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Mann im Anzug hält Mikrofon und spricht vor sitzendem Publikum in einem Konferenzraum mit Banner 'MARITIMES FORSCHUNGSPROGRAMM' im Hintergrund
Dr. Christoph Ploß © Christoph Creutzburg

Statustagung Maritime Technologien zeigt Erfolge des Bundesförderprogramms

| Christopher Schulte, Lehrstuhl und Institut für Regelungstechnik

Das Maritime Forschungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums sichert Deutschlands Technologieführerschaft: 454 Millionen Euro Förderung seit 2018 stärken die Position deutscher Unternehmen im globalen Wettbewerb. Die Statustagung in Berlin zeigte, wie Verbundforschung und gemeinsam nutzbare Infrastrukturen Innovationsrisiken senken und gerade kleineren Unternehmen Marktzugang ermöglichen. Mit neuen Förderschwerpunkten in maritimer Sicherheit, europäischer Kooperation und Testinfrastrukturen sowie 13 Millionen Euro zusätzlich für 2026 setzt die Bundesregierung auf Kontinuität, ein Standortvorteil auch für NRW mit dem Binnenhafen Duisburg und starken Forschungseinrichtungen.

Am 11. Dezember 2025 trafen sich über 300 Innovationstreiber aus Industrie, Forschung und Politik im Mercure Hotel MOA Berlin zur Statustagung Maritime Technologien. Die jährliche Veranstaltung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) ist mehr als eine Konferenz, sie ist das Schaufenster für erfolgreiche Forschungsförderung in der maritimen Branche. Der zentrale Befund: Gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung sichern Deutschlands Position als Technologieführer im globalen Wettbewerb.

Das Maritime Forschungsprogramm: Investition in technologische Führerschaft

Seit 2018 fördert das BMWE maritime Innovation mit der Maritimen Forschungsstrategie 2025. Das Fördervolumen ist beeindruckend: 454 Millionen Euro flossen in hunderte Projekte deutschlandweit. Für 2026 kommen weitere 13 Millionen Euro hinzu. Ein Signal der Bundesregierung, dass maritime Technologien strategische Priorität besitzen.

Das Programm konzentriert sich auf vier Schwerpunkte: Autonome Mobilität und Digitalisierung mit Künstlicher Intelligenz, Schutz kritischer maritimer Infrastrukturen, klimaneutrale Schiffsantriebe und optimierte Energieeffizienz. Koordiniert wird die Umsetzung durch den Projektträger Jülich (PtJ), der Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei Antragstellung und Durchführung unterstützt.

Fünf Personen sitzen auf einer Bühne in einem Podiumsgespräch vor Publikum, zwei Personen haben verschwommene Gesichter, einer spricht und gestikuliert mit der Hand.
Panel © Christoph Creutzburg

Technologieführerschaft trotz globalen Drucks

Die Podiumsdiskussion zum Zukunftsstandort Deutschland brachte eine aufschlussreiche Erkenntnis: Während China die Hälfte des globalen Schiffbaus kontrolliert, führt Deutschland bei Zulieferern weltweit. Dr. Lars Greitsch von der Mecklenburger Metallguss GmbH brachte es auf den Punkt: „China deckt die Hälfte des Schiffbaus ab, aber Deutschland ist bei den Zulieferern auf dem ersten Platz."
Diese Stärke gründet auf Spezialisierung und technologischem Vorsprung in Nischensegmenten.

Gleichzeitig zeigen sich Veränderungen in der Branche: Die MEYER WERFT etwa baut erstmals seit 230 Jahren ein militärisches Schiff. Arthur-Hans Thellmann, leitender Stratege des Unternehmens, sieht darin einen Auftrag: Den technologischen Vorsprung in Spezialsegmenten zu verteidigen, während sich die Märkte wandeln.

Verbundforschung als Erfolgsfaktor

Prof. Dr. Sören Ehlers vom DLR Institut für Maritime Energiesysteme identifizierte gemeinsam nutzbare Reallabore als Schlüssel für Innovation. Die geplante modulare Versuchsplattform des DLR ermöglicht es Unternehmen, Technologien unter realistischen Bedingungen zu testen, ohne vollständig eigene Infrastruktur aufzubauen.

Die Verbundforschung im Maritimen Forschungsprogramm bietet einen weiteren Vorteil: Risiken werden gemeinschaftlich getragen. Gerade für kleinere Unternehmen und Start-ups senkt dies die Hürde für innovative Entwicklungen. Jann Wendt von north.io, Anbieter digitaler Lösungen für maritime Sicherheit, forderte mehr Geschwindigkeit: „Wir brauchen eine höhere Dynamik" Das Forschungsprogramm biete wichtige Austauschplattformen für Innovatoren.

Neue Förderimpulse ab 2026

Neben dem weiterhin bestehenden Fokus auf autonomer Mobilität im maritimen Bereich, kündigte Dr. Frank Hennig vom PtJ drei neue Förderschwerpunkte an:

  • Maritime Sicherheit: Technologien zum Schutz kritischer Infrastrukturen wie Offshore-Windparks, Datenkabel und Pipelines gewinnen durch geopolitische Spannungen an Bedeutung. Dr. Beate Baron vom BMWE unterstrich die Relevanz von Dual-Use-Anwendungen, Technologien mit ziviler und militärischer Nutzung.
  • MarLEN: Die europäische Forschungsinitiative stärkt grenzüberschreitende Kooperationen und erweitert den Zugang zu Fördermitteln über Deutschland hinaus.
  • InfraBoost: Der Ausbau maritimer Forschungsinfrastrukturen, von Testständen bis zu Simulationsumgebungen, beschleunigt die Entwicklung vom Prototyp zur Marktreife. Susanne Korich, Leiterin des PtJ-Geschäftsbereichs für maritime Forschung, forderte Unternehmen auf, zeitnah Ideen einzureichen. Die Mittel stehen bereit.

Planungssicherheit als Standortvorteil

Der maritime Koordinator Dr. Christoph Ploß wirbt für langfristige Finanzierung bis 2029. Diese Kontinuität ist entscheidend: Entwicklungszyklen in der maritimen Industrie dauern Jahre. Planungssicherheit ermöglicht Unternehmen, in Personal und Infrastruktur zu investieren, ohne ständig Förderrisiken kalkulieren zu müssen.

Nach sieben Monaten im Amt zieht Ploß eine positive Bilanz: „Die maritime Wirtschaft hat herausragende Bedeutung für Deutschland. Die Innovationskraft der Branche fördert kleine Unternehmen und festigt die Position großer Werften im globalen Wettbewerb."

Relevanz für Nordrhein-Westfalen

Maritime Technologien berühren zentrale Kompetenzfelder von NRW. Duisburg, als größter Binnenhafen Europas, profitiert von Innovationen in autonomer Schifffahrt und digitaler Logistik. Forschungseinrichtungen, wie z.B. die Universität Duisburg-Essen oder die RWTH Aachen, entwickeln Technologien, die im Maritimen Forschungsprogramm gefördert werden.

Die Statustagung zeigt: Maritime Forschung ist Querschnittstechnologie mit Ausstrahlung auf Mobilität, Energie und Sicherheit. Wer diese Potenziale hebt, investiert in die Zukunftsfähigkeit für Deutschland und für NRW.

In Nordrhein-Westfalen ist entsprechende Forschungskompetenz vorhanden. Das DST — Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme e.V. zählt zu den führenden Forschungseinrichtungen für Binnenschifffahrt und innovative Transportlösungen. Im Fokus stehen moderne Schiffsentwürfe, automatisierte und digitale Assistenzsysteme sowie die Optimierung ganzer Transportketten.

Um die Automatisierung der Schifffahrt zu erproben und breitflächig zu ermöglichen, führt das DST bereits eine Reihe an Forschungsprojekten durch, die sowohl auf die Infrastruktur (dazu zählen Simulatoren, Testfelder und Schnittstellen, etwa in Häfen) als auch auf die Technologie an Bord und auf Demonstratoren abzielen. Genaueres über die unterschiedlichen Forschungsprojekte und die Forschungsstrategie des DST im Gesamten können Sie unter https://www.smartshipping.info/ nachlesen. Einige der Projektbeispiele stellten wir bereits detaillierter in unserem innocam.BLOG vor, wie das Projekt FernBin und die Projekte ELLA, VeLABi und HaFoLa.

Das Zentrum leistet einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der europäischen Wasserstraßen und zur Weiterentwicklung innovativer Mobilitäts- und Transportkonzepte.

Mit technologischen und regulatorischen Fragestellungen, wie auch einer Vielzahl an weiteren Themen, beschäftigt sich auch der innocam.NRW Arbeitskreis Wasser im Detail. Wenn Sie an einem Mitwirken am Arbeitskreis Wasser interessiert sind, wenden Sie sich gerne per E-Mail an info(at)innocam.nrw

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Porträt von Tim Rehbronn mit Brille, kurzen braunen Haaren in einem weißen Hemd vor grauem Hintergrund.

Tim Rehbronn

Wissenschaftliche Mitarbeit und Arbeitskreis Wasser +49 241 80 28488