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Fahnen mit der Aufschrift 'HOLM' und 'HOUSE OF LOGISTICS AND MOBILITY' vor einem modernen Gebäude mit vertikalen roten und weißen Fassadenelementen.
© Julien Rombourg

Warum Kommunen sich mit C-ITS befassen sollten

| Julien Rombourg, innocam.NRW

Vernetzt, sicher, zukunftsfest: Ob grüne Welle für den ÖPNV oder Schutz von Einsatzkräften – kooperative Verkehrssysteme sind der Schlüssel zur Mobilitätswende. Angesichts neuer Funkstandards und EU-Harmonisierung wird der rechtzeitige Umstieg für Kommunen und Verkehrsbetriebe zur Pflichtaufgabe.

Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch, automatisiert, geteilt und vor allem eins: vernetzt. Kooperative Intelligente Verkehrssysteme (C-ITS, für englisch: Cooperative Intelligent Transport Systems) sind kein futuristisches „Nice-to-have“, sondern ein integraler Bestandteil der langfristigen Strategie für das Verkehrssystem.

Auf dem diesjährigen C-ITS Forum zum Thema „Vernetzt. Sicher. Harmonisiert.“ kamen am 11. und 12.02.2026 Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Forschung im House of Logistics & Mobility (HOLM) zusammen, um sich zu den Fortschritten, Erfahrungen und anstehenden Entwicklungen auszutauschen.

Für Infrastrukturbetreiber geht es dabei um mehr als nur Technik. Es geht um die Erreichung strategischer Ziele im Verkehrssektor. Im Rahmen der Veranstaltung wurden dabei vor allem Sicherheitsaspekte, sowie solche zur Verbesserung der Effizienz im Verkehr, hervorgehoben.

Im Rahmen ihrer Verantwortung für die Verkehrsinfrastruktur stehen insbesondere  Kommunen aufgrund der anstehenden Neuordnung der Frequenzbänder durch die „Abschaltung“ analoger Funkfrequenzen unter Handlungsdruck. Frequenzverlängerungen werden, wenn überhaupt, nur noch in Ausnahmefällen und für eine Übergangszeit möglich sein. Der rechtzeitige Umstieg auf moderne digitale Systeme ist daher unumgänglich. Wer heute also in die Mobilitätsinfrastruktur investiert, sollte diese daher zukunftssicher, interoperabel und vernetzt denken.

C-ITS im Einsatz – Mehrwerte durch Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur

Eine für C-ITS ausgerüstete Infrastruktur ist weit mehr als eine Lösung für Einzelfälle. Sie bildet die Grundlage für eine ganze Bandbreite an Anwendungen. Um den konkreten Nutzen für die Mobilität der Zukunft zu verdeutlichen, werden einige zentrale Dienste hier skizziert. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet detaillierte Übersichten zu EU-weit harmonisierten Anwendungen, Nachrichtenprofilen und Spezifikationen auf den Webseiten von C-Roads oder des CAR 2 CAR Communication Consortiums.

Moderne C-ITS Dienste verfolgen zwei Hauptziele: Sie haben das Potential die Verkehrssicherheit zu verbessern und den Verkehrsfluss effizienter zu gestalten. Vernetzte Infrastruktur und Verkehrsteilnehmende warnen sich untereinander vor Gefahrenstellen, verteilen Informationen und vermeiden damit frühzeitig kritische Situationen und bieten eine wertvolle Grundlage zur Verkehrsbeeinflussung.

Ein Beispiel erfolgreicher C-ITS Einführung in Deutschland ist die im letzten Jahr abgeschlossene vollständige Umstellung der Flotte von Fahrbaren Absperrtafeln der Autobahn GmbH. Die insgesamt 1200 bei Tagesbaustellen eingesetzten Absperrtafeln sind in der Lage, den C-ITS-Dienst RWW (Roadworks Warning) umzusetzen. Die fahrbaren Absperrtafeln senden Warnmitteilungen direkt an herannahende vernetzte Fahrzeuge, machen die potenzielle Gefahrenstelle so frühzeitig (virtuell) sichtbar und tragen damit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie zum Schutz des Personals vor Ort bei.

Im Kontext von Einsatzkräften bietet der Dienst EVI (Emergency Vehicle Intervention) einen vergleichbaren Anwendungsfall. Die EVI warnt vor Notfalleinsätzen im Fahrbereich, indem sie eine Warninformation in die Fahrzeuge sendet und erhöht so die Sicherheit für Einsatzkräfte und andere Verkehrsteilnehmende. Ergänzt wird dies durch den C-ITS Dienst EVA (Emergency Vehicle Approaching), mit dem sich herannahende Einsatzfahrzeuge frühzeitig bei vernetzten Fahrzeugen ankündigen und so beispielsweise das rechtzeitige bilden einer Rettungsgasse anfordern können. Durch diese technologische Unterstützung werden Einsatzfahrten nicht nur sicherer gestaltet, sondern auch die Anfahrtszeiten entscheidend verkürzt, was im Ernstfall dazu beiträgt, Menschenleben zu retten.

Ergänzend zur reinen Warnung erlaubt beispielsweise der C-ITS-Dienst TSP (Traffic Signal Priority Request) Grünzeitanforderungen von Einsatz- und ÖPNV-Fahrzeugen an Lichtsignalanlagen. Somit ermöglicht der Einsatz von C-ITS auch hier schnellere Einsatzzeiten und verbesserte Verkehrssicherheit im Kreuzungsbereich. Auch für die kommunale Mobilitätswende ist TSP ein Schlüsselfaktor, insbesondere zur Beschleunigung des ÖPNV. Olaf Koch vom LSBG (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer der Freien und Hansestadt Hamburg) berichtete von seinen positiven Erfahrungen bei der Umsetzung und dem Nutzen für den ÖPNV in Hamburg. Die Einführung dieses Dienstes attraktiviert den Umweltverbund durch verkürzte Reisezeiten im ÖPNV und eine verbesserte Zuverlässigkeit der Busse und Bahnen auch dort, wo eine Bevorrechtigung bislang noch nicht umgesetzt werden konnte.

Eine weitere Möglichkeit zur Effizienzsteigerung, die C-ITS im Bereich von Lichtsignalanlagen bietet, ist GLOSA (Green Light Optimal Speed Advisory). Hier werden Informationen zu den anstehenden Grünphasen sowie zur optimalen Geschwindigkeit, um diese sicher zu erreichen, in die Fahrzeuge kommuniziert. Durch diese Informationen können unnötiges Abbremsen und Anfahren und die damit einhergehenden Emissionen vermieden werden.

Die genannten Anwendungsfälle verdeutlichen, wie C-ITS-Dienste das Verkehrssystem sicherer und effizienter machen. Und das Beste daran: Die aufgebaute Infrastruktur ist nicht nur für einen Dienst nutzbar, sondern kann für mehrere Anwendungen genutzt werden und zudem Synergien zwischen Ihnen bewirken. 

Städtischer Bus mit der Aufschrift 'C-ITS' fährt an einer Ampelkreuzung mit mehreren Fahrzeugen und Gebäuden im Hintergrund
Erstellt mir Unterstützung von KI (Nano Banana 2)

Eine harmonisierte, europäische C-ITS Landschaft für eine erfolgreiche Einführung

Um jedoch die Synergien und Potenziale auch flächendeckend zu heben, darüber bestand Einigkeit über die Vorträge hinweg, müsse die Technologie harmonisiert sein. Diese steht insbesondere in Europa im Vordergrund, auch um eine grenzüberschreitende Funktionalität sicherzustellen. Denn nur wenn ein Lkw, der eine Lieferung beispielsweise von Wien über Frankfurt nach Paris befördert, auch durchgehend die gleichen Nachrichtenformate von und Schnittstellen zur Infrastruktur vorfindet, kann dieser die C-ITS-Dienste zuverlässig nutzen. Dies sei insbesondere für den Europäischen Markt wertvoll, auch da man hier für die Nutzung von C-ITS ohnehin besser aufgestellt als in anderen Teilen der Welt. Ebendas könne auch Wettbewerbsvorteil sein, so C-Roads Generalsekretär Martin Böhm, immerhin sei C-ITS derzeit nur in Europa im operativen Betrieb.

Zum Fortschritt der europäischen Aktivitäten führte er aus, dass diese zunehmend an Fahrt aufnehme. Nachdem 2019 ein erster solcher Aufschlag in der Europäischen Kommission abgelehnt wurde, habe sich seinerzeit eine „Koalition der Willigen“ zur Aufgabe gemacht, dieses Thema aktiv voranzutreiben und zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten verschiedene Akteurinnen und Akteure an der Anwendung und Weiterentwicklung der Spezifikationen für C-ITS. So haben beispielsweise C-Roads und Car2Car sich früh um eine Kompatibilität ihrer Standards bemüht und diese seit geraumer Zeit (Release 1.3) sichergestellt. Entsprechend sind die Kommunikationswege noch nicht final, wohl aber die zu übermittelnden Inhalte standardisiert. Das vermeidet eine Fragmentierung des Marktes und ermöglicht einen reibungslosen Austausch zwischen den Fahrzeugen und mit der Infrastruktur. Die Verabschiedung von Spezifikationen zu C-ITS erwarte man auf europäischer Ebene im Jahr 2027, so Gabriele Boettcher vom Bundesministerium für Verkehr

Für die Umsetzung bedeutet eine solche Standardisierung und die damit einhergehenden klaren Vorgaben für Produkte und Dienste eine vergleichbare und prüfbare Sicherheitsqualität sowie planbare Kosten. Die Unsicherheit bezüglich der Kosten für die Ertüchtigung der Bestandsanlagen sei bislang, gemeinsam mit den zu wenig zugänglichen Praxiserfahrungen, relevante Hemmnisse der Einführung. Doch auch hier wurden praxisorientierte Hilfsmittel erarbeitet, die Kommunen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema C-ITS unterstützen. 

Grafik einer vernetzten Kreuzung mit Autos, Bus, Fahrrad, Fußgängern, Ampeln, Sensoren und einer Cloud zur Datenübertragung.
Erstellt mit Unterstützung von KI (Nano Banana 2)

C-ITS Landschaft: Kooperation bedarf eines Systems, an dem alle teilnehmen

Kooperation ist mehr als die Summe ihrer Teile. Jedoch setzt der kooperative Aspekt von C-ITS voraus, dass alle diese Teile auch im System abgebildet werden. 

Dazu gehört zum einen, die nötige Infrastruktur aufzubauen, zum anderen, diese zentral zusammenzuführen und so für alle nutzbar zu machen. Daher ist es wichtig, dass Kommunen, bei denen eine solche Infrastruktur vorhanden ist, diese auch bei den relevanten Plattformen wie C-Roads registrieren. Bei Fragen hinsichtlich des Vorgehens zur Eintragung der bei Ihnen verbauten Roadside Units (RSU) oder Onboard Units (OBU), kontaktieren Sie uns gern. Das zentrale Hinterlegen der C-ITS-Infrastruktur stärkt das europäische Ökosystem und macht die Dienste sichtbar, beispielsweise im TENtec Informationssystem der europäischen Kommission.

Darüber hinaus gilt es, auch alle am Verkehr Teilnehmenden in das System einzubinden. Auch die, die nicht in den klassischen Verkehrsmitteln des ÖPNV oder im Automobil sitzen. Insbesondere die vulnerablen Verkehrsteilnehmende (VRU, für englisch: Vulnerable Road Users) möchte man schützen, indem man sie früh mit einbezieht. 

So arbeiten die an der Technologieentwicklung beteiligten Personen und Organisationen bereits daran, zu Fuß Gehende und Radfahrende, beispielsweise über Mobilgeräte oder im Fahrrad oder Helm verbaute Technologie, im System digital sichtbar zu machen. Christian Cosyns von der Robert Bosch GmbH appelliert in einem Vortrag zu seiner Aktivität in der Coalition for Cyclist Safety an die involvierten Akteurinnen und Akteure, dass man diese Reise gemeinsam antreten solle, anstatt die verschiedenen am Verkehr Teilnehmenden nacheinander ins System zu integrieren. Wenn man das System von Beginn an für alle konzipiert, können Inkompatibilitäten oder andere Pfadabhängigkeiten vermieden und der Nutzen sowie die Nutzung der Technologien gestärkt werden. Erlebbare Vorteile, wie die verbesserte Sicherheit und die durch die Vernetzung mögliche Diebstahlsicherung, könne als Kaufargument dienen und die Marktdurchdringung mit V2X-fähigen Fahrzeugen unterstützen.

Durch solche greifbaren Mehrwerte steige auch das Bewusstsein für den Nutzen dieser Technologien, gerade im Bereich der Sicherheit. Aus diesem Grund fanden die für die C-ITS benötigten Technik auch Eingang in den Goldstandard der Fahrzeugindustrie: das EuroNCAP Rating. Dieses unabhängige Gütesiegel signalisiert höchste Sicherheitsstandards und beeinflusst weltweit Kaufentscheidungen. Nur wer diese Technologien im Fahrzeug integriert hat, kann im aktualisierten Rating die maximale Punktzahl erreichen und sich im Wettbewerb differenzieren. Auch dies wird die Durchdringung mit V2X-fähigen Fahrzeugen und somit auch der Fahrzeuge, die vom weiteren Ausbau von C-ITS profitieren, weiter verbessern.

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Portrait zeigt Julien Romburg vor einer Holzwand un einem lilafarbenden Hemd.

Julien Rombourg

Ansprechpartner Capacity-Building in Kommunen +49 202 439 1904