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Collage aus Fotos von modernen Binnenhäfen mit Containerschiffen, Kränen und Lagerhallen bei Tages- und Abendlicht
KI-generiert mit perplexity

Vorbereitung der Binnenhäfen auf automatisierte Binnenschifffahrt

| Michael Seifert und Cyril Alias

Die Automatisierung der Binnenschifffahrt ist ein zentrales Thema in der modernen Logistik und Verkehrswirtschaft. Das Forschungsvorhaben RAIN (kurz für "Inland Ports‘ Readiness for Automated Inland Navigation"), das sich mit der Vorbereitung der Binnenhäfen auf die Automatisierung der Binnenschifffahrt beschäftigt, zielt darauf ab, die Reaktionsmöglichkeiten der Binnenhäfen für automatisierte Schiffe zu untersuchen und geeignete Handlungsoptionen zu ermitteln.

Das Hauptziel des Forschungsvorhabens RAIN ist es, die Herausforderungen für Deutschlands Binnenhäfen zu identifizieren, die sich für diese aus der Automatisierung der Binnenschifffahrt ergeben, und geeignete Reaktions- und Vorbereitungsmöglichkeiten zu entwickeln. Dies geschieht durch eine hafenzentrierte Betrachtung, die bisher in der Forschung unterrepräsentiert war. Die Studie, die zum Projektabschluss veröffentlicht wird, gibt Entscheidungsträgern aus der Hafenwirtschaft, dem Schifffahrtsgewerbe und der Politik Handlungsempfehlungen an die Hand geben, um die Entwicklung der Automatisierung in der Binnenschifffahrt zu unterstützen und die Kohärenz mit der Entwicklung der Binnenhäfen sicherzustellen.

Mehr Effizienz und Sicherheit

Die Automatisierung der Binnenschifffahrt ist Teil eines größeren Trends hin zu automatisierter und vernetzter Mobilität. Diese Entwicklung zielt darauf ab, die Effizienz zu steigern, die Sicherheit zu erhöhen, den Gütertransport umweltfreundlicher zu gestalten und sich den Herausforderungen einer veränderten Gesellschaft unter anderem im Sinne des Arbeits- und Fachkräftemangels zu stellen. Im Kontext der Binnenschifffahrt bedeutet dies, dass Schiffe zunehmend automatisiert oder ferngesteuert betrieben werden könnten, woraus sich neue Anforderungen an die Infrastruktur und den Betrieb der Binnenhäfen ergeben.

Das Forschungsvorhaben RAIN fokussierte sich auf die notwendigen landseitigen Anpassungen, um diese neuen Technologien effektiv zu integrieren, und adressiert dabei vielfältige Aspekte. Im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung liefert es wertvolle Erkenntnisse zur Integration von automatisierten Schiffsoperationen in die Hafeninfrastruktur. Diese Erkenntnisse können in weiteren Forschungsprojekten genutzt werden, um die Automatisierung weiter voranzutreiben.

Fünfeck-Diagramm mit fünf farbigen Kreisen in der Mitte, umgeben von konzentrischen Ringen mit Texten zu Marktmechanik, Regulierung und Autonomie.
© Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme e. V. (DST)

Szenarien für den Hafen der Zukunft

RAIN nutzt eine Kombination aus technologischen, organisatorischen und ökonomischen Perspektiven, um die Herausforderungen der Automatisierung zu bewältigen. Die zentrale wissenschaftliche Untersuchungsmethode ist die Szenariotechnik, die verschiedene Zukunftsszenarien entwickelt und analysiert, um Handlungsempfehlungen abzuleiten. Szenarien sind dabei in sich konsistente und kohärente Zukunftsbilder bzw. Ausprägungen verschiedener Einflussfaktoren, welche möglich, aber nicht zwangsläufig gewünscht, erwartet oder am wahrscheinlichsten sind. Diese Szenarien berücksichtigen unterschiedliche Automatisierungsgrade und ihre Auswirkungen auf die Hafeninfrastruktur und -betriebe.

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die Komplexität des Systems Wasserstraße zu berücksichtigen, das aus vielen interdependenten Teilsystemen besteht. Zudem müssen rechtliche, organisatorische und gesamtwirtschaftliche Anpassungen koordiniert werden, um eine effektive Integration der Automatisierung zu gewährleisten. Die heterogene Infrastruktur der deutschen Binnenhäfen stellt eine weitere Herausforderung dar, da sie unterschiedliche Anpassungsbedarfe erfordert.

Das Konsortium

RAIN wird von einem Konsortium durchgeführt, das den Bundesverband Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) mit Sitz in Berlin, das Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme e. V. (DST) aus Duisburg und das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) umfasst. Diese Partner bringen unterschiedliche Kompetenzen ein, die für die umfassende Bearbeitung des Themas notwendig sind. 

Der BÖB vertritt die Interessen der öffentlichen Binnenhäfen in Deutschland und bringt somit ihrer spezifischen Herausforderungen sowie ein breites Netzwerk von Praxisakteuren, Entscheidungsträgern und anderen Organisationen, etwa dem Verein für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e. V. (VBW), in das Forschungsvorhaben ein. 

Das DST deckt durch seine langjährige Erfahrung in der überwiegend technischen Forschung und Entwicklung im Bereich der Binnenschifffahrt und Binnenhäfen und seiner traditionell synoptischen Betrachtung des Systems Wasserstraße sowie durch seine Versuchszentren wie VeLABI und HaFoLa technische und infrastrukturelle Aspekte ab. Abschließend bringt das ISL seine Expertise in der Verkehrswirtschaft und seine Erfahrung im Wissenstransfer sowie seine umfassenden Fachkenntnisse in den Bereichen maritime Märkte, Transportkettenoptimierung und Digitalisierung ein.

Die Kernergebnisse des Projekts im Überblick

  • Wissenschaftliches Kompendium & Handlungsempfehlungen: Zusammenführung aller Ergebnisse in einem praxisnahen Nachschlagewerk, das Binnenhäfen als strategische Entscheidungsgrundlage dient.
  • Identifikation von Handlungsfeldern: Systematische Erfassung aller durch die Schiffsautomatisierung betroffenen Bereiche an Land – von der Hafentechnologie über logistische Schnittstellen bis hin zu operativen Abläufen. 
  • Zukunftssichere Investitions- und Personalplanung: Konkrete Hilfestellungen für Hafenbetreiber, um notwendige Anpassungen bei Infrastrukturinvestitionen sowie in der Aus- und Weiterbildung frühzeitig zu planen.
  • Rechtsgutachten zu regulativen Handlungsempfehlungen

Hafen- und Terminalbetreiber sowie das Schifffahrtsgewerbe profitieren von den Handlungsempfehlungen, die ihnen helfen, die nächsten Entwicklungsschritte in der Automatisierung zu verfolgen, Investitionen strategisch zu planen und ihre Betriebe zukunftsfähig zu gestalten. Zudem sollen dem Gesetz- und Verordnungsgeber Handlungsempfehlungen gereicht werden, um den dafür nötigen rechtlichen Rahmen für eine zukünftige positive Entwicklung zu etablieren. Durch die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Häfen kann das Forschungsvorhaben zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Sicherung bestehender beitragen. Zudem fördert es eine nachhaltigere und effizientere Logistik und kommt somit der gesamten Gesellschaft zugute.

Die Erkenntnisse werden in einem Kompendium zusammengefasst, das als Entscheidungshilfe für die Branche dienen soll. Langfristig soll das Forschungsvorhaben zur Stärkung der deutschen Binnenhäfen beitragen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Logistikstandorts Deutschland erhöhen. Zudem bietet es eine Grundlage für zukünftige Forschungsprojekte, die sich mit der Automatisierung und Vernetzung in der Binnenschifffahrt beschäftigen. Das Kompendium und einen Projektüberblick erschien vor Kurzem auf der Projektwebseite des Bundesverbands der Öffentlichen Binnenhäfen.

Zusammenfassung

Insgesamt leistet das Forschungsvorhaben RAIN einen essentiellen Beitrag zur zukunftsfähigen Gestaltung der Binnenschifffahrt und ihrer Infrastruktur. Die enge Zusammenarbeit von Forschung, Wirtschaft und Politik schafft eine wichtige Grundlage, um die mit der Automatisierung verbundenen Herausforderungen zu bewältigen und die deutsche Binnenhafenwirtschaft nachhaltig zu stärken.

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Porträt von Tim Rehbronn mit Brille, kurzen braunen Haaren in einem weißen Hemd vor grauem Hintergrund.

Tim Rehbronn

Wissenschaftliche Mitarbeit und Arbeitskreis Wasser +49 241 80 28488