Aus unserem Blog • Von Christian Koch • Mai 2021

Wissenschaftlicher Beirat für innocam.NRW

Automatisierte und vernetzte Mobilität bietet die Chance, Menschen und Güter in Zukunft sicher, ressourcenschonend und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten, an ihre Ziele zu bringen.

Der Erfolg der automatisierten und vernetzten Mobilität hängt entscheidend von einem ganzheitlichen Ansatz ab, d.h. der Verknüpfung der gesellschaftlichen, rechtlichen, ökonomischen, ergonomischen und technischen Ebenen. In Nordrhein-Westfalen werden viele Ideen und Ansätze auf dem Wasser, der Straße, der Schiene und in der Luft mit Versuchsträgern erprobt und Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Mit der Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirates erhält das Kompetenzwerk jetzt zusätzliche Expertise, um die Mobilität der Zukunft umfassend weiterzudenken. Für NRW und über die Landesgrenze hinaus können so neue Impulse gegeben, sowie wichtige Projektvorhaben initiiert und vorangebracht werden. In der ersten Beiratssitzung im April 2021 fand ein Austausch zu drei Themen statt, die für die automatisierte und vernetzte Mobilität von zentraler Bedeutung sind:

Daten nutzbar und zugänglich machen:

Für die Daten- und Servicearchitektur werden Standards benötigt, mit denen neutrale und regionale Datenplattformen aufgebaut werden können, die kompatibel zu überregionalen Plattformen sind. Die Daten müssen so bereitgestellt werden, dass zum einen die Privatsphäre und zum anderen die Steuerung und Überwachung zu jedem Zeitpunkt gegeben sind, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Für den Aufbau von Geschäftsmodellen müssen Antworten zu folgenden Fragen gefunden werden:

  • Wer besitzt die Daten?
  • Wer hat die Datenhoheit?
  • Was kosten Daten im Austausch?

Die Anwendungen betreffen die Sicherheit durch dedizierte Konnektivität (V2X-Kommunikation), intelligente Disposition von Mobilität und optimierte Mobilitätsketten. Dazu müssen die Interaktion der Verkehrsmittel geklärt und die dazu erforderlichen technischen Mindestausstattungen definiert werden.

Infrastruktur ausbauen:

Die Infrastruktur muss so ausgebaut werden, dass sich die Nutzer*innen mit verschiedenen Verkehrsmitteln, automatisiert und nicht-automatisiert, sicher bewegen können. Erweiterte Kosten- und Nutzenanalysen werden benötigt, um zum einen die Anforderungen der Nutzer zu verstehen und zum anderen die Investitionen für den Infrastrukturausbau zielgerichtet zu lenken, d.h. die Maßnahmen zu priorisieren. Um eine durchgängige Kommunikationsinfrastruktur mit Highspeed-Datennetzen und Mobilfunk einschließlich der Konnektivität in der Luft bereitzustellen, müssen die Zuständigkeiten für Aufbau
und Betrieb organisiert werden. Parallel zur AVM-Infrastruktur muss die Elektromobilitätsinfrastruktur weiter ausgebaut werden. Dieses betrifft Ladestationen für H2/E-Mobilitätsanwendungen (insbesondere Straße und Luft), einheitliche Standards, Energiespeicherungstechnologie und die Schnittstellen zum Schienenverkehr.

Automatisierter ÖPNV

Die Nutzung der automatisierten und vernetzten Mobilität für den ÖPNV erfordert Standards zur Integration, eine V2X-Kommunikation zwischen den Verkehrsträgern an Kreuzungspunkten und dezentrale Plattformlösungen. In ländlichen und urbanen Räumen soll die neue Mobilität durch Testfelder „erfahrbar“ werden. Eine Stärkung des  Angebotes, innovative Verkehrsmittel (z.B. Lufttaxis), optimierte Verkehrsflüsse und eine Reaktivierung von Bahnstrecken für den automatisierten Verkehr sind die Mehrwerte für die Nutzer.

Zum wissenschaftlichen Beirat gehören:

Prof. Dr. Holger Beckmann, Hochschule Niederrhein:
„Automatisierte und vernetzte Mobilität wird einen wichtigen Beitrag zu nachhaltigen Lösungen in der Logistik und im Besonderen zur Versorgung smarter Cities leisten.“

Prof. Dr.-Ing. Torsten Bertram, TU Dortmund:
„NRW muss auf allen Ebenen seine Kompetenzen und Aktivitäten bündeln, um die automatisierte und vernetzte Mobilität entscheidend voranzubringen. Das Bewusstsein für unterschiedliche Formen der AVM muss geweckt werden.“

Prof. Dr.-Phil. Ellen Enkel, Universität Duisburg-Essen:
„Die Politik treibt die Mobilität. Nur mit Vernetzung, Fokussierung und anwendungsorientierter Forschung können wir die Menschen für die neue Mobilität gewinnen.“

Prof. Dr. Jeanette Klemmer, FH Münster:
„Es kann nur eine geteilte Infrastruktur in der Stadt geben. Testfelder helfen, Vorbehalte der Menschen abzubauen. Auf der Schiene ist die Automatisierung schneller realisierbar.“

Prof. Dr. Dieter Moormann, RWTH Aachen:
„Nur mit dedizierter Automatisierung und Vernetzung ist ein sicherer Betrieb von Fahrzeugen am Boden und in der Luft möglich. Damit können wir Mobilitätslösungen erschaffen, die heute eher noch als Science Fiction gelten.“

Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein, Universität Siegen:
„Die Mobilität in der Zukunft steht und fällt mit der Akzeptanz der Nutzer auf dem Land und in der Stadt.“

Prof. Dr. Wolfgang H. Schulz, Zeppelinuniversität Friedrichshafen:
„Technologie und Ökonomie müssen parallel entwickelt werden. Massive Dezentralität beschleunigt den Innovationsprozess. Automatisierte und vernetzte Mobilität muss erlebbar sein.“

Prof. Dr. Christine Sutter, Deutsche Hochschule der Polizei, Münster:
„Mobilität ist ein Grundbedürfnis aller Bürger*innen. Zugang und Sicherheit muss für alle gewährleistet sein. Automatisierte Mobilität ist kein Selbstzweck.“

Prof. Dr. Stefan Witte, TH Ostwestfalen-Lippe, Lemgo:
„Mobilität wird in den nächsten Jahren vielfältiger. Realismus und Priorisierung sind für die Umsetzung gefragt. Die Schiene als geschützter Bereich wird schneller vorankommen.“

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