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Zwei Personen stehen auf einer Bühne vor einer Leinwand mit Text und Logos von Regio Bus und Siemens, im Vordergrund Publikumssilhouetten.
© Julien Rombourg

Kooperation ist der Schlüssel für die Mobilität von morgen

| Julien Rombourg, innocam.NRW

Erkenntnisse der Netzwerkkonferenz „Innovationen für die Mobilität der Zukunft“

Die Zeit ist gekommen, die Mobilität von morgen gemeinschaftlich umzusetzen: Warum wir gerade jetzt (europäische) Kooperation brauchen, um die Mobilität der Zukunft langfristig aktiv zu gestalten.

Die Herausforderungen unserer Mobilität lassen sich nicht in Silos lösen, sondern verlangen nach einer Vernetzung aller involvierten Akteurinnen und Akteure. Zum einen auf der technischen Ebene, beispielsweise im Rahmen von C-ITS-Anwendungen, zum anderen zwischen den Menschen, die die Mobilität der Zukunft voranbringen. 

Passenderweise stand der vernetzte Charakter unseres Mobilitätsökosystem auf der diesjährigen Netzwerkkonferenz „Innovationen für die Mobilität der Zukunft“ von Bayern Innovativ im Vordergrund. 

Denn es gibt keine isolierten Einzellösungen oder das eine Allheilmittel. Alles greift ineinander und die Mobilitätswende schreitet nicht durch den Durchbruch eines einzelnen Akteurs voran, sondern durch das komplexe Zusammenspiel Vieler. Dies illustrierten die Beiträge in den drei thematischen Blöcken „Parken, Laden, Teilen“, „Innovationen im ÖPNV“ und „Intelligentes Verkehrsmanagement“. Sie reichten von Unternehmen und Verwaltungen, die gemeinsam effiziente und zugängliche Mobilität ins Rollen bringen, über Gestaltende der Mobilität von morgen, die aus Daten mehr machen, bis hin zu internationalen Forschungsprojekten, die unterschiedliche Stakeholder zusammenbringen und so den öffentlichen und den Individualverkehr sowie die Güterlogistik verbessern wollen.

Julien Rombourg war am 20.11.2025 für innocam.NRW vor Ort in München, um Impulse aufzunehmen.

Die Herausforderungen sind vielfältig, doch im Mittelpunkt standen die vorgestellten Lösungsansätze und der Appell zur gemeinsamen Umsetzung. 

Die Vernetzung der Mobilität

Ein zentrales Thema war die Frage, wie Vernetzung die Mobilität der Zukunft prägen wird und wie die Schnittstellen zu diesen neuen Lösungen aussehen können.

Konnektivität dient nicht dem Selbstzweck, sondern der Verbesserung des gesamten Mobilitätssystems und der Nutzungserfahrung (UX, kurz für engl. User Experience). 

Sie kann zur Personalisierung des Fahrerlebnisses genutzt werden, aber auch, um dieses fortlaufend effizienter und sicherer zu machen. 

Mit einem Hauptaugenmerk auf die User Experience legte Peter Ivanov von der Valtech GmbH dar, wie die nahtlose Integration neuer Services dazu führe, dass diese auch genutzt werden. So haben erste Erfahrungen mit Lösungen aus dem Bereich der Kooperativen Intelligenten Verkehrssysteme (C-ITS) gezeigt, wie wichtig die Schnittstellen sind, um die Brücke zwischen Fahrzeug und Infrastruktur zu schlagen. Bei GLOSA (Green Light Optimal Speed Advisory - einem System, das die optimale Geschwindigkeit zum Erreichen der nächsten Ampel während einer Grünphase empfiehlt) oder V2X-Kommunikation zur Warnung vor Baustellen habe sich beispielsweise gezeigt, dass für solche „fahrzeugnahen“ Services eine Implementierung im Fahrzeug besser angenommen werde, als die reine Smartphone-Integration. 

Am Nachmittag illustrierte Kathrin Hagemann, Produktmanagerin der Yunex Traffic, welche weiteren Anwendungsfälle von C-ITS schon heute im Einsatz sind und wie sie Einzelteile zu einem effizienten Gesamtsystem verbinden. Sie hob hervor, dass in Europa durch die Harmonisierung von Standards und Regulierung die Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung geschaffen wurden.

Denn am Ende geht es nicht nur darum, passende Lösungen zu erarbeiten, sondern auch darum, diese für alle Anwendenden nutzbar zu machen.

ÖPNV-Apps und ihre nachhaltige Weiterentwicklung

Im Themenblock zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wurde eine schmerzhafte Wahrheit ausgesprochen: Viele lokale Mobilitätsapps werden eingestellt, sobald die Fördergelder versiegen. 

Hier plädiert Linus Frank von der Vesputi GmbH am Beispiel des Ticketings dafür, Synergien zu nutzen anstatt individuelle Einzellösungen umzusetzen: Indem man Angebote harmonisiere und in etablierte Plattformen integriere, könnten neue Nutzgruppen erreicht, Kosten gespart und die Servicequalität verbessert werden.

Der Einblick aus der Praxis der Stadtwerke Augsburg (swaMobil) beleuchtete die aktuellen Herausforderungen bei der Weiterentwicklung existierender Mobilitätsapps: Die Entwicklung von Apps geschehe oft noch nach "Bauchgefühl", da systematisch verwertbare Nutzungsdaten aufgrund des Datenschutzes nicht verfügbar sind. Eine DSGVO-konforme Lösung mittels "Doublehashing" wurde von Lisa Figas von der TelemetryDeck GmbH vorgestellt. Dieser technische Ansatz ermöglicht eine datenschutzkonforme Nutzung zur Weiterentwicklung der App.

Mehrere Personen sitzen in einem hellen Raum mit großen Fenstern und hören einem stehenden Redner zu, der vor einer Leinwand mit Präsentationstext spricht
© Julien Rombourg

Von Daten zu Entscheidungen: Qualität als Flaschenhals der KI

Ein entscheidender Aspekt, der oft unterrepräsentiert ist, wurde in Daniel Hofmanns Vortrag zum Projekt AIAMO ins Zentrum gerückt. Die Diskrepanz zwischen Datenverfügbarkeit und tatsächlicher Datenqualität. 

Auch im Verkehrsmanagement können Künstliche Intelligenzen nur so gut sein wie die Daten, mit denen sie trainiert und „gefüttert“ werden. Oft scheitern KI-Projekte nicht an der algorithmischen Komplexität, sondern an fragmentierten, unstrukturierten oder lückenhaften Datensätzen. So unterscheide sich die Qualität sowie das Format der verfügbaren Daten zum Teil erheblich. Auch wenn einige Formate, wie die Inhalte der C-ITS-Mitteilungen, standardisiert sind, sei dies bei den vielen Datenquellen häufig nicht der Fall. Hofmann präsentierte, wie Verkehrsdaten aus vielen unterschiedlichen Quellen nach einer Qualitätssicherung in der Integrationszone AIAMOnexus für Künstliche Intelligenzen nutzbar aufbereitet werden können.

Erst durch diese Veredelung der Rohdaten verwandelt sich das theoretische Potenzial der KI in einen praktischen Mehrwert für die Mobilität von morgen.

Zentrale Handlungsfelder und Kooperationsbedarf im europäischen Mobilitätswandel

Das inhaltliche Schwergewicht der Konferenz lag für Julien Rombourg auf dem Vortrag von Linda Maté und Andreas Fehr zum Projekt ULTIMO (Nachfolgeprojekt des Projekts AVENUE). Hier ging es um nicht nur um technische Details und Umsetzungserfahrungen zum autonomen Fahren auf Level 4, sondern auch um strategische Entwicklungen im europäischen Mobilitätssektor. 

Die Herausforderungen sind bekannt: Fahrpersonalmangel, steigende Betriebskosten und verpflichtende Emissionssenkungen. Hinzu kommen neue Möglichkeiten durch die automatisierte und vernetzte Mobilität, die es nun sinnvoll zu implementieren gilt. Doch Fehrs persönlicher Appell an die Anwesenden ist von einer Dringlichkeit, die nachhallt.

Seine Kernbotschaft: Wir haben ein Zeitfenster von etwa fünf Jahren bis die Rahmenbedingungen stehen. Diese Zeit müssen wir nutzen, um eigene Standards zu setzen, skalierbare Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Technologie auf die Straße zu bringen. Danach stehen die Bedingungen – aber die Lösungen werden von anderen bereitgestellt, so die Prognose.

Es fehle aktuell an einem "EU Digital Driver", an einheitlichen Standards (z.B. für HD Maps, die jeder Hersteller aktuell noch selbst erstellt) und an der wirklichen Skalierung großer Flotten. Die EU fördere zwar vorwettbewerbliche Kooperation, doch in der Realität fände sie zu selten statt. 

Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung kooperativer Ansätze, insbesondere bei der Erprobung und Weiterentwicklung bestehender Technologien in Reallaboren und im Regelbetrieb hervorgehoben. 

Zwei Personen sitzen vor drei Bildschirmen an einem Arbeitsplatz mit Bannern im Hintergrund, die die Software my[ui!] Workplace und AGORA kommunaler Marktplatz bewerben
© Julien Rombourg

Ein Best Practice für Formate: Die Städte-Rallye

Auch methodisch setzte die Konferenz neue Akzente. Das Format der "Städte-Rallye" drehte die übliche Logik um: Nicht Unternehmen pitchten ihre Produkte, sondern Kommunen eine aktuelle Herausforderung für die sie Lösungen suchten (Reverse Pitching).

Kommunale Vertreter aus München, Hof und Kempten stellten konkrete Herausforderungen vor. Diese reichten von der Nutzung von Fahrgastdaten zur Qualitätssteigerung über die Integration eines On-Demand-Verkehrs in den ÖPNV bis zum Aufbau eines Verkehrszählsystems.

Dieser Ansatz führte im Anschluss zu einem regen Austausch, in dem verschiedene Akteurinnen und Akteure ihre eigenen Erfahrungen, Ansätze und Lösungen mit den kommunalen Vertreterinnen und Vertretern teilten. 

Fazit und Ausblick für innocam.NRW

Der Appell von Andreas Fehr macht erneut deutlich: Die Automatisierung und Vernetzung des ÖPNV ist der Hebel und für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte.

  • Kooperation ist Strategie:
    Mobilität der Zukunft entsteht nicht im Silo. Sie entsteht, wenn das Ökosystem lernt, gemeinsam zu denken.
  • Datenqualität vor Quantität: Der Erfolg von MaaS und C-ITS hängt an offenen Schnittstellen und hoher Datenqualität. Bevor wir über KI im Verkehrsmanagement sprechen, müssen wir die Hausaufgaben bei der Datenstruktur und -aufbereitung machen.
  • Bedarfsgetriebene Innovationen: Das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen auf der Grundlage von echten Bedarfen und echtem Nutzungsverhalten verbessert die Akzeptanz sowie den Nutzen, den sie stiften.
  • Mut zu neuen Formaten: Der Austausch zwischen Kommunen und Wirtschaft muss direkter werden. Das Format der "Problempitches" durch Städte ist ein Modell, das hierzu einen wichtigen Beitrag leisten kann.
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Portrait zeigt Julien Romburg vor einer Holzwand un einem lilafarbenden Hemd.

Julien Rombourg

Ansprechpartner Capacity-Building in Kommunen +49 202 439 1904