren für die Einführung von autonomen Fahrzeugen: klare und geeignete Rahmenbedingungen auf rechtlicher Ebene, ein funktionales Datenmanagement, die zentrale Integration von Barrierefreiheit, sowie das Schaffen von Akzeptanz auf individueller Ebene. Für die Durchführung des Vorhabens verwies sie auf eine Reihe von Zwischenmeilensteinen, die am Weg zur Durchführung zunächst erreicht werden müssen, darunter die Testung im Betriebshof, das Abholen der Politik, das Erfassen der Kundenbedürfnisse, das Informieren des Personals sowie das Knüpfen und Pflegen von Partnerschaften. Angesichts des knappen Zeitplans für die Durchführung des Testbetriebs liegt Frau Sprickmanns zentrale Erkenntnis darin, dass die spezialisierte Arbeitsteilung und das Vertrauen in die Partnerorganisationen essenzielle Erfolgsfaktoren waren.
Susanne Schulz, Leiterin Fachbereich Kooperative, vernetzte und automatisierte Mobilität bei der Autobahn GmbH des Bundes, präsentierte die Grundlagen für die Einführung von C-ITS und autonomem Fahren nach SAE-Level 4 auf Autobahnen sowie die gewonnenen Erkenntnisse. Die Kooperativen Intelligenten Verkehrssystemen (C-ITS) ermöglichen die Kommunikation zwischen der Verkehrsinfrastruktur entlang von Autobahnen und den Fahrzeugen in Echtzeit über Mobilfunk und WLANp. Damit verfolgt die Autobahn GmbH zwei Ziele: die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch vorausschauendes Fahren und Warnungen vor Baustellen oder Gefahrenstellen sowie die Effizienzsteigerung auf Basis europäisch harmonisierter Technologie. Schulz betonte, dass alle Beteiligten sich bei der Durchführung über ihre Rollen bewusst sein und dauerhaft an einen Tisch gebracht werden müssten. Die Autobahn GmbH hat gleichzeitig die Genehmigungs-, Betreiber- und Nutzerrolle inne und hat über Beauftragungen an Subunternehmen, ebenfalls die Möglichkeit, den Einsatz von C-ITS dadurch auszuweiten. Man muss berücksichtigen, dass die Einführung von neuen Technologieanwendungen ein umfassender Prozess ist, der u. a. mit längeren Ausschreibungen beginnt. Neue innovative Lösungen bringen außerdem organisatorische Veränderungen und anfängliche technische Schwierigkeiten mit sich, die sich erst kurz- bis mittelfristig im Betrieb zeigten. Das hat zwei zentrale Implikationen. Aufgrund der Entwicklungs- und Lerndauer darf man den Start der Einführung solcher Systeme nicht verzögern und auf fertige Lösungen warten. Stattdessen müssen die Fahrzeug- und die Infrastrukturseite gemeinsam weiterentwickelt werden, damit sie technologisch Hand in Hand gehen.
Kommunen als Möglichmacher
„Mobilität gestalten – Kommunale Verantwortung und smarte Lösungen“
Für die nachhaltige Umsetzung von Innovationen im Straßenverkehr sind Kommunen entscheidend. Die Umsetzung von Projekten verlangt ihnen oft mutige Entscheidungen ab – aufgrund eingeschränkter Planungssicherheit, knapper personeller und finanzieller Kapazitäten und fehlender Erfahrung. Der abschließende Vortragsblock gab daher Einblick in die praktischen Vorgehensweisen, Entscheidungsgrundlagen und Hilfestellungen für Kommunen bei der Einführung von automatisierter und vernetzter Mobilität.
Harald Bock, Sachgebietsleiter für Verkehrsplanung im Stadtplanungsamt der Stadt Paderborn, betonte, dass das Mobilitätsmanagement Strategien für die Menschen in den Vordergrund stellen müsse, nicht die Fahrzeuge. Die Ziele der Verkehrsplanung in Paderborn sind daher gleichmäßigere und effizientere Verkehrsflüsse, die Erhöhung der Verkehrssicherheit, das Schließen von Netzlücken im ÖPNV und die Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Stadt. Risiken liegen darin, dass durch bequeme autonome Fahrzeuge der motorisierte Individualverkehr steigen könnte, was gegenläufige Effekte durch Mehrverkehr, Zersiedelung und die Schwächung des Umweltverbundes auslösen könnte. Herausforderungen für die Arbeit in Kommunen sind gekürzte Förderungen und das Arbeiten ohne mittelfristigen Reward. Man muss daher verstärkt auf Kooperation setzen – sowohl intern als auch mit lokalen und regionalen Partnern wie NeMo.bil. Für Paderborn ist es von großer Bedeutung, mit HOLON/Benteler einen äußerst ambitionierten, aber auch potenten Partner zu haben, mit dem eine Testumgebung für autonome Fahrzeuge und weitere innovative Mobilitätslösungen in Kooperation erarbeitet werden. Die Umsetzung automatisierte und vernetzter Mobilität findet in Paderborn im Verbund statt, wodurch die Vorhaben oft über die Mobilität hinaus gehen und mit Digitalisierungsprojekten oder Stadtentwicklungsvorhaben verknüpft sind.
Ricarda Mauksch, Leiterin des Bereiches Mobilität der Stadt Oberhausen stellte einige Vorhaben der automatisierten und vernetzten Mobilität in Oberhausen vor und berichtet von den Zugängen und Erfahrungen in der Stadt Oberhausen. Für sie sind Projekte mit Fördergeldern zwar willkommene Aushängeschilder, aber keine Motivatoren für die Einführung intelligenter Verkehrstechnologien. Die eigentlichen Antriebe sind die Verkehrsprobleme selbst. Ein Erfolgsfaktor für Oberhausen ist die organisatorische Vernetzung innerhalb der Stadtverwaltung, um alle bereits erfassten Daten miteinander zu vernetzen und nutzbar zu machen. Aktuell wird an einem Mobilitätsdashboard gearbeitet, das in Kooperation mit dem KDN (Dachverband kommunaler IT-Dienstleister in NRW) eine gemeinsame technische Basis für eine NRW-weite urbane Datenplattform schaffen soll – über Mobilität hinaus. Dass die Stadt Oberhausen in vielen Bereichen der automatisierten und vernetzten Mobilität als First Mover agiert, verbindet Frau Mauksch mit einer Reihe an Vorteilen. Das gibt ihr die Möglichkeit, besser zu planen, sich besser zu vernetzen und besser zu informieren. Herausforderungen in puncto Akzeptanz hat sie bisher nicht gesehen, da es sich bei den AVM-Initiativen der Stadt nicht um umstrittene Mobilitätsprojekte, sondern um Vorhaben mit offensichtlichen Benefits handele. Wichtiger als die Öffentlichkeitsarbeit ist daher die Überzeugungsarbeit in der eigenen Organisation.
Fachliche Begleitung von innocam.NRW und Ausblick
Sowohl wenn es um die Bearbeitung technischer Fragestellungen rund um die Umsetzung der AVM geht als auch wenn es um die organisationale und Kompetenzfragen bei der Einführung in Kommunen geht, ist innocam.NRW mit seinen Leistungen der richtige Ansprechpartner. Wie Matthis Hötter, innocam.NRW Innovationsmanager darlegte, arbeiten die Arbeitskreise von innocam.NRW verkehrsträgerspezifisch an den jeweiligen Herausforderungen. Sie identifizieren aber auch verkehrsträgerübergreifend wiederkehrende Themen und Muster in den Herausforderungen, etwa bei der Technik, der Digitalisierung und der Governance.
Michael Krause von der Bergischen Universität Wuppertal erläuterte in seinem Kurzimpuls verschiedene Gründe für die Zurückhaltung vieler Kommunen bei der Umsetzung automatisierter und vernetzter Mobilität. Als zentrale Hemmnisse nannte er u.a. begrenzte personelle Ressourcen, Informationsdefizite sowie komplexe Zuständigkeiten. Hier setzen die Angebote von innocam.NRW gezielt an.
Wir bedanken uns bei unseren Referierenden, Ausstellenden, und allen Teilnehmenden für die aktive Teilnahme und die interessanten Gespräche. Nutzen Sie unsere Informationsangebote zur Vernetzung mit Fachleuten und bringen Sie Ihre Bedarfe sowie Ihre Expertise ein – gestalten Sie aktiv mit. Das innocam.NRW Kompetenznetzwerk ist die Plattform für den Austausch der Akteurinnen und Akteure aus Unternehmen, Wissenschaft, Kommunen und Gesellschaft und steht Ihnen für Ihre Themen, Impulse, Bedarfe und Herausforderungen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Sie möchten mehr über die Aktivitäten von innocam.NRW erfahren und Themen und Inhalte aktiv mitgestalten? Dann melden Sie sich bei uns unter info(at)innocam.nrw. Wir freuen uns auf ihre Nachricht!
Videotrailer
Impressionen
Vision trifft Verantwortung
„Gemeinsam gestalten – Strategien für eine vernetzte Mobilitätszukunft“
Udo Sieverding, Leiter der Abteilung Mobilität der Zukunft, Radverkehr und ÖPNV im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr eröffnete die Veranstaltung und hob die wegweisenden Entwicklungen in NRW hervor. Zusammengefasst ist die Mobilitätswende, die sich über alle Verkehrsträger erstreckt, eine digitale und nachhaltige Transformation, deren Fundament der ÖPNV bilden müsse. Automatisierte und vernetzte Mobilitätstechnologien sind dabei unverzichtbare Treiber.
Prof. Lutz Eckstein, wissenschaftlicher Leiter von innocam.NRW beleuchtete die globalen Trends, die die Gestaltung der Mobilitätszukunft beeinflussen. Besonders die Fragen der europäischen Souveränität und Sicherheit wirken sich auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus und haben Konsequenzen für die Umsetzung der automatisierten und vernetzten Mobilität. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit erfordere Kooperation im regionalen bis globalen Kontext, auch mit Wettbewerbern. Wichtig ist laut Eckstein vor allem die europäische Zusammenarbeit, etwa um einen gemeinsamen europäischen Software-Stack für das Selbstständige Fahren (AD) zu entwickeln.
Dr. Till Ackermann, Fachbereichsleiter für Volkswirtschaft und Business Development im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gab einen Überblick über die politische und ökonomische Ausgangssituation für die Einführung des autonomen Fahrens im ÖPNV. In Deutschland sitzen zwar die Patentführer für Level 3 automatisiertes Fahren, doch der Sprung zu Level 4 lässt noch auf sich warten. Bei der Entwicklung von Technologien allgemein, oder des zuvor erwähnten europäischen AD-Software-Stacks ist die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene industriepolitisch wie unternehmerisch unerlässlich, um einerseits die Durchführung, die enorme finanzielle Ressourcen erfordert, zu realisieren. Andererseits braucht es auch in der Anwendung große Mengen, um Skaleneffekte zu realisieren, die Technologie weiterzuentwickeln und perspektivisch für den ÖPNV dadurch Kostensenkungen zu realisieren. Dr. Ackermann betonte dabei, dass fahrerloses autonomes Fahren im ÖPNV zum Ziel haben sollte, den Service zu verbessern und bereits erreichte Qualitätslevels – etwa bei der Barrierefreiheit – zumindest beizubehalten. Anforderungen durch Witterungseinflüsse, neuralgische Verkehrspunkte oder Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen müssen für den ÖPNV von Anfang an mitgedacht und erfüllt werden.
Markus Seidel, Sales Manager bei HOLON stellte den HOLON urban, einen fahrerlosen und autonom fahrenden Shuttlebus vor und erläuterte den Weg, den sein Unternehmen bis zur 2027 anvisierten Serienproduktion nimmt. Das Fahrzeug besitzt standardmäßig keinen Fahrerarbeitsplatz, dafür Platz für bis zu 15 Fahrgäste und ist barrierefrei. Live-Informationen über das Fahrzeug sind über die HOLON Cloud zentral abrufbar: im Fahrzeug, in der Leitstelle, im Depot und in der Werkstatt. Der erste Schritt in Richtung Serienproduktion ist mit der Einzelgenehmigung des Prototyps erreicht worden. In der aktuellen Pilotphase werden Erprobungen durchgeführt – dank der Erprobungsgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) seit Kurzem auch deutschlandweit. Dabei werden unter anderem die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Cloud-Servern und die Funktion des vom Partner Mobileye beigesteuerten Automatisierungssystems getestet. Der nächste Schritt ist die Typgenehmigung, anschließend kann die Serienproduktion beginnen.
Simon Nyga, Experte für Verkehr und Mobilität bei Prisma Solutions, skizzierte die notwendigen Schritte für ein kooperatives Verkehrsmanagement, um den Übergang zur vernetzten Mobilität zu meistern. Dafür muss zunächst ein Datensatz aus Rohdaten gesammelt werden, etwa aus Floating Car Data, Induktionsschleifen, Videoaufnahmen oder Radarsensoren. Diese Rohdaten werden anschließend gefiltert, validiert und plausibilisiert. Die veredelten Daten werden zur Identifikation und Quantifizierung von Problemen analysiert. Aus den Erkenntnissen können dann Maßnahmen und Strategien geplant und abgestimmt werden. Diese werden schließlich an nationale Datenplattformen oder operative Systeme publiziert, und ihre Wirkung werde evaluiert. Herr Nyga betonte, dass nicht nur die Arbeit an den Daten, sondern auch das Wissen um die konfliktfreie Interpretation der Verkehrsregeln für autonome Fahrzeuge entscheidend ist. Als Beispiel nannte er die Interpretation von Ortstafeln oder Vorrangsituationen. Neben der verpflichtenden Erkennung von Verkehrszeichen durch das Fahrzeug können diese und weitere Informationen auch digital bereitgestellt werden, etwa bei dynamischen Geschwindigkeitsregelungen oder nach Unfällen.
Vom Prototyp zur Praxis
„Testen, lernen, skalieren – Der Weg zur Marktreife“
Nachdem umrissen wurde, wie die Zukunft der Mobilität aussehen könnte, und welche Faktoren dafür eine Rolle spielten, ging es um die Frage, ob wir bereits die richtigen Schritte zur Zukunft der Mobilität gehen. Im Vortragsblock "Vom Prototyp zur Praxis: Testen, lernen, skalieren – Der Weg zur Marktreife“ stellten Marius Schröder (HHLA Sky), Mareen Sprickmann (Rheinbahn AG) und Susanne Schulz (Die Autobahn des Bundes GmbH) ihre Vorhaben und die damit verbundenen Ambitionen und Erfahrungen dar.
Marius Schröder, Chief Solutions Officer bei HHLA Sky, präsentierte das Projekt RADIKAL, das sich mit der automatisierten Drohnensteuerung durch fortschrittliche Radarsensorik und KI-basierte Kamera-Bildverarbeitung beschäftigt. Automatisierte Drohnen können kleine und leichte Güter schneller, nachhaltiger und – sobald am Markt etabliert – deutlich günstiger liefern. Hauptanwendungsfälle sind Just-in-time-Produktion in der Industrie sowie Express- und Notfalllieferungen mit medizinischen Gütern. Bisher sind die Lieferungen auf festgelegte Korridore beschränkt. Die dynamische Reaktion auf Hindernisse während des Fluges und der Landung sowie die Entscheidungsfähigkeit in Notsituationen müssen jedoch noch erprobt werden, um Prozesssicherheit und Marktpotenzial nachhaltig auszuschöpfen.
Mareen Sprickmann-Kerkerinck, Leiterin Innovation, Energiemanagement, Data & KI bei der Rheinbahn AG berichtete vom Erprobungsbetrieb eines autonomen Shuttles mit Sicherheitsfahrer, den die Rheinbahn AG im Februar 2025 als Kick-off für zukünftige Aktivitäten im Bereich der automatisierten Mobilität durchgeführt hatte. Daraus leitete Sie die folgenden Erfolgsfaktoren für die Einführung von autonomen Fahrzeugen: klare und geeignete Rahmenbedingungen auf rechtlicher Ebene, ein funktionales Datenmanagement, die zentrale Integration von Barrierefreiheit, sowie das Schaffen von Akzeptanz auf individueller Ebene. Für die Durchführung des Vorhabens verwies sie auf eine Reihe von Zwischenmeilensteinen, die am Weg zur Durchführung zunächst erreicht werden müssen, darunter die Testung im Betriebshof, das Abholen der Politik, das Erfassen der Kundenbedürfnisse, das Informieren des Personals sowie das Knüpfen und Pflegen von Partnerschaften. Angesichts des knappen Zeitplans für die Durchführung des Testbetriebs liegt Frau Sprickmanns zentrale Erkenntnis darin, dass die spezialisierte Arbeitsteilung und das Vertrauen in die Partnerorganisationen essenzielle Erfolgsfaktoren waren.
Susanne Schulz, Leiterin Fachbereich Kooperative, vernetzte und automatisierte Mobilität bei der Autobahn GmbH des Bundes, präsentierte die Grundlagen für die Einführung von C-ITS und autonomem Fahren nach SAE-Level 4 auf Autobahnen sowie die gewonnenen Erkenntnisse. Die Kooperativen Intelligenten Verkehrssystemen (C-ITS) ermöglichen die Kommunikation zwischen der Verkehrsinfrastruktur entlang von Autobahnen und den Fahrzeugen in Echtzeit über Mobilfunk und WLANp. Damit verfolgt die Autobahn GmbH zwei Ziele: die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch vorausschauendes Fahren und Warnungen vor Baustellen oder Gefahrenstellen sowie die Effizienzsteigerung auf Basis europäisch harmonisierter Technologie. Schulz betonte, dass alle Beteiligten sich bei der Durchführung über ihre Rollen bewusst sein und dauerhaft an einen Tisch gebracht werden müssten. Die Autobahn GmbH hat gleichzeitig die Genehmigungs-, Betreiber- und Nutzerrolle inne und hat über Beauftragungen an Subunternehmen, ebenfalls die Möglichkeit, den Einsatz von C-ITS dadurch auszuweiten. Man muss berücksichtigen, dass die Einführung von neuen Technologieanwendungen ein umfassender Prozess ist, der u. a. mit längeren Ausschreibungen beginnt. Neue innovative Lösungen bringen außerdem organisatorische Veränderungen und anfängliche technische Schwierigkeiten mit sich, die sich erst kurz- bis mittelfristig im Betrieb zeigten. Das hat zwei zentrale Implikationen. Aufgrund der Entwicklungs- und Lerndauer darf man den Start der Einführung solcher Systeme nicht verzögern und auf fertige Lösungen warten. Stattdessen müssen die Fahrzeug- und die Infrastrukturseite gemeinsam weiterentwickelt werden, damit sie technologisch Hand in Hand gehen.
Kommunen als Möglichmacher
„Mobilität gestalten – Kommunale Verantwortung und smarte Lösungen“
Für die nachhaltige Umsetzung von Innovationen im Straßenverkehr sind Kommunen entscheidend. Die Umsetzung von Projekten verlangt ihnen oft mutige Entscheidungen ab – aufgrund eingeschränkter Planungssicherheit, knapper personeller und finanzieller Kapazitäten und fehlender Erfahrung. Der abschließende Vortragsblock gab daher Einblick in die praktischen Vorgehensweisen, Entscheidungsgrundlagen und Hilfestellungen für Kommunen bei der Einführung von automatisierter und vernetzter Mobilität.
Harald Bock, Sachgebietsleiter für Verkehrsplanung im Stadtplanungsamt der Stadt Paderborn, betonte, dass das Mobilitätsmanagement Strategien für die Menschen in den Vordergrund stellen müsse, nicht die Fahrzeuge. Die Ziele der Verkehrsplanung in Paderborn sind daher gleichmäßigere und effizientere Verkehrsflüsse, die Erhöhung der Verkehrssicherheit, das Schließen von Netzlücken im ÖPNV und die Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Stadt. Risiken liegen darin, dass durch bequeme autonome Fahrzeuge der motorisierte Individualverkehr steigen könnte, was gegenläufige Effekte durch Mehrverkehr, Zersiedelung und die Schwächung des Umweltverbundes auslösen könnte. Herausforderungen für die Arbeit in Kommunen sind gekürzte Förderungen und das Arbeiten ohne mittelfristigen Reward. Man muss daher verstärkt auf Kooperation setzen – sowohl intern als auch mit lokalen und regionalen Partnern wie NeMo.bil. Für Paderborn ist es von großer Bedeutung, mit HOLON/Benteler einen äußerst ambitionierten, aber auch potenten Partner zu haben, mit dem eine Testumgebung für autonome Fahrzeuge und weitere innovative Mobilitätslösungen in Kooperation erarbeitet werden. Die Umsetzung automatisierte und vernetzter Mobilität findet in Paderborn im Verbund statt, wodurch die Vorhaben oft über die Mobilität hinaus gehen und mit Digitalisierungsprojekten oder Stadtentwicklungsvorhaben verknüpft sind.
Ricarda Mauksch, Leiterin des Bereiches Mobilität der Stadt Oberhausen stellte einige Vorhaben der automatisierten und vernetzten Mobilität in Oberhausen vor und berichtet von den Zugängen und Erfahrungen in der Stadt Oberhausen. Für sie sind Projekte mit Fördergeldern zwar willkommene Aushängeschilder, aber keine Motivatoren für die Einführung intelligenter Verkehrstechnologien. Die eigentlichen Antriebe sind die Verkehrsprobleme selbst. Ein Erfolgsfaktor für Oberhausen ist die organisatorische Vernetzung innerhalb der Stadtverwaltung, um alle bereits erfassten Daten miteinander zu vernetzen und nutzbar zu machen. Aktuell wird an einem Mobilitätsdashboard gearbeitet, das in Kooperation mit dem KDN (Dachverband kommunaler IT-Dienstleister in NRW) eine gemeinsame technische Basis für eine NRW-weite urbane Datenplattform schaffen soll – über Mobilität hinaus. Dass die Stadt Oberhausen in vielen Bereichen der automatisierten und vernetzten Mobilität als First Mover agiert, verbindet Frau Mauksch mit einer Reihe an Vorteilen. Das gibt ihr die Möglichkeit, besser zu planen, sich besser zu vernetzen und besser zu informieren. Herausforderungen in puncto Akzeptanz hat sie bisher nicht gesehen, da es sich bei den AVM-Initiativen der Stadt nicht um umstrittene Mobilitätsprojekte, sondern um Vorhaben mit offensichtlichen Benefits handele. Wichtiger als die Öffentlichkeitsarbeit ist daher die Überzeugungsarbeit in der eigenen Organisation.
Fachliche Begleitung von innocam.NRW und Ausblick
Sowohl wenn es um die Bearbeitung technischer Fragestellungen rund um die Umsetzung der AVM geht als auch wenn es um die organisationale und Kompetenzfragen bei der Einführung in Kommunen geht, ist innocam.NRW mit seinen Leistungen der richtige Ansprechpartner. Wie Matthis Hötter, innocam.NRW Innovationsmanager darlegte, arbeiten die Arbeitskreise von innocam.NRW verkehrsträgerspezifisch an den jeweiligen Herausforderungen. Sie identifizieren aber auch verkehrsträgerübergreifend wiederkehrende Themen und Muster in den Herausforderungen, etwa bei der Technik, der Digitalisierung und der Governance.
Michael Krause von der Bergischen Universität Wuppertal erläuterte in seinem Kurzimpuls verschiedene Gründe für die Zurückhaltung vieler Kommunen bei der Umsetzung automatisierter und vernetzter Mobilität. Als zentrale Hemmnisse nannte er u.a. begrenzte personelle Ressourcen, Informationsdefizite sowie komplexe Zuständigkeiten. Hier setzen die Angebote von innocam.NRW gezielt an.
Wir bedanken uns bei unseren Referierenden, Ausstellenden, und allen Teilnehmenden für die aktive Teilnahme und die interessanten Gespräche. Nutzen Sie unsere Informationsangebote zur Vernetzung mit Fachleuten und bringen Sie Ihre Bedarfe sowie Ihre Expertise ein – gestalten Sie aktiv mit. Das innocam.NRW Kompetenznetzwerk ist die Plattform für den Austausch der Akteurinnen und Akteure aus Unternehmen, Wissenschaft, Kommunen und Gesellschaft und steht Ihnen für Ihre Themen, Impulse, Bedarfe und Herausforderungen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Sie möchten mehr über die Aktivitäten von innocam.NRW erfahren und Themen und Inhalte aktiv mitgestalten? Dann melden Sie sich bei uns unter info(at)innocam.nrw. Wir freuen uns auf ihre Nachricht!
Dr. Nadine Teusler
Netzwerkmanagement info(at)innocam.nrw +49 30 206 708 93 16