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Farbiges Piktogramm einer stilisierten Weltkugel mit verschiedenen Verkehrsmitteln und Fußgängern, die rundherum verteilt sind.

UITP: Europäische Mobilitätspolitik gestalten

| Dr. Nadine Teusler, innocam.NRW

Die International Association of Public Transport (UITP) nimmt eine zentrale Position in der Gestaltung der europäischen Mobilitätspolitik ein. Sie fungiert als Bindeglied zwischen Verkehrsunternehmen, Behörden, Industriepartnern und Forschungseinrichtungen und bündelt die Interessen des öffentlichen Verkehrs auf europäischer Ebene. Mit über 2.000 Mitgliedsorganisationen aus mehr als 100 Ländern kann die UITP sowohl praxisnahe operative Expertise als auch strategische Innovationsperspektiven einbringen.

Die Veranstaltung „Shaping Europe’s Mobility Policy“ am 25.03.2026 vermittelte einen kompakten Einblick in die Arbeit der UITP:

Governance-Strukturen und operative Fachgruppen

Das EU-Committee der UITP ist ein zentrales Gremium innerhalb der UITP, das die Interessen des öffentlichen Verkehrs auf europäischer Ebene vertritt und als verbindende Schnittstelle zu den EU-Institutionen, wie der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und der Europäischen Investitionsbank, fungiert. Das Komitee verfolgt kontinuierlich politische Entwicklungen, EU-Richtlinien, Verordnungen und Initiativen, die den öffentlichen Verkehr betreffen, analysiert deren Auswirkungen auf Verkehrsunternehmen und Behörden und gibt Stellungnahmen sowie Empfehlungen ab, um die Position der UITP-Mitglieder zu stärken und deren Anliegen Gehör zu verschaffen. Gleichzeitig koordiniert es die Zusammenarbeit zwischen Verkehrsunternehmen, Behörden, Verbänden und anderen relevanten Akteurinnen und Akteuren, um gemeinsame Positionen zu entwickeln, den Austausch von Best Practices zwischen verschiedenen europäischen Städten zu fördern und einheitliche Strategien für die Herausforderungen des Sektors zu erarbeiten.

Die Arbeitsthemen des EU-Committees sind breit gefächert und decken die zentralen Herausforderungen und Chancen des öffentlichen Verkehrs ab. Ein Schwerpunkt liegt auf der Förderung nachhaltiger Mobilität und der Reduktion von CO₂-Emissionen, um die Klimaziele der EU zu unterstützen und umweltfreundliche Verkehrskonzepte voranzutreiben. Gleichzeitig beschäftigt sich das Komitee intensiv mit Digitalisierung und Innovation im Verkehrssektor, etwa durch die Einführung intelligenter Verkehrssysteme, digitaler Fahrgastinformationsdienste, neuer Ticketing-Lösungen oder datenbasierter Planungstools, die die Effizienz und Attraktivität des öffentlichen Verkehrs steigern. Barrierefreiheit, Inklusion und soziale Teilhabe zählen ebenfalls zu wichtigen Themen, wobei Strategien entwickelt werden, um Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen einen gleichberechtigten Zugang zu Verkehrsdienstleistungen zu ermöglichen. Darüber hinaus nimmt die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs auf europäischer Ebene einen zentralen Platz ein: Das Komitee analysiert EU-Förderprogramme, politische Initiativen und Investitionsmöglichkeiten, gibt Empfehlungen für deren Nutzung und unterstützt die Mitglieder bei der Umsetzung geeigneter Finanzierungsstrategien. Auch Sicherheit, Fahrgastschutz, Resilienz und Zuverlässigkeit des Verkehrsnetzes sowie die Harmonisierung von technischen und betrieblichen Standards sind feste Bestandteile der Arbeit, ebenso wie die Förderung von Kooperationen zwischen Städten, Regionen und Verkehrsunternehmen, um Synergien zu nutzen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Beispiel Working Group „Competitiveness“

Bei der UITP bezeichnet „Competitiveness“ (Wettbewerbsfähigkeit) einen strategischen Bereich, der sich damit beschäftigt, wie der öffentliche Verkehr effizienter, wirtschaftlich tragfähiger und attraktiver im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln werden kann. Ziel ist es, die Position des öffentlichen Verkehrs auf dem Mobilitätsmarkt zu stärken und gleichzeitig Innovation, Qualität und Kosteneffizienz zu fördern.

Im Detail umfasst der Bereich Competitiveness bei der UITP unter anderem:

  • Effizienzsteigerung von Verkehrsunternehmen: Entwicklung von Best Practices zur Optimierung von Betriebsabläufen, Kostenmanagement und Ressourceneinsatz. 
  • Wettbewerbsfähige Angebote für Fahrgäste: Verbesserung von Servicequalität, Pünktlichkeit, Komfort, Tarifen und digitalen Angeboten, um den öffentlichen Verkehr für die Nutzer attraktiver zu machen. 
  • Markt- und Politikstrategien: Analyse von regulatorischen Rahmenbedingungen, Ausschreibungen und Wettbewerbssituationen, um Verkehrsunternehmen in ihrer Position gegenüber privaten Mobilitätsanbietern zu unterstützen. 
  • Innovation und technologische Entwicklung: Förderung neuer Konzepte wie Mobility as a Service (MaaS), digitale Ticketing-Lösungen, intelligente Verkehrssteuerung und nachhaltige Fahrzeugtechnologien, die Effizienz und Attraktivität erhöhen. 
  • Benchmarking und Leistungskennzahlen: Aufbau von Vergleichsdaten zwischen Städten und Unternehmen, um Stärken und Verbesserungsbereiche zu identifizieren und gezielt Maßnahmen abzuleiten. 

EU Advocacy der UITP

Die Kernaufgaben von EU Advocacy umfassen die politische Lobbyarbeit, also die aktive Kontaktaufnahme und den kontinuierlichen Dialog mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und weiteren Institutionen, um die Perspektive des öffentlichen Verkehrs einzubringen. Dazu gehört auch die Erstellung von Stellungnahmen, Positionspapieren, Leitfäden und Empfehlungen zu aktuellen EU-Politiken, etwa in den Bereichen Klimaschutz, nachhaltige Mobilität, Digitalisierung, Finanzierung oder regulatorische Rahmenbedingungen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Koordination und Konsensbildung, indem die UITP sich mit Mitgliedern, Verbänden und Partnerorganisationen abstimmt, um gemeinsame Positionen zu entwickeln, die gegenüber den EU-Institutionen vertreten werden. Zudem umfasst die Arbeit die Informations- und Wissensvermittlung durch die Bereitstellung von Analysen, Updates und Hintergrundinformationen zu EU-Initiativen, Förderprogrammen und Gesetzgebungsverfahren, sodass Mitglieder fundierte Entscheidungen treffen können. Schließlich gehört zur EU Advocacy auch die Förderung strategischer Projekte, indem Initiativen und Pilotprojekte auf EU-Ebene unterstützt werden, die Innovation, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit im öffentlichen Verkehr voranbringen.

Weitere Informationen finden Sie hier: uitp.org/advocacy-eu-policy

Logo mit den Buchstaben 'UITP' in Großbuchstaben, umgeben von mehreren farbigen, gebogenen Linien, daneben der Text 'ADVANCING PUBLIC TRANSPORT' in Großbuchstaben.
© UITP

Förderprogramme und Projektunterstützung

Die UITP bietet einen Überblick über EU‑Finanzierungs‑ und Fördermöglichkeiten, die lokalen öffentlichen Verkehrsunternehmen in Europa zur Verfügung stehen, um wichtige Investitionen umzusetzen und die Mobilität nachhaltiger, digitaler und effizienter zu gestalten. Auf der entsprechenden Seite werden die Architektur des EU‑Haushalts und zentrale Finanzierungsinstrumente erklärt, darunter sowohl nicht‑ rückzahlbare EU‑Zuschüsse, Finanzierungsinstrumente der Europäischen Investitionsbank und Mittel aus dem mehrjährigen Finanzrahmen (Multiannual Financial Framework) als auch Programme wie der Connecting Europe Facility (CEF) Transport, der Innovation Fund, das Recovery and Resilience Facility (RRF), Horizon Europe und weitere Fördertöpfe, die Investitionen in Infrastruktur, Fahrzeugflotten, Digitalisierung, Klima‑ und Energiethemen unterstützen. Die Seite dient als Wissens‑Hub für Fördermöglichkeiten, bietet eine interaktive EU‑Fördertabelle und zeigt, wie diese Mittel zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs genutzt werden können. Einen genauen Einblick in diese Förderlandschaft ist hier zugänglich: https://www.uitp.org/eu‑funding‑opportunities‑for‑public‑transport/.

Auf der Projekte‑Seite der UITP werden zahlreiche Forschungs‑ und Innovationsprojekte vorgestellt – häufig in Zusammenarbeit mit EU‑Institutionen, Städten, Verkehrsunternehmen und Forschungspartnern. Diese Projekte greifen zentrale Fragestellungen der Mobilität auf und entwickeln praxisnahe Lösungen für drängende Herausforderungen im öffentlichen Verkehr, etwa Klimaneutralität, Nachhaltigkeit, automatisierte Mobilität, intelligente Daten‑ und Verkehrssteuerung sowie inklusive Verkehrsangebote. 

Ein zentrales Beispiel ist das SHOW‑Projekt (Shared automation Operating models for Worldwide adoption), bei dem in über 20 europäischen Städten autonome Fahrzeuge in bestehende Verkehrsnetze, On‑Demand‑Dienste und Mobility‑as‑a‑Service‑Angebote integriert wurden, um die Potenziale automatisierter Mobilität im urbanen Kontext praktisch zu demonstrieren. Ein weiteres Projekt ist AI4CCAM, das sich mit der Entwicklung vertrauenswürdiger KI‑basierter Modelle und Tools für autonome Systeme befasst, um Sicherheit und Akzeptanz von automatisierten Fahrzeugen vor allem im Umgang mit Fußgängerinnen und Fußgängern, Radfahrerinnen und Radfahrern und anderen schwächeren Verkehrsteilnehmenden zu verbessern. Darüber hinaus arbeiten Akteurinnen und Akteure im Projekt ULTIMO daran, die Grundlagen für wirtschaftlich tragfähige, nutzerorientierte automatisierte Fahrzeugflotten zu schaffen, und im Projekt R2DATO wird die Automatisierung von Bahn‑ und Straßenbahnbetrieb untersucht. Diese und weitere Initiativen bündeln internationale Expertise, testen neue Technologien in realen Situationen und liefern übertragbare Erkenntnisse, die Städte und Verkehrsunternehmen bei der Gestaltung vernetzter, automatisierter Mobilität unterstützen.

Eine detaillierte Übersicht ist hier zu finden: https://www.uitp.org/projects/

Kommende Veranstaltungen 2026

Der World Public Transport Day ist ein neu eingeführter internationaler Aktionstag, der 2026 am 17. April stattfindet und die zentrale Bedeutung des öffentlichen Verkehrs für Menschen, Städte, Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt stellt. Er wurde von der UITP gemeinsam mit Partnern aus aller Welt ins Leben gerufen, offiziell bei den Vereinten Nationen vorgestellt und ist Teil der UN Decade of Sustainable Transport. Ziel des Tages ist es, die vielen Wege und Verbindungen zu feiern, die öffentliche Verkehrsmittel täglich ermöglichen – von der Fahrt zur Arbeit über den Weg zur Schule bis zu spontanen Ausflügen – und zugleich Bewusstsein für die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile des öffentlichen Verkehrs zu schaffen. Beteiligte Organisationen und Verkehrsakteurinnen und -akteure auf sechs Kontinenten werden den Tag mit eigenen lokalen Aktionen, Veranstaltungen an Haltestellen, in Schulen oder über digitale Kampagnen begleiten, um Menschen und Entscheidungstragenden auf die Rolle des öffentlichen Verkehrs aufmerksam zu machen. Weitere Informationen und Materialien zur Teilnahme sind auf der offiziellen Website: https://worldpublictransportday.com/ hinterlegt.

Am 23. Juni 2026 findet in Brüssel (Belgien) ein reguläres Treffen des EU Committee der UITP statt, bei dem Vertreterinnen und Vertreter von Verkehrsunternehmen, Behörden und Expertinnen und Experten aus dem öffentlichen Verkehr zusammenkommen, um zentrale EU‑politische Entwicklungen und Prioritäten für den Sektor zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei aktuelle gesetzgeberische und finanzielle Themen auf EU‑Ebene, zu denen auch Empfehlungen an die EU‑Institutionen gehören, wie etwa Forderungen nach stabiler Finanzierung für öffentlichen Verkehr, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und die Stärkung von Fahrgastrechten – basierend auf den jüngsten sektorbezogenen Positionspapieren und Empfehlungen der UITP für die EU‑Ratspräsidentschaft und andere politische Prozesse.

Am 24. Juni 2026 findet in Brüssel, Belgien, ein wichtiges UITP Europe Division Event statt, das Fachleute und Entscheidungstragende aus dem öffentlichen Verkehrssektor zusammenbringt, um aktuelle Herausforderungen und Strategien für Innovation, Politik und Praxis im öffentlichen Verkehr in Europa zu diskutieren. Im Rahmen dieses Treffens stehen zentrale Aspekte wie Personal‑ und Kompetenzentwicklung, organisatorische Exzellenz sowie die Stärkung der Leistungsfähigkeit von Verkehrsunternehmen im Fokus, ergänzt durch Austausch zu EU‑politischen Entwicklungen und Fördermöglichkeiten, die für die Mobilitätslandschaft in Europa relevant sind. 

Weitere Details und Informationen zu diesen Aktivitäten sind hier einsehbar: https://www.uitp.org/events/

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Porträt von Dr. Nadine Teusler, Netzwerkmanagerin, mit Brille und schwarzem Blazer, freundlich lächelnd vor verschwommenem Hintergrund.

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