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Norwegische Flagge auf einem Fahnenmast vor Berg- und Seelandschaft mit blauem Himmel und Wolken.
© Peaktural photo auf pixabay

Spotlight Norwegen - Projekte und Unternehmen beim innocam.STAMMTISCH

| David Haberle und Matthis Hötter, innocam.NRW

In unserem Online-Veranstaltungsformat, dem innocam.STAMMTISCH, haben wir am 28.10.2025 einen internationalen Perspektivenaustausch vorgenommen und nach Norwegen geschaut. Unter dem Titel „Connected and Automated Mobility in Norway and NRW – CAM together“ stellten sich der norwegische Mobilitätscluster SAMS Norway sowie drei seiner Mitglieder vor. Zuvor gab Matthis Hötter, Innovationsmanager beim Kompetenznetzwerk innocam.NRW, einen kurzen Überblick über aktuelle Vorhaben in NRW.

Ähnlich wie innocam.NRW beschäftigt sich SAMS Norway verkehrsträgerübergreifend mit innovativen Lösungen für den Personen- und Warenverkehr. Für die Teilnehmenden des innocam.STAMMTISCH gab es daher spannende Einblicke in Projekte, die vom Cluster selbst initiiert oder koordiniert werden. Anschließend präsentierten mit Kobla, Hyke und Zeabuz drei norwegische Unternehmen ihre Lösungen für Mobilitätsmanagement, innovative Personenfähren im städtischen Bereich sowie deren automatisierte Steuerung.

SAMS Norway: Innovationen für nachhaltige Mobilität

SAMS Norway ist ein Innovationscluster, das sich seit 2018 für nachhaltige, vernetzte und kollaborative Mobilität einsetzt. Dabei reicht das Betätigungsfeld von der Logistik bis zur ländlichen Mobilität sowie vom Personenverkehr bis zur Stadtplanung und dem Lieferverkehr. Eine Besonderheit in Norwegen ist, dass die Wassermobilität immer eine zentrale Rolle spielt – sei es für den Personen- oder Gütertransport.

Innerhalb dieses Themenspektrums bietet SAMS Norway seinen Mitgliedern Reskilling- und Upskilling-Programme sowie Seminare für Business Modelling von digitalen Services an und initiiert eigene Projekte. Drei davon wurden beim innocam.STAMMTISCH vorgestellt:

Projekt 1: Autonome Prozesse im Busterminal

Gemeinsam mit der finnischen Partnerorganisation VAMOS Ecosystem entwickelte SAMS Norway eine automatisierte Flottenmanagementlösung in Busterminals. Die Stationen für Reinigungs- oder Ladevorgänge werden selbstständig angesteuert, sodass Personal nur noch für das Fahren mit Passagieren benötigt wird. Dabei wurde deutlich: Potenziale im ruhenden Verkehr und abgegrenzten Bereichen werden oft unterschätzt. Weiterführende Informationen finden Sie unter:
Vamos – Autonomous Mobility in Smart Spaces

Projekt 2: Near-Shore-Logistik mit autonomer Fähre

Eine autonome Fähre transportiert Sattelauflieger zwischen zwei Lagern. Autonome elektrifizierte Zugmaschinen (Terminal tractors) be- und entladen die Fähre, während nur die Auflieger transportiert werden. 

Solche Systeme haben u.a. den Vorteil, dass das Fahrpersonal der Sattelschlepper für deutliche kürzere Strecken benötigt werden und Kosten eingespart werden können. Im norwegischen Projekt muss dadurch ein Fjord nicht mehr umfahren werden, wie auf dem folgenden Video verdeutlicht wird: ASKO Maritime Emission free battery electric autonomus transportchain - YouTube

Projekt 3: Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit autonomer Güterschiffe

Wie können kleinere, automatisierte Schiffe die Flexibilität im Gütertransport erhöhen, die große Containerschiffe nicht bieten? 

Dieser Frage geht SAMS Norway in Kooperation mit schwedischen Partnern nach dabei. Dabei wird auch erforscht, wie automatisierte Güterschiffe durch schnelles Umschlagen und Systemoffenheit wettbewerbsfähiger werden können. Laut Eja Tuominen von SAMS Norway, sei es derzeit offen, ob man Fracht mittels Container oder Sattelauflieger flexibler, schneller, resilienter umgeschlagen könne. Eine zentrale Herausforderung beim Umschlagen der Fracht liegt jedenfalls in der Zwischenlagerung in Häfen. Damit Transparenz geschaffen und Wartezeiten reduziert werden können, muss der Datenaustausch zwischen Transportsystemen optimiert werden.

Weiterführende Informationen finden Sie unter: https://www.sams-norway.no/cargo-express

Stilisierte Stadtkarte mit Fluss, Straßen, Gebäuden, Bäumen und einer grünen, lachenden Standortmarkierung mit Armen.
Illustration Kobla für Kommunen © Kobla AS

Kobla: Gamification für nachhaltige Mobilität

Kobla ist eine Plattform, die vier integrierte Mobilitätslösungen bietet:

  1. Die Mobility Campaign ist ein Tool für Kommunen, die aktive Mobilität (z. B. Radfahren) durch Gamification fördern möchten. Die Einführung neuer Verkehrsinfrastruktur erfordert in der Regel eine gewisse Zeit, bis diese angenommen und im gewünschten Ausmaß genutzt werden wird. Mobilitätskampanien in der App sollen diesen Prozess beschleunigen, in dem die Nutzung bestimmter Mobilitätsformen oder Mobilitätsangebote belohnt werden. Dieser Gamification-Ansatz spielt auch in den weiteren Kobla-Anwendungen eine wichtige Rolle.
  2. Der Mobility Planner integriert u.a. Carsharing, Bike-Sharing und Parkangebote. Nutzer:innen erhalten Bonuspunkte oder Rabatte für nachhaltige Routen. 
  3. Die Analyse der Mobilitätsdaten ist laut Ole Liabø ein besonders oft gefragtes Tool. Kommunen können die Plattform nutzen, um Nutzer:innen über ihr Mobilitätsverhalten und Straßenbedingungen zu befragen. Die freiwillig geteilten und anonymisierten Daten können u.a. von Kommunen genutzt werden, bspw. für die Instandhaltungsplanung der Verkehrswege, sind aber auch für die Verkehrserhebung bzw. -forschung von Interesse.
  4. Wie ein Tourist Guide soll die App von Kobla Touristen mittels Gamification lenken, in dem nachhaltigen Wege gefördert werden. Die App zeichnet sich durch die Integration von Daten in die App sowie aus der App aus. So lassen sie sich auch in bestehende Smart-City-Portale integrieren.[LP1] [DH2] 

Eine zentrale Erkenntnis der Vorstellung von Kobla ist, dass große Potenziale für die Datenerhebung über den Weg der Freiwilligkeit bestehen. Gamification ist daher ein wichtiger Ansatz, der ermöglichen kann, dass Nutzerinnen und Nutzer freiwillig anonymisierte Informationen über ihre Reise bzw. Route bereitstellen.

Weiterführende Informationen zu Kobla finden Sie hier: www.kobla.no

Modernes, langgestrecktes Passagierboot mit großen Panoramafenstern auf ruhigem Wasser vor Küstenlandschaft, seitlich sieht man die Aufschrift "hyke".
Fähre © Hye / Eker Group

Hyke: Elektrofähren für die Stadt der Zukunft

Hyke entwickelt elektrische Fähren für den Pendlerverkehr in Städten. Die Schiffe agieren im Niedriggeschwindigkeitsbereich und zeichnen sich durch ihre leichte und modulare Bauweise sowie ihren energieeffizienten Betrieb aus. Sämtliche Eigenschaften der Schiffe sollen der maximalen Auslastung dienen. Dazu gehört die Möglichkeit, mit nur einmal Aufladen das Auslangen für ein vollen Tag im Pendelverkehr zu finden sowie abseits der Stoßzeiten auch den Transport von Lastenrädern, welche in der Letzte-Meile-Logistik eingesetzt werden zu ermöglichen.

Technologisch setzt Hyke auf die Hyke® SensePro & SmartSearch-Technologie, die für Situationsbewusstsein und präzise Navigation sorgt. Die Schiffe sind „autonomy-ready“ – das bedeutet, dass bereits bei der Konstruktion die Platzierung von Sensoren und deren Wirkungsfeld berücksichtigt wird, um eine spätere Automatisierung zu ermöglichen.

Weitere Informationen zu Hyke finden sie hier: https://hykeelectricferries.com 

Zeabuz: Autonome Steuerungssysteme für die Schifffahrt

Zeabuz spezialisiert sich auf maritime autonome Lösungen und bietet Steuerungssysteme für Schiffe verschiedener Größen an – von Passagiershuttles bis zu Autofähren. Ein Meilenstein des Unternehmens ist die weltweit erste autonome kommerzielle Passagierfähre in Stockholm, die seit Sommer 2023 von Torghatten/Zeam betrieben wird. Auch im Bereich der Fernsteuerung kann Zeabuz bereits erfolgreiche Anwendungsfälle vorweisen. 

Die Lösungen von Zeabuz umfassen:

  • Sensorfusion für Situationsbewusstsein: Integration von Daten aus verschiedenen Sensoren, um die Umgebung des Schiffes zu erfassen und den Verkehr zu verfolgen.
  • Autonome Navigation: Kollisionsvermeidung, Auto-Docking und automatisierte Transitfahrten.
  • Schiffsbewegungssteuerung: Station-Holding, Joystick-Steuerung, Autopilot und Trackpilot.
  • AutoRemoteOperations: Remote-Steuerung, Überwachung und Flottenkoordination.

Eine Besonderheit der Zeabuz-Systeme ist ihre Redundanz und Unabhängigkeit von Konnektivität. Die Systeme sind so konzipiert, dass sie auch ohne Internetverbindung funktionstüchtig agieren können. Die automatisierte Steuerung und die manuelle Steuerung nutzen zudem dasselbe Interface, sodass ein nahtloser Wechsel möglich ist. 

Ziele der Technologie:

  • Sicherheit und Komfort für Betreiber durch verbessertes Situationsbewusstsein und automatische Kollisionsvermeidung.
  • Kosteneinsparungen durch Optimierung der Transitgeschwindigkeit und Integration mit Routenberatungssystemen.
  • Remote-Überwachung und Backup-Steuerung für eine effizientere Flottenverwaltung.

Vollständig unbemannte Fähren, die remote gesteuert werden, sind zwar das langfristige Ziel, doch aktuell liegt der Fokus darauf, bestehende Crews zu entlasten oder weniger erfahrenes Personal durch Remote-Unterstützung anleiten zu können.

Weitere Informationen zu Zeabuz finden sie hier: https://www.zeabuz.com

Fazit: gemeinsame Herausforderungen und übertragbare Lösungsansätze

Trotz der unterschiedlichen geografischen Ausgangslage zeigte der innocam.STAMMTISCH, dass es gemeinsame Herausforderungen in beiden Ländern sowie Angebote, die in beiden Ländern zur effektive Lösungsansätze darstellen können, gibt.

Alle drei norwegischen Unternehmen präsentierten Lösungen, die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr in Ballungsräumen aufzeigen, verbessern, oder ermöglichen können. 

Mit der Automatisierung in Busterminals hat SAMS Norway eine übertragbare Lösung vorgestellt, die für mehr Effizienz und Sicherheit sorgen kann.

Mit der Untersuchung der Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit kleinerer, automatisierter Güterschiffe geht man in Norwegen einer der zentralen Fragestellungen der Binnenschifffahrt in NRW nach. 

Weiter zu beobachten werden auch die Erfahrungen beim automatisierten und vernetzten Umschlagen von Fracht an Hafenterminals sein. 

Wir bleiben für Sie dran! 

Vielen Dank / tussen takk an unsere Referent:innen Eja Tuominen (SAMS Norway), Ole Liabø (Kobla), Halvor Vislie (Hyke) und Øyvind Smogeli (Zeabuz) für die spannenden Einblicke!

Ausblick: Ideen gesucht!

Der innocam.STAMMTISCH zeigte: Innovation entsteht im Austausch. Sie haben ein anderes spannendes Projekt oder Studienergebnisse, die Sie gerne bei einem Stammtisch vorstellen möchten, oder Sie würden gerne mehr über ein Thema oder eine Fragestellung erfahren? Dann melden Sie sich einfach über info@innocam.nrw, wir freuen uns über Vorschläge und Ideen!

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Portrait David Haberle „Porträtfoto lächelnd mit kurzem, nach hinten gestyltem rötlich-blondem Haar und gepflegtem Bart. Er trägt ein weißes Hemd und ein dunkles Sakko. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt helle, moderne Architektur.“

David Haberle

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