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Städtische Straße mit mehreren Fahrspuren, Radfahrern auf getrennten Radwegen, Bussen und Autos, umgeben von mehrstöckigen Gebäuden und Bäumen
© ITS mobility / KI-generiert mit Google Imagen 4 Ultra

Smart unterwegs: Innovative Lösungen für die Mobilität der Zukunft

| Dr. Nadine Teusler, innocam.NRW

Das Zukünfte-Webinar „Smart unterwegs: Innovative Lösungen für die Mobilität der Zukunft“ am 28.05.2026 beschäftigte sich mit modernen und nachhaltigen Mobilitätslösungen. Veranstaltet vom Programm go-cluster des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, präsentierten ITS mobility und MoWiN.net aktuelle Technologien, praktische Projekte und erfolgreiche Kooperationen.

Zukunftsbild 2035: Sicher und effizient unterwegs 

(Steve Schneider, Geschäftsstellenleiter ITS mobility e.V.)

ITS mobility – Netzwerk für intelligente Mobilität

ITS mobility zählt zu den größten Mobilitätsclustern Norddeutschlands und engagiert sich für die Entwicklung intelligenter Verkehrssysteme und moderner Mobilitätslösungen. Das Netzwerk verbindet Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Kommunen und weitere Akteurinnen und Akteure, um innovative Technologien und Konzepte für eine sichere, effiziente und nachhaltige Mobilität voranzutreiben. Schwerpunkte liegen unter anderem auf vernetzten Verkehrssystemen (C-ITS), automatisiertem und autonomem Fahren, digitalen Mobilitätskonzepten sowie Smart-Rail- und Datenökosystemen.

C-ITS – Vernetzte Verkehrssysteme als Schlüsseltechnologie

Cooperative Intelligent Transport Systems (C-ITS) gelten als zentrale Grundlage für die Mobilität der Zukunft. Dabei tauschen Fahrzeuge und Verkehrsinfrastruktur digitale Informationen in Echtzeit aus, um Verkehrssituationen frühzeitig zu erkennen und sicherer zu gestalten. Durch diese Vernetzung können beispielsweise Warnmeldungen zu Gefahrenstellen, Informationen zu Verkehrsbehinderungen oder intelligente Ampelschaltungen direkt an Fahrzeuge übermittelt werden.

Konkrete C-ITS-Dienste sind beispielsweise vor allem Warnungen vor langsam fahrenden Fahrzeugen, Hinweise auf Baustellen oder Green-Light-Optimized-Speed-Advisory-Systeme (GLOSA), die eine optimale Geschwindigkeit für grüne Ampelphasen berechnen. Aber auch zusätzliche Dienste wie intelligente Routenführung oder spezielle Schutzfunktionen für besonders gefährdete Verkehrsteilnehmende werden hinzukommen.

Damit C-ITS europaweit erfolgreich eingesetzt werden kann, ist eine Harmonisierung der Systeme entscheidend. Einheitliche Standards und Schnittstellen sorgen dafür, dass unterschiedliche Technologien interoperabel bleiben und grenzüberschreitend genutzt werden können. Dies schafft Planungssicherheit für Industrie und Betreiber und verbessert gleichzeitig den Nutzen für die Menschen im Alltag. Vernetzte Mobilität wird dadurch zu einem wichtigen Baustein für mehr Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit im Verkehrssystem der Zukunft.

 

Städtische Kreuzung bei Dämmerung mit Auto und zwei Radfahrern, wobei digitale Warnanzeigen und Abstandsmessungen zu Kollisionen visualisiert sind.
© ITS mobility / KI-generiert mit Google Imagen 4 Ultra

C-Roads

C-Roads ist eine europäische Plattform zur harmonisierten Einführung von C-ITS-Diensten (Cooperative Intelligent Transport Systems). Ziel ist es, Verkehrssysteme intelligenter, sicherer und effizienter zu gestalten, indem Fahrzeuge, Infrastruktur und Verkehrsteilnehmende miteinander vernetzt werden. An dem Projekt beteiligen sich Ministerien, Straßenbetreibende, Städte, Regionen sowie Akteurinnen und Akteure aus Industrie und Forschung. Dabei stehen insbesondere die Entwicklung gemeinsamer technischer Standards, die europaweite Vernetzung von C-ITS-Einrichtungen sowie grenzüberschreitende Tests zur Sicherstellung der Interoperabilität im Mittelpunkt.

Die Entwicklung von C-Roads in Deutschland erfolgt in mehreren Phasen. In der ersten Phase lag der Schwerpunkt auf der Einführung und Pilotierung von C-ITS-Diensten entlang deutscher Autobahnen, insbesondere in Hessen und Niedersachsen. Dabei wurden verschiedene Day-1-C-ITS-Dienste umgesetzt und getestet. In der zweiten Phase „Urban Nodes“ wurde das Projekt auf urbane Verkehrsknoten erweitert. Pilotprojekte in Hamburg, Hessen/Kassel und Dresden ergänzten die bisherigen Anwendungen und ermöglichten die Erprobung von C-ITS-Diensten im städtischen Umfeld. Mit der dritten Phase wird das Projekt weiter ausgebaut. Neben der Weiterentwicklung bestehender Dienste werden neue Pilotstandorte wie Kaiserslautern, Frankfurt am Main und Hannover integriert. Die Laufzeit der dritten Phase reicht von Januar 2025 bis März 2028 und wird mit rund 48,3 Millionen Euro gefördert, wobei etwa die Hälfte der Finanzierung durch die EU erfolgt.

Parallel dazu findet ein weiterer bundesweiter Roll-out von C-ITS-Diensten statt. Dazu gehört insbesondere die Einführung von Baustellenwarnungen auf deutschen Autobahnen durch die Autobahn GmbH des Bundes. Seit Oktober 2025 wurden bereits zahlreiche ITS-fähige Absicherungssysteme, Autobahnmeistereien und Betriebsregionen eingebunden sowie notwendige Prozesse für den IT-Betrieb etabliert.

Zusammenfassung & Ausblick

C-ITS-Dienste gelten als wichtiger Schritt hin zu einer kooperativen und vernetzten Mobilität der Zukunft. Bereits heute werden entsprechende Anwendungen erfolgreich auf Autobahnen eingesetzt, gleichzeitig zeigt sich insbesondere im urbanen Raum weiteres großes Entwicklungspotenzial. Die Dienste unterstützen nicht nur einzelne Fahrerinnen und Fahrer, sondern tragen zur Optimierung des gesamten Verkehrssystems bei. Darüber hinaus helfen sie Behörden und Verkehrsteilnehmenden, Informationen schneller bereitzustellen und die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Insgesamt markiert C-ITS damit einen bedeutenden Wandel im Bereich der Mobilität und bildet eine wichtige Grundlage für zukünftige intelligente Verkehrssysteme.

Sechs Personen mit Namensschildern stehen vor einer historischen Sandsteintreppe und einem Gebäude mit großen Fenstern und Palmen im Hintergrund
Universität Kassel, Prof. Patrick Spieth, Felix Mader
Stadt Melsungen, Daniel Nieswandt
B.Braun Melsungen GmbH, Thorsten Nöll
Regionalmanagement Nordhessen GmbH, Annika Schroeder, Christian Dobler-Eggers.

© Regionalmanagement Nordhessen GmbH

Mobilität neu denken: Europäische Mobilitätsinnovation regional umgesetzt – BIO-INTEL-MOB

(Annika Schroeder, Projektleitung BIO-INTEL-MOB, MoWiN.net)

Mobilität befindet sich europaweit im Wandel. Klimawandel, steigende Verkehrsbelastung, neue Mobilitätsbedürfnisse sowie die Herausforderungen ländlicher und peri-urbaner Räume machen deutlich, dass bestehende Verkehrssysteme neu gedacht werden müssen. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Mobilität effizienter, nachhaltiger und stärker an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger auszurichten.

Vor diesem Hintergrund beteiligt sich die Region Nordhessen am europäischen Projekt „BIO-INTEL-MOB“. Ziel des Projekts ist es, intelligente, nachhaltige und bürgerzentrierte Mobilitätslösungen für peri-urbane Räume zu entwickeln und praktisch zu erproben. Das Vorhaben verbindet technologische Innovation mit regionaler Entwicklung und europäischer Zusammenarbeit.

Das Netzwerk MoWiN.net e.V.

Träger und zentraler Akteur des Projekts in Nordhessen ist der Verein MoWiN.net e.V. Das Netzwerk wurde im Jahr 2004 gegründet und vereint rund 100 Unternehmen und Institutionen aus den Bereichen Mobilität, Logistik, Schiene, Automotive, öffentlicher Nahverkehr und Energie.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Netzwerks ist erheblich: Die Mitgliedsunternehmen beschäftigen zusammen rund 48.000 Mitarbeitende und erwirtschaften etwa neun Milliarden Euro Umsatz. MoWiN.net versteht sich als Plattform für Facharbeit, Projektentwicklung und Innovationsförderung. Durch seine regionale Verankerung und gleichzeitig nationale sowie europäische Vernetzung übernimmt der Verein eine wichtige Rolle bei der Umsetzung zukunftsorientierter Mobilitätsprojekte.

Das EU-Projekt BIO-INTEL-MOB

BIO-INTEL-MOB ist ein Horizon-Europe-Projekt der Europäischen Union mit einer Laufzeit von 2026 bis 2029. Insgesamt beteiligen sich 32 Partner aus 13 Ländern an dem Vorhaben. Das Gesamtprojektvolumen beträgt rund 9,5 Millionen Euro.

Für die Region Nordhessen stehen Fördermittel von über einer Million Euro zur Verfügung, von denen mehr als 380.000 Euro direkt nach Melsungen fließen. Ziel des Projekts ist die Entwicklung intelligenter und nachhaltiger Mobilitätslösungen, die speziell auf die Anforderungen peri-urbaner Regionen zugeschnitten sind.

Das Projekt setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern. Die entwickelten Lösungen sollen nicht nur technologisch innovativ sein, sondern auch im Alltag praktikabel und gesellschaftlich akzeptiert werden.

Organisationsstruktur und Projektpartner

Die organisatorische Struktur des Projekts basiert auf einer interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Mobilität bildet dabei einen zentralen Schwerpunkt innerhalb des Regionalmanagements Nordhessen.

Im Projekt arbeiten unterschiedliche Kompetenzfelder zusammen, darunter Energie, Innovation, IT, Tourismus und Gesundheit. Ergänzt wird dies durch Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie durch regionale und europäische Partnerschaften.

Zu den beteiligten Akteurinnen und Akteuren zählen unter anderem Unternehmen, Hochschulen und regionale Institutionen wie B. Braun, die Universität Kassel, die Stadt Melsungen sowie das Regionalmanagement Nordhessen. Durch diese breite Zusammenarbeit entsteht ein Innovationsnetzwerk, das technische Entwicklungen direkt mit regionalen Anforderungen verbindet.

Technologische Schwerpunkte des Projekts

BIO-INTEL-MOB verfolgt einen datenbasierten Ansatz zur Weiterentwicklung der Mobilität. Im Mittelpunkt stehen moderne digitale Technologien und intelligente Vernetzungssysteme.

Zu den wichtigsten technologischen Bausteinen gehören u.a. Mobility Data Spaces, Green-Safe Routing, Peri-Urban Mobility Hubs sowie Multimodale Mobilität. Auch Digitale Zwillinge zur Verarbeitung von Daten von IoT-Sensoren, Smart Cameras und Satellitenbildern, um Verkehrsflüsse, Emissionen und multimodale Transfers vorherzusagen und in Echtzeit zu steuern, stehen im Fokus. 

Künstliche Intelligenz spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie unterstützt unter anderem intelligente Verkehrssteuerung, datenbasierte Logistiklösungen und digitale Mobilitätsplattformen.

Nutzen für Kommunen, Unternehmen und Bürger

Das Projekt bietet vielfältige Vorteile für unterschiedliche Zielgruppen in der Region.

  • Vorteile für Kommunen: Kommunen profitieren insbesondere durch nachhaltige Verkehrsplanung, digitale Services (KI-gestützte Mobilität, Echtzeitdaten, Routing) und eine höhere Standortattraktivität. Die entwickelten Lösungen können helfen, Verkehrsflüsse effizienter zu steuern und gleichzeitig Umweltbelastungen zu reduzieren.
  • Vorteile für Unternehmen: Für Unternehmen entstehen neue Möglichkeiten im Bereich Innovation und Technologietransfer. Darüber hinaus eröffnet die europäische Vernetzung Chancen für neue Geschäftsmodelle und internationale Kooperationen.
  • Vorteile für Bürgerinnen und Bürger: Auch die Bevölkerung soll unmittelbar von den Projektergebnissen profitieren. Ziel ist ein besseres Mobilitätsangebot, eine höhere Lebensqualität und stärkere Beteiligungsmöglichkeiten bei der Gestaltung regionaler Mobilität.

Ziele und erwartete Wirkungen

BIO-INTEL-MOB verfolgt konkrete ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele. Dazu gehören:

  • die Verringerung der Abhängigkeit vom Individualverkehr, 
  • die Förderung von Sharing-Angeboten und öffentlichem Nahverkehr, 
  • die Senkung von Emissionen, 
  • die Verbesserung logistischer Prozesse, 
  • die Entwicklung digitaler Mobilitätsservices sowie 
  • die Erhöhung der Lebensqualität in der Region. 

Ein besonderer Fokus liegt auf der intelligenten Vernetzung verschiedener Verkehrssysteme. Mobilität soll effizienter, nachhaltiger und gleichzeitig nutzerfreundlicher gestaltet werden.

Melsungen als europäischer Satellitenpilot

Die Stadt Melsungen übernimmt innerhalb des Projekts eine besondere Rolle als Satellitenpilot des sogenannten „Rome Mega Pilot“. Ziel ist es, europäische Mobilitätslösungen regional anzupassen und unter realen Bedingungen zu testen.

Dabei werden insbesondere folgende Themen untersucht:

  • bio-basierte Logistiklösungen (u.a. nachhaltige Verpackungssysteme, zirkuläre Lieferketten), 
  • Multimodale Mobilitätshubs (u.a. Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, bessere Anschlüsse zwischen Wohnen und Arbeiten), 
  • intelligente Routing- und Logistiksysteme (u.a. Verkehrssteuerung, intelligente Routenplanung) sowie 
  • Skalierung europäischer Lösungen (u.a. industrielle Regionen, peri-urbane Räume in Europa). 

Fazit

BIO-INTEL-MOB zeigt, wie europäische Innovationsförderung konkret zur Entwicklung nachhaltiger Mobilität in Regionen beitragen kann. Durch die Kombination aus Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, regionaler Zusammenarbeit und europäischer Vernetzung entsteht ein zukunftsorientierter Ansatz für moderne Mobilität.

Für Nordhessen bietet das Projekt die Chance, sich als Modellregion für intelligente und nachhaltige Mobilitätslösungen zu positionieren. Gleichzeitig profitieren Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger von neuen Technologien, besseren Verkehrsangeboten und einer höheren Lebensqualität.

Wissenswertes zu go-Cluster

Das Programm go-cluster des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt leistungsstarke Innovationscluster in Deutschland bei ihrer Weiterentwicklung und internationalen Vernetzung. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Wissenschaft und weiteren Akteuren zu stärken, Innovationen zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland auszubauen. go-cluster bietet den beteiligten Netzwerken unter anderem Austauschformate, Qualifizierungsangebote sowie Unterstützung bei der Entwicklung neuer Strategien und Projekte.

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Porträt von Dr. Nadine Teusler, Netzwerkmanagerin, mit Brille und schwarzem Blazer, freundlich lächelnd vor verschwommenem Hintergrund.

Dr. Nadine Teusler

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