Autobahnkreuz mit Vernetzungen


Aus unserem Blog • Von Rebekka Bracht • August 2021

Im Interview: Thomas Franta vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in NRW

Auch bei der Polizei NRW ist die automatisierte und vernetzte Mobilität ein Thema. Seit wann das so ist und was in Zukunft noch geplant ist, lesen Sie im Interview.

Herr Franta, vor einigen Wochen haben Sie den Prototypen eines vernetzten Streifenwagens der Öffentlichkeit präsentiert. Seit wann ist das Thema automatisierte und vernetzte Mobilität bei der Polizei NRW Thema?

Strategisch und in einzelnen Fachbereichen ist automatisierte und vernetzte Mobilität bereits seit einigen Jahren Thema bei der Polizei in NRW. Insbesondere durch eine landesweite Projektgruppe „Sicherung digitaler Fahrzeugspuren zur Verkehrsunfallaufnahme“  im Jahr 2017 gewann das Thema immer mehr an Bedeutung. Auch im Rahmen von bundesweiter Gremienarbeit befassen wir uns schon seit geraumer Zeit mit digitalen Daten. Mit der Einrichtung der Koordinierungsstelle Automotive IT (AIT) beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD NRW) im letzten Jahr verfolgen wir  einen systematischen, koordinierten und vor allem ganzheitlichen Ansatz, uns mit dem Thema automatisierter und vernetzter Mobilität zu befassen. 

Aktuell ist der Wagen ja noch ein Prototyp. Können Sie bereits sagen, wann der vernetzte Streifenwagen in Serie geht?

Unser Polizei-Testfahrzeug ist das Ergebnis der Verzahnung von IT, Technik und polizeilichen Ansprüchen. Es ist ein erster Schritt in die Richtung Streifenwagen der Zukunft. Aktuell befinden wir uns in einer Projektphase. Seit März 2021 ist die nordrhein-westfälische Polizei assoziiertes Mitglied beim Kooperationsverband KoMoDnext, dem Kooperativen Testfeld für Mobilität in Düsseldorf. Unter anderem wird in dem Projekt erforscht, wie die Verkehrsinfrastruktur für die Polizei beeinflusst werden kann, um Einsätze sowohl für die Polizei als auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer/-innen sicherer zu gestalten. In einigen Jahren könnte es möglich sein, für einen Polizeieinsatz die Ampeln auf Grün zu schalten, Straßenbahnen und Busse anzuhalten und Autofahrer/-innen innerhalb von Sekunden über ihr Display über den Polizeieinsatz zu informieren. Eine serienmäßige Einführung der Technik in unseren Funkstreifenwagen ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Ein erster Schritt ist aber zuerst der erfolgreiche Abschluss des Projektes KoMoDnext zum Ende dieses Jahres. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

Bei der Polizei müssen verschiedene Faktoren bei der Nutzung eines Fahrzeuges mit bedacht werden. Wer hat Ihnen bei Umsetzung dieses Prototyps geholfen und wie lange dauerte die Entwicklung?

Ingenieurinnen und Ingenieure, Softwarespezialisten und Polizistinnen und Polizisten forschen beim LZPD NRW zum Thema automatisiertes Fahren. In unserem bundesweit einmaligen Labor wird für die nordrhein-westfälische Polizei am Streifenwagen der Zukunft gearbeitet. Als Polizei ist es wichtig, die technische Entwicklung der aus Wirtschaft und Forschung vorangetriebenen Automotiven IT aktiv zu verfolgen, um die möglichen Auswirkungen auf die polizeiliche Arbeit frühzeitig bewerten zu können. Daher bringen wir uns schon jetzt als assoziierter Partner in das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur geförderte Testfeld für vollautomatisiertes Fahren – KoMoDnext – ein.

Eine wesentliche Rolle bei der Nutzung von vernetzten Polizeifahrzeugen nehmen die
IT-Sicherheit des Bordnetzes und der Datenschutz ein. Weiterhin sind wir als öffentliche Verwaltung an das Wirtschaftlichkeitsprinzip gebunden, was sich in der Regel auch auf die Beschaffung von Fahrzeugen auswirkt. Aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer der Funkstreifenwagen, also unserer Polizistinnen und Polizisten „auf der Straße“ ist es wichtig, einfache und intuitive Technik zu entwickeln und zu verbauen, die jede Polizeibeamtin und jeder Polizeibeamter ohne große Einweisung nutzen kann.

Neben den Projektpartnern des Projektes KoMoDnext, die uns zum Teil ihre prototypische Hardware sowie Know-how zur Verfügung gestellt haben, wurde die Sondersignalanlage von einer externen Firma angepasst. Dadurch wurde eine Schnittstelle zur Sendeeinheit (On-Board-Unit – OBU) über eine weitere Bedieneinheit aufgebaut. Die nötige Software der OBU, die die Zusammensetzung der C2X-Nachrichten und der Zertifikate übernimmt, wird ebenso von einer externen Firma geliefert.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Prototyps haben Sie auch mit dem Testfeld KoMoD zusammengearbeitet. Wie sah diese aus?

Das Projekt KoMoDnext ist in fünf verschiedene Use Cases gegliedert, die jeweils einen anderen Schwerpunkt in der Thematik vernetztes und automatisiertes Fahren behandeln. Mit dem Projekt des LZPD NRW, KoMoD-Polizei streben wir an, in allen fünf Use Cases mitzuwirken um möglichst viel Wissen zu generieren und Anforderungen der Polizei an die vernetzte Infrastruktur einfließen zu lassen. Ein Schwerpunkt war die Abstimmung der eingesetzten Technik, des Dateninhaltes sowie des Datenflusses. Folgende Anwendungsfälle wurden durch KoMoD-Polizei im Rahmen der Projektarbeit in KoMoDnext eingebracht:

  • Vernetzte Ampeln schalten bei Sonder- und Wegerechtsfahrten eine Grünphase und ermöglichen somit eine „grüne Welle“ für das Einsatzfahrzeug (Use Case C und D)
  • Digitale Schilder, vernetzt mit der Infrastruktur, teilen Informationen mit dem Autofahrer/der Autofahrerin. Hier kann auf Gefahrenstellen oder von der Polizei gesperrte Spuren hingewiesen werden. Eine entsprechende Warnung erscheint zum Beispiel in dem vernetzten Fahrzeug des Bürgers/der Bürgerin (Use Case A und B)
  • Automatisierte Fahrzeuge reagieren selbständig auf eine gesperrte Spur und führen selbständig einen Spurwechsel durch (Use Case E)

Erste Probefahrten im Testfeld stehen nun an. Damit wird die komplexe Arbeit mit den   Projektpartnern noch weiter intensiviert.

Die Polizei in NRW ist beim Thema automatisierte und vernetzte Mobilität Vorreiter – sogar deutschlandweit. Gibt es Bestrebungen, die in NRW gewonnenen Erkenntnisse auch auf andere Bundesländer oder sogar bundesweit auszurollen?

Als Landesoberbehörde ist das LZPD NRW in einem stetigen Austausch mit dem Ministerium des Innern des Landes NRW und den Kreispolizeibehörde.  Über die Gremienarbeit erfolgt ebenso ein ständiger Informationsaustausch mit den Polizeien der Länder. Wir sind gerne bereit, die gewonnen Informationen und Erkenntnisse anderen Bundesländern zur Verfügung zu stellen. Das Interesse in den anderen Bundesländern wächst stetig an, wir sind bereit unsere Vorreiterrolle zu teilen.

Herr Franta, herzlichen Dank für das Gespräch.

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