(Annika Schroeder, Projektleitung BIO-INTEL-MOB, MoWiN.net)
Mobilität befindet sich europaweit im Wandel. Klimawandel, steigende Verkehrsbelastung, neue Mobilitätsbedürfnisse sowie die Herausforderungen ländlicher und peri-urbaner Räume machen deutlich, dass bestehende Verkehrssysteme neu gedacht werden müssen. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Mobilität effizienter, nachhaltiger und stärker an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger auszurichten.
Vor diesem Hintergrund beteiligt sich die Region Nordhessen am europäischen Projekt „BIO-INTEL-MOB“. Ziel des Projekts ist es, intelligente, nachhaltige und bürgerzentrierte Mobilitätslösungen für peri-urbane Räume zu entwickeln und praktisch zu erproben. Das Vorhaben verbindet technologische Innovation mit regionaler Entwicklung und europäischer Zusammenarbeit.
Das Netzwerk MoWiN.net e.V.
Träger und zentraler Akteur des Projekts in Nordhessen ist der Verein MoWiN.net e.V. Das Netzwerk wurde im Jahr 2004 gegründet und vereint rund 100 Unternehmen und Institutionen aus den Bereichen Mobilität, Logistik, Schiene, Automotive, öffentlicher Nahverkehr und Energie.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Netzwerks ist erheblich: Die Mitgliedsunternehmen beschäftigen zusammen rund 48.000 Mitarbeitende und erwirtschaften etwa neun Milliarden Euro Umsatz. MoWiN.net versteht sich als Plattform für Facharbeit, Projektentwicklung und Innovationsförderung. Durch seine regionale Verankerung und gleichzeitig nationale sowie europäische Vernetzung übernimmt der Verein eine wichtige Rolle bei der Umsetzung zukunftsorientierter Mobilitätsprojekte.
Das EU-Projekt BIO-INTEL-MOB
BIO-INTEL-MOB ist ein Horizon-Europe-Projekt der Europäischen Union mit einer Laufzeit von 2026 bis 2029. Insgesamt beteiligen sich 32 Partner aus 13 Ländern an dem Vorhaben. Das Gesamtprojektvolumen beträgt rund 9,5 Millionen Euro.
Für die Region Nordhessen stehen Fördermittel von über einer Million Euro zur Verfügung, von denen mehr als 380.000 Euro direkt nach Melsungen fließen. Ziel des Projekts ist die Entwicklung intelligenter und nachhaltiger Mobilitätslösungen, die speziell auf die Anforderungen peri-urbaner Regionen zugeschnitten sind.
Das Projekt setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern. Die entwickelten Lösungen sollen nicht nur technologisch innovativ sein, sondern auch im Alltag praktikabel und gesellschaftlich akzeptiert werden.
Organisationsstruktur und Projektpartner
Die organisatorische Struktur des Projekts basiert auf einer interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Mobilität bildet dabei einen zentralen Schwerpunkt innerhalb des Regionalmanagements Nordhessen.
Im Projekt arbeiten unterschiedliche Kompetenzfelder zusammen, darunter Energie, Innovation, IT, Tourismus und Gesundheit. Ergänzt wird dies durch Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie durch regionale und europäische Partnerschaften.
Zu den beteiligten Akteurinnen und Akteuren zählen unter anderem Unternehmen, Hochschulen und regionale Institutionen wie B. Braun, die Universität Kassel, die Stadt Melsungen sowie das Regionalmanagement Nordhessen. Durch diese breite Zusammenarbeit entsteht ein Innovationsnetzwerk, das technische Entwicklungen direkt mit regionalen Anforderungen verbindet.
Technologische Schwerpunkte des Projekts
BIO-INTEL-MOB verfolgt einen datenbasierten Ansatz zur Weiterentwicklung der Mobilität. Im Mittelpunkt stehen moderne digitale Technologien und intelligente Vernetzungssysteme.
Zu den wichtigsten technologischen Bausteinen gehören u.a. Mobility Data Spaces, Green-Safe Routing, Peri-Urban Mobility Hubs sowie Multimodale Mobilität. Auch Digitale Zwillinge zur Verarbeitung von Daten von IoT-Sensoren, Smart Cameras und Satellitenbildern, um Verkehrsflüsse, Emissionen und multimodale Transfers vorherzusagen und in Echtzeit zu steuern, stehen im Fokus.
Künstliche Intelligenz spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie unterstützt unter anderem intelligente Verkehrssteuerung, datenbasierte Logistiklösungen und digitale Mobilitätsplattformen.
Nutzen für Kommunen, Unternehmen und Bürger
Das Projekt bietet vielfältige Vorteile für unterschiedliche Zielgruppen in der Region.
- Vorteile für Kommunen: Kommunen profitieren insbesondere durch nachhaltige Verkehrsplanung, digitale Services (KI-gestützte Mobilität, Echtzeitdaten, Routing) und eine höhere Standortattraktivität. Die entwickelten Lösungen können helfen, Verkehrsflüsse effizienter zu steuern und gleichzeitig Umweltbelastungen zu reduzieren.
- Vorteile für Unternehmen: Für Unternehmen entstehen neue Möglichkeiten im Bereich Innovation und Technologietransfer. Darüber hinaus eröffnet die europäische Vernetzung Chancen für neue Geschäftsmodelle und internationale Kooperationen.
- Vorteile für Bürgerinnen und Bürger: Auch die Bevölkerung soll unmittelbar von den Projektergebnissen profitieren. Ziel ist ein besseres Mobilitätsangebot, eine höhere Lebensqualität und stärkere Beteiligungsmöglichkeiten bei der Gestaltung regionaler Mobilität.
Ziele und erwartete Wirkungen
BIO-INTEL-MOB verfolgt konkrete ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele. Dazu gehören:
- die Verringerung der Abhängigkeit vom Individualverkehr,
- die Förderung von Sharing-Angeboten und öffentlichem Nahverkehr,
- die Senkung von Emissionen,
- die Verbesserung logistischer Prozesse,
- die Entwicklung digitaler Mobilitätsservices sowie
- die Erhöhung der Lebensqualität in der Region.
Ein besonderer Fokus liegt auf der intelligenten Vernetzung verschiedener Verkehrssysteme. Mobilität soll effizienter, nachhaltiger und gleichzeitig nutzerfreundlicher gestaltet werden.
Melsungen als europäischer Satellitenpilot
Die Stadt Melsungen übernimmt innerhalb des Projekts eine besondere Rolle als Satellitenpilot des sogenannten „Rome Mega Pilot“. Ziel ist es, europäische Mobilitätslösungen regional anzupassen und unter realen Bedingungen zu testen.
Dabei werden insbesondere folgende Themen untersucht:
- bio-basierte Logistiklösungen (u.a. nachhaltige Verpackungssysteme, zirkuläre Lieferketten),
- Multimodale Mobilitätshubs (u.a. Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, bessere Anschlüsse zwischen Wohnen und Arbeiten),
- intelligente Routing- und Logistiksysteme (u.a. Verkehrssteuerung, intelligente Routenplanung) sowie
- Skalierung europäischer Lösungen (u.a. industrielle Regionen, peri-urbane Räume in Europa).
Fazit
BIO-INTEL-MOB zeigt, wie europäische Innovationsförderung konkret zur Entwicklung nachhaltiger Mobilität in Regionen beitragen kann. Durch die Kombination aus Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, regionaler Zusammenarbeit und europäischer Vernetzung entsteht ein zukunftsorientierter Ansatz für moderne Mobilität.
Für Nordhessen bietet das Projekt die Chance, sich als Modellregion für intelligente und nachhaltige Mobilitätslösungen zu positionieren. Gleichzeitig profitieren Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger von neuen Technologien, besseren Verkehrsangeboten und einer höheren Lebensqualität.