1. Startseite
  2. Aktuelles
  3. On-Demand im ÖPNV: Projektvorstellungen im mPACT-P ...
Hellblaue-weiße Straßenbahn mit mehreren Fenstern fährt vor einem Gebäude mit gelb beleuchteten Fenstern, Spiegelung im Wasser sichtbar.
Tram © mammela pixabay

On-Demand im ÖPNV: Projektvorstellungen im mPACT-PulseTalk

| Dr. Nadine Teusler, innocam.NRW

Am 10. Dezember 2025 fand der mPACT-PulseTalk 24 – Teil der mFUND-Begleitforschung – online statt. Im Zentrum des Formats stand die Frage, wie On-Demand-Mobilitätsangebote sinnvoll in den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingebettet werden können. 

Referierende aus zwei Forschungsprojekten gaben Impulse: Prof. Dr. Alexander Baur von der TU Ingolstadt stellte das KI-gestützte Tool TransFairTarif vor, das tarifliche Strukturen zwischen Linien- und On-Demand-Verkehren kundenorientiert optimieren soll, und Rieke Dibbern (MOVIRO) präsentierte den TransitOrchestrator, ein System zur Echtzeit-Verknüpfung verschiedener Mobilitätsangebote.

Kundenzentrierte, multimodale Tarif- und Zonenoptimierung für Linien- und On-Demand-Verkehre mit Methoden der KI (TransFairTarif)

Das Projekt TransFAIrTarif verfolgt das übergeordnete Ziel, Tarifstrukturen im öffentlichen Personennahverkehr so zu optimieren, dass sie transparenter, verständlicher und zugleich fairer werden. Ausgangspunkt ist die heutige Situation unterschiedlich komplexer und fragmentierter Tarifsysteme im Linien- und On-Demand-Verkehr, die für viele Nutzende schwer nachvollziehbar sind und in einigen Fällen zu Ungleichbehandlungen führen können. TransFAIrTarif entwickelt deshalb ein integriertes, konsistentes Tarifmodell, das sowohl für klassische Linienangebote als auch für flexible On-Demand-Verkehre gilt. Transparenz, Vorhersagbarkeit und Fairness bilden dabei die zentralen Grundpfeiler. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Balance zwischen Einfachheit und Gerechtigkeit: Während zu einfache Systeme Ungleichheit erzeugen können, verlieren zu komplexe Systeme die Akzeptanz der Bevölkerung.

Technische Schwerpunkte

Methodisch basiert das Projekt auf einem simulationsgestützten Optimierungsansatz. Dabei werden mathematische Modelle entwickelt, um Tarifzonen, Preislogiken und Optimierungskriterien datenbasiert anzupassen. Grundlage sind umfassende Mobilitätsdaten wie Fahrgastzählungen, Nachfrageprofile und Bewegungsdaten.

Ergänzend wird ein Choice-Experiment eingesetzt, das Präferenzen der Nutzenden zu Transparenz und Fairness erfasst. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Modellierung eines ausgewogenen Tarifmodells ein, das sowohl Gleichbehandlung als auch bedarfsorientierte Aspekte berücksichtigt.

Im Ergebnis entsteht ein integriertes Tarifmodell für Linien- und On-Demand-Verkehr, das unterschiedliche Szenarien simuliert, bewertet und fahrtenspezifisch optimiert. Dies ermöglicht eine modellbasierte Analyse gerechter Tarifstrukturen, die Wettbewerbsvorteile für den ÖPNV schaffen sollen.

Partner und Kompetenzen

Projektpartner sind die Technische Hochschule Ingolstadt sowie die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, ergänzt durch die Verkehrsverbund Großraum Ingolstadt GmbH (VGI) als Anwendungspartner.

Die beteiligten Institutionen bündeln Kompetenzen aus den Bereichen

  • Mobilitätsforschung,
  • Datenanalyse und modellbasierte Optimierung,
  • Tarifgestaltung und Verkehrsplanung sowie Praxiserfahrung im regionalen ÖPNV-Management

Ausblick

TransFAIrTarif legt die Grundlage für zukünftig vollständig integrierte, faire und nachvollziehbare Tarifsysteme, die On-Demand-Angebote sinnvoll in den ÖPNV einbetten. Ein solches System stärkt Vertrauen, Akzeptanz und Nutzung. Perspektivisch kann das Modell auf andere Regionen übertragen und für unterschiedliche Verkehrsträger skaliert werden. Es bildet damit einen wichtigen Baustein für eine nachhaltige und sozial ausgewogene Mobilitätsgestaltung.

Laufzeit und Fördermittelgeber

Das Projekt wird im Rahmen des mFUND gefördert – einer Forschungsinitiative des Bundesministeriums für Verkehr (BMD). Die Projektlaufzeit geht vom Dezember 2024 bis Mai 2026.

Tiefenintegration von On-Demand-Fahrzeugen in den Linienverkehr per intelligentem Betriebssystem (TransitOrchestrator)

Das mFUND-Projekt TransitOrchestrator zielt darauf ab, ein intelligentes Betriebssystem zu entwickeln, das die Betriebsführung von On-Demand-Fahrzeugen in Echtzeit auf den klassischen Linienverkehr des ÖPNV abstimmt und damit verlässliche intermodale Verbindungen ermöglicht. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass die bisher getrennte Betriebssteuerung beider Verkehrssysteme zu ineffizienten Übertragungen, langen Wartezeiten und mangelnder Resilienz im Gesamtsystem führt. Ziel war es deshalb, Systemarchitektur, Algorithmen und operative Datenintegration so zu gestalten, dass On-Demand-Routen dynamisch angepasst werden können und gleichzeitig eine multimodale Fahrplanauskunft entsteht, die sowohl Linien- als auch flexible Verkehrsangebote umfasst. 

Technische Schwerpunkte

Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung eines Prototyps einer Backend-Software, die mehrere technische Komponenten verknüpft: Ein multimodales Routingsystem, eine Echtzeit-Steuerung für On-Demand-Flotten und eine kombinierte Fahrplanauskunft. Das System reagiert kontinuierlich auf Echtzeitdaten des Linienverkehrs, optimiert Routen und Betriebsentscheidungen auf der Grundlage der aktuellen Netzsituation und bietet standardisierte Schnittstellen zu Buchungs- und Flottenmanagement-Systemen. Diese technische Orchestrierung basiert auf Algorithmen zur dynamischen Routenplanung und wurde in einer eigens entwickelten Simulationsumgebung mit ÖPNV-Daten aus dem Raum München erprobt und validiert. Durch die Echtzeitdaten-Integration kann das System flexible Verkehrsmittel so steuern, dass sie sinnvoll auf Fahrplanabweichungen oder Nachfrageänderungen reagieren und damit die Intermodalität und Zuverlässigkeit des Gesamtsystems erhöhen.

Partner und Kompetenzen

Das Projekt wurde durch die MOVIRO GmbH (Hamburg) durchgeführt. Fachliche Kompetenzen aus algorithmischer Optimierung, Softwareentwicklung und Mobilitätssystemintegration bildeten die Grundlage der Realisierung. Darüber hinaus waren im Forschungs- und Evaluierungsprozess Akteurinnen und Akteure aus dem öffentlichen Verkehr eingebunden.

Ausblick

TransitOrchestrator hat mit dem entwickelten Prototypen eine prototypische Grundlage geschaffen, um multimodale Verkehrssteuerungssysteme für urbane Mobilität weiter zu professionalisieren. Die erfolgreiche Erprobung der Schnittstellen und der Echtzeitintegration legt den Grundstein dafür, solche Systeme in der Praxis zu erproben und weiterzuentwickeln – etwa durch Pilotierungen mit Verkehrsunternehmen, die Echtzeitdaten und On-Demand-Flotten im Regelbetrieb koppeln. Perspektivisch eröffnet das Projekt die Möglichkeit, skalierbare, datengestützte Betriebsplattformen zu schaffen, die flexibel auf Nachfrage- und Systemänderungen reagieren und so die Effizienz, Zuverlässigkeit und Attraktivität multimodaler ÖPNV-Angebote erhöhen.

Laufzeit und Fördermittelgeber

Das Projekt lief über einen Zeitraum von September 2024 bis August 2025 und wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND gefördert.

Wissenswertes zu mPACT

mPACT, das Begleitforschungsprogramm des mFUND, organisiert verschiedene Veranstaltungsformate, um geförderte Projekte zu vernetzen, ihre Ergebnisse sichtbar zu machen und den Austausch in der Mobilitäts- und Datencommunity zu stärken. Dazu gehören der monatliche Kickoff Wednesday, bei dem neue Projekte ihre Ideen vorstellen, die digitale Dialogreihe mPACT-PulseTalk mit Impulsvorträgen zu aktuellen Mobilitätsthemen sowie vertiefende Fachaustausche und Workshops wie der mFUND-Shorttrack. Ergänzt wird das Angebot durch den Podcast mCAST, der zentrale Trends und Forschungserkenntnisse rund um datenbasierte Mobilität beleuchtet.

Sie haben Fragen oder benötigen weitere Informationen zu diesem Artikel?
Porträt von Dr. Nadine Teusler, Netzwerkmanagerin, mit Brille und schwarzem Blazer, freundlich lächelnd vor verschwommenem Hintergrund.

Dr. Nadine Teusler

Netzwerkmanagement +49 30 206 708 93 16