Eine für C-ITS ausgerüstete Infrastruktur ist weit mehr als eine Lösung für Einzelfälle. Sie bildet die Grundlage für eine ganze Bandbreite an Anwendungen. Um den konkreten Nutzen für die Mobilität der Zukunft zu verdeutlichen, werden einige zentrale Dienste hier skizziert. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet detaillierte Übersichten zu EU-weit harmonisierten Anwendungen, Nachrichtenprofilen und Spezifikationen auf den Webseiten von C-Roads oder des CAR 2 CAR Communication Consortiums.
Moderne C-ITS Dienste verfolgen zwei Hauptziele: Sie haben das Potential die Verkehrssicherheit zu verbessern und den Verkehrsfluss effizienter zu gestalten. Vernetzte Infrastruktur und Verkehrsteilnehmende warnen sich untereinander vor Gefahrenstellen, verteilen Informationen und vermeiden damit frühzeitig kritische Situationen und bieten eine wertvolle Grundlage zur Verkehrsbeeinflussung.
Ein Beispiel erfolgreicher C-ITS Einführung in Deutschland ist die im letzten Jahr abgeschlossene vollständige Umstellung der Flotte von Fahrbaren Absperrtafeln der Autobahn GmbH. Die insgesamt 1200 bei Tagesbaustellen eingesetzten Absperrtafeln sind in der Lage, den C-ITS-Dienst RWW (Roadworks Warning) umzusetzen. Die fahrbaren Absperrtafeln senden Warnmitteilungen direkt an herannahende vernetzte Fahrzeuge, machen die potenzielle Gefahrenstelle so frühzeitig (virtuell) sichtbar und tragen damit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sowie zum Schutz des Personals vor Ort bei.
Im Kontext von Einsatzkräften bietet der Dienst EVI (Emergency Vehicle Intervention) einen vergleichbaren Anwendungsfall. Die EVI warnt vor Notfalleinsätzen im Fahrbereich, indem sie eine Warninformation in die Fahrzeuge sendet und erhöht so die Sicherheit für Einsatzkräfte und andere Verkehrsteilnehmende. Ergänzt wird dies durch den C-ITS Dienst EVA (Emergency Vehicle Approaching), mit dem sich herannahende Einsatzfahrzeuge frühzeitig bei vernetzten Fahrzeugen ankündigen und so beispielsweise das rechtzeitige bilden einer Rettungsgasse anfordern können. Durch diese technologische Unterstützung werden Einsatzfahrten nicht nur sicherer gestaltet, sondern auch die Anfahrtszeiten entscheidend verkürzt, was im Ernstfall dazu beiträgt, Menschenleben zu retten.
Ergänzend zur reinen Warnung erlaubt beispielsweise der C-ITS-Dienst TSP (Traffic Signal Priority Request) Grünzeitanforderungen von Einsatz- und ÖPNV-Fahrzeugen an Lichtsignalanlagen. Somit ermöglicht der Einsatz von C-ITS auch hier schnellere Einsatzzeiten und verbesserte Verkehrssicherheit im Kreuzungsbereich. Auch für die kommunale Mobilitätswende ist TSP ein Schlüsselfaktor, insbesondere zur Beschleunigung des ÖPNV. Olaf Koch vom LSBG (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer der Freien und Hansestadt Hamburg) berichtete von seinen positiven Erfahrungen bei der Umsetzung und dem Nutzen für den ÖPNV in Hamburg. Die Einführung dieses Dienstes attraktiviert den Umweltverbund durch verkürzte Reisezeiten im ÖPNV und eine verbesserte Zuverlässigkeit der Busse und Bahnen auch dort, wo eine Bevorrechtigung bislang noch nicht umgesetzt werden konnte.
Eine weitere Möglichkeit zur Effizienzsteigerung, die C-ITS im Bereich von Lichtsignalanlagen bietet, ist GLOSA (Green Light Optimal Speed Advisory). Hier werden Informationen zu den anstehenden Grünphasen sowie zur optimalen Geschwindigkeit, um diese sicher zu erreichen, in die Fahrzeuge kommuniziert. Durch diese Informationen können unnötiges Abbremsen und Anfahren und die damit einhergehenden Emissionen vermieden werden.
Die genannten Anwendungsfälle verdeutlichen, wie C-ITS-Dienste das Verkehrssystem sicherer und effizienter machen. Und das Beste daran: Die aufgebaute Infrastruktur ist nicht nur für einen Dienst nutzbar, sondern kann für mehrere Anwendungen genutzt werden und zudem Synergien zwischen Ihnen bewirken.